In der Interdisziplinären Aufnahme wissen Mitarbeiter vorher nie, was kommt

Notfälle sind nicht planbar

Mitarbeiter der Notaufnahme (v.l.): Monika Meyer, Margitta Schröder, Sabine Pfaff, Dr. Werner Müller-Bruns, Gisela Semrau und Marion Meyer ·
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Mitarbeiter der Notaufnahme (v.l.): Monika Meyer, Margitta Schröder, Sabine Pfaff, Dr. Werner Müller-Bruns, Gisela Semrau und Marion Meyer ·

Verden - Wenn Jutta Westmeyer die Notaufnahme des Verdener Krankenhauses betritt, hat sie keine Ahnung, was der Tag bringen wird, denn: Notfälle sind nicht planbar. Es ist gerade mal 6 Uhr, als die Krankenschwester mit einer Kollegin den Dienst in der Interdisziplinären Ambulanz und Aufnahmestation (IDA) beginnt.

Mit den Mitarbeitern der Nachtschicht findet die Übergabe statt, und Jutta Westmeyer, die bereits seit 15 Jahren in der Aller-Weser-Klinik arbeitet, hat sich schnell einen Überblick verschafft: Drei Patienten liegen noch im Aufnahmebereich, einer schläft sich nach einer Alkoholvergiftung aus, bei den anderen beiden wird ein Herzinfarkt ausgeschlossen. „Alle werden am Monitor überwacht und die Herzkreislauf-Situation auf dem zentralen Bildschirm aufgezeichnet“, erklärt Westmeyer.

Gemeinsam mit ihren Kollegen versorgt sie die Patienten pflegerisch, nimmt Blut ab, verteilt Medikamente und reicht das Frühstück. Währenddessen sitzt im Behandlungsraum 1 bereits der erste chirurgische Patient und wartet auf die Ergebnisse einer Röntgenuntersuchung.

Einen typischen Arbeitstag gibt es in der IDA nicht. Eine ganzheitlich ausgerichtete Ausbildung und langjährige Berufserfahrung helfen der Leitung, Marion Meyer, und ihrem Team von insgesamt 20 Pflegekräften, die für die Arbeit in der Notaufnahme so wichtige Flexibilität und Professionalität zu entwickeln. „Wir sind in der Regel die erste Bezugsperson für die Patienten, wenn sie das Krankenhaus betreten.“

So auch bei dem Mann, der gegen 10 Uhr mit starkem Nasenbluten in die IDA kommt. Durch gezielte Fragen gilt es, die Ursache der Beschwerden einzuschätzen. Jutta Westmeyer, die stellvertretende Leiterin der Notaufnahme ist, erklärt: „Geht der Blutung ein Sturz oder Schlag voraus, ist der Chirurg gefragt. Liegt kein äußerlicher Einfluss vor, erfolgt die Blutstillung durch den Internisten. Zusätzlich werden die Ursachen, wie zum Beispiel ein zu hoher Blutdruck, diagnostiziert und therapiert.“

Mit welchem Notfall der nächste Patient durch die Tür kommt, weiß vorher keiner. Vielleicht ist es ein Maler, der vom Gerüst gefallen ist, vielleicht ein Schüler, der sich beim Sport das Bein gebrochen hat, oder eine Frau mit Blinddarmentzündung. Autounfälle, Alkoholvergiftungen, Atemnot, Herzinfarkt, abgetrennte Gliedmaßen – die Liste ließe sich endlos weiterführen. Marion Meyer berichtet: „Pflege in der Notaufnahme bedeutet, jederzeit hochkonzentriert zu arbeiten und dabei stets alle Patienten im Blick zu haben.“

Das Aufgabenfeld der Pflegekräfte in der Notaufnahme ist weit gefasst: Richten der sterilen Materialien für kleine Eingriffe sowie deren Entsorgung, Anlegen von Wund-, Gips- oder Stützverbänden, Umgang mit dem mobilen Röntgengerät, Einordnen einiger Laborparameter. „Dazu kommt dann noch die eigentliche Pflege, die sich stets nach Expertenstandards richtet.“ So gehören die Vitalzeichenkontrolle, die Inkontinenzversorgung oder das Führen der Fieberkurven und die Pflegedokumentation zum Alltag in der Notaufnahme. Die IDA verfügt über sieben Bettplätze, drei Behandlungsräume, einen Gips- sowie einen Schockraum. Die Menschen kommen oft nicht nur mit starken Schmerzen, sondern auch mit großer Angst. „Beides versuchen wir ihnen zu nehmen“, so Meyer.

Um 13 Uhr treffen Jutta Westmeyers Kolleginnen von der Spätschicht ein. Inzwischen wurden die Patienten vom Morgen entlassen oder auf weiterbehandelnde Stationen verlegt und neue Patienten aufgenommen. Westmeyer erklärt: „Wer mit einem akuten chirurgischen Problem kommt, wird oft direkt von der IDA in den OP gebracht.“ Gerade die Zusammenarbeit mit den anderen Abteilungen und die Koordination der Untersuchungen ist ein wichtiger Bereich für die Pflegekräfte der Notaufnahme. „Nur so lässt sich der Aufenthalt der Patienten optimal gestalten.“ Die Anzahl der Menschen, die täglich diesen Bereich des Verdener Krankenhauses durchlaufen, variiert. „Im Schnitt sind es zwischen 50 und 70“, schätzt Jutta Westmeyer. „Davon bleiben 10 bis 20 zur weiteren Behandlung im Krankenhaus.“

Um 20 Uhr nimmt die Nachtschicht ihren Dienst auf und bedient bis zum nächsten Morgen die Klinikpforte, geschlossen ist die Notaufnahme nie.

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