Ausgebuchtes Rathaus beim Vortrag mit Prof. Annelie Keil / Abschluss „Burn out“-Reihe der Gleichstellungsbeauftragten

Ohne die Liebe zum Leben geht es nicht

Prof.Dr. Annelie Keil (li.) und Karin Sievers konnten sich über ein volles Langwedeler Rathaus freuen.

Langwedel - (jw) · Prof. Dr. Annelie Keil liebt es , ihre Vorträge mit einem Potpourri aus Anekdoten, Schoten, Zitaten und Volksweisheiten zu würzen. „Das Beste kommt zum Schluss“ – war an diesem Montagabend nicht zu hören. Gleichwohl legte der Besucherinnenandrang im Langwedeler Rathaus nahe, dass viele den Vortrag mit Annelie Keil, Schlusspunkt der Veranstaltungsreihe „Wenn die Seele ausbrennt – Burnout bei Frauen“, für einen Höhepunkt hielten.

Acht Veranstaltungen zum Thema hatte die Arbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis Verden organisiert – wohl keine war so schnell ausgebucht, wie die mit Annelie Keil. „Wenn der Zündstoff ausgeht und die Lebenslust erlischt! Über die Kunst, das Feuer des Lebens zu hüten und nicht auszubrennen“, war ihr Vortrag vor weit mehr als 120 Frauen und ein paar Männer in Langwedel überschrieben.

Wer nun allerdings einen Abend nach dem Motto „Ihre Sprechstunde – Fragen Sie Prof. Dr. Annelie Keil“ erwartet hatte, war definitiv schief gewickelt. „Der Vortrag wird gut eine Stunde dauern, anschließende Fragen sind ausdrücklich erwünscht“, hatte Langwedels Gleichstellungsbeauftragte Karin Sievers in ihrer Begrüßung noch verkündet. Das „gut eine Stunde“ löste bei der Referentin Keil selbst ein heftiges „Ähem“ aus. Wohl nicht zufällig. Ihr Vortrag erreichte fast die zwei Stundengrenze.

„Burn out – eine Modediagnose?“ „Diese Frage wird zum Teil nicht zu Unrecht gestellt“, befand Prof. Dr. Keil, um gleich nachzulegen: „Diese Frage ist zum Teil aber auch Abwehr.“ Was nicht weiter verwundern muss. Erst in allerletzter Zeit ist unsere Gesellschaft dabei, „Burn out“ in allen seinen Variationen oder Depressionen (wobei diese beiden Diagnosen absolut und eben nicht gleichzusetzen sind, so Keil) als „richtige“ Krankheiten anzuerkennen. Und das wird allerhöchste Zeit. 28,7 Milliarden Euro hat die Behandlung seelischer Erkrankungen im Jahr 2008 bundesweit gekostet, nach einer höchstoffiziellen Erhebung des statistischen Bundesamtes.

Sein Leben lang ist Mensch mit der Frage beschäftigt: „Warum bin ich auf der Welt, was ist meine Aufgabe?“ Dann kommen noch die Anforderungen der Umwelt, fremde und eigene Erwartungshaltungen dazu, mit denen umgegangen sein will.

„Das Feuer des Lebens? Das ist die Liebe zum Leben, ohne die geht es nicht.“ Dieses Feuer brennt mal heller, mal nicht so heftig, und selbst wenn es einmal ausgegangen zu sein scheint, ein Glimmen ist immer da. „Wenn eine Seele ausbrennt, fragt man sich doch, wofür sie vorher gebrannt hat. Von was kam die Müdigkeit, wie sah der Weg dahin aus?“

Da ist Frau (und Mann) gefordert, sich immer wieder auf sich selbst zu besinnen, sich selbst etwas Gutes zu tun. Und wenn man den Weg verloren hat, darf und soll man sich fachliche Hilfe suchen.

Im Anschluss an den Vortrag gab es heftigen Applaus – aber keine Fragen mehr. Höchstens die, wann Frau Professor wieder nach Langwedel kommt. „Bei 80 Leuten auf der Warteliste sollte ich wohl. Dann kann ich den Vortrag ja mehr auf die Männer ausrichten...“, meinte Annelie Keil. Einen Termin hierfür gibt es noch nicht, wohl aber für eine andere Veranstaltung.

In Anlehnung an den Vortrag von Prof. Dr. Annelie Keil laden die Gleichstellungsbeauftragte Karin Sievers und die Kommunikationspsychologin Anna-Maria Muschik zum Themenworkshop „Burn-out-Prophylaxe - Achtsamkeit und faire Konfrontation“. Geplant ist dieser Workshop für den 10. Januar und 13. Januar, jeweils von 17 bis 20 Uhr im Rathaus. Anmeldungen bei: Anna-Maria Muschik, Telefon 04235/2419, oder EMail: anna.muschik@klaerhaus.de .

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