Gesundheitsminister Rösler in Achim: Unfaire Konkurrenz und Misstrauenskultur im Medizinbereich

Ohne Reform Zusammenbruch

Wortgewandt warb der Gesundheitsminister für den Umbau des Gesundheitssystems.

Achim - ACHIM (häg). · Sprechstunden für Dr. Philipp Rösler. Der Bundesgesundheitsminister scheint derzeit allgegenwärtig. Auf allen Sendern muss er seine Gesundheitsreform erklären; häufig genug verteidigen. Am Freitagabend war Rösler nach Uesen ins „Bootshaus“ gekommen, um dort im Rahmen einer FDP-Mitgliederversammlung vor zahlreichen Zuhörern über „Das deutsche Gesundheitssystem 2020 auf hohem Niveau und fair versichert“ zu referieren.

Allerdings mochte Rösler in seiner Rede nur selten so weit in die Zukunft greifen, sondern beschäftigte sich vielmehr mit den heutigen Gegebenheiten eines Systems, das Landtagsabgeordneter Dr. Gero Hocker als „bestes der Welt“ gerühmt, gleichwohl als dringend reformbedürftig eingeschätzt hatte, denn: „Die Kosten werden stetig steigen.“

Nach Dr. Philipp Rösler krankt das deutsche Gesundheitssystem an starren Vorgaben, zu viel Bürokratie und einer latenten Unzufriedenheit: „In unserem Gesundheitssystem“, sagte der Minister, „gibt es eine unfaire Konkurrenz.“

Im Vorteil seien jene, die die Regelwerke bis ins Detail für ihre Zwecke zu nutzen wüssten. Überdies gebe es zu wenig Vertrauen für diejenigen Menschen, die in diesem System und damit für die Gesundheit aller arbeiteten.

▪ „Absurdes

▪ Honorarsystem“

Rösler sprach in diesem Zusammenhang von einer Misstrauenskultur. Der gelte es zu begegnen mit mehr Eigenverantwortung, umfangreichen Informationen für den Patienten, der beispielsweise endlich wissen müsse, was Beratung und Behandlung tatsächlich kosten, sowie Maßnahmen zur Prävention: „Wir brauchen mehr Transparenz“, sagte Rösler, der das Defizitproblem im System, immerhin elf Milliarden Euro, gelöst sieht:

„Ohne die Reform wäre das Gesundheitssystem im nächsten Jahr zusammengebrochen.“

Doch der Reformeifer des Ministers ist ungebremst. Davon sollen nicht zuletzt die Ärzte profitieren, die nach Ansicht Röslers mit und in einem „absurden Honorarsystem“ zu kämpfen hätten.

Von einem Kampf für die Sache weiß auch Dr. Philipp Rösler ein Lied zu singen. Dabei scheint ihm der Sinn für Selbstironie nicht abhanden gekommen: „Ich sage, ich bin im deutschen Gesundheitswesen angekommen, andere sagen, ich sei dort aufgeschlagen.“ In gewisser Weise tröstlich sei die Erkenntnis, dass keine Entscheidung eines Gesundheitsministers unkritisiert bleibe: „Das schafft eine neue Form der Freiheit.“

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