„Niemand außer Gott darf mir in die Seele schauen“

"Menschenunwürdig": Bernard Duchemin klagt auf Führerschein-Rückgabe

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Bernard Duchemin klagt gegen die Führerscheinstelle des Landkreises und hält den Umgang mit Verkehrssündern bei der „Medizinisch Psychologischen Untersuchung“ (MPU) für teilweise menschenunwürdig. ·

Thedinghausen - „Diese Frau wollte mir in die Seele schauen. Das darf aber außer Gott niemand“, betont Bernard Duchemin aus Thedinghausen. Er bezieht sich auf Erfahrungen bei der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) in Hamburg nach Entzug seines Führerscheins.

Diese Untersuchung brach er nicht nur wegen sehr privater Nachfragen der Psychologin zu seinen Lebensverhältnissen ab. Auch der Reaktionstest „mit Pedal vor dem blinkenden Bildschirm“ als Bestandteil der MPU sei wegen des ansteigenden Tempos der Aufgaben kaum zu bewältigen.

Die große Mehrzahl falle deshalb durch, müsse erneut die Prüfung bewältigen und spüle damit der staatlichen Einrichtung Millionen in die Kasse, kritisiert der bald 60-jährige, aus Paris stammende frühere Erfolgs-Jockey. Und wer Test-Vorbereitungskurse belege, zahle gleich mehrere tausend Euro.

Tatsache ist, dass Bernard Duchemin über mehrere Jahre 18 Punkte auf dem Flensburger Verkehrssünder-Konto angesammelt hat. Die Führerscheinstelle beim Landkreis entscheidet in solchen Fällen, ob für den oder die Betreffende MPU angeordnet wird oder nicht.

Bei ihm seien die Punkte ganz überwiegend zu Stande gekommen, weil er etliche Male auf Autobahnen wegen überhöhten Tempos „geblitzt“ wurde, so Duchemin. Niemals habe er jedoch andere direkt gefährdet, und mit Alkohol am Steuer oder Drogen habe er auch nichts zu tun gehabt.

Daher erscheint ihm die mit fehlender Fahreignung begründete Weiterverweisung nach Hamburg als nicht nachvollziehbar. Bei seinen 32 Jahren Erfahrung am Steuer und rund 1,5 Millionen zurückgelegter Kilometern könne von mangelnder Fahreignung wohl nicht die Rede sein.

Über seinen Verdener Anwalt hat der Thedinghauser mit Datum 11. Februar 2013 deshalb auch Klage gegen die Ablehnung der Führerscheinstelle auf Neuerteilung einer Fahrerlaubnis eingelegt. Die Klage stützt sich unter anderem darauf, dass Gründe für die Zweifel an der Fahreignung nicht mitgeteilt worden seien.

Die sechs Monate Führerscheinentzug – was ihn auch die Arbeitsstelle kostete – sowie 500 Euro Geldstrafe wegen des hohen Punktestands habe er natürlich akzeptiert, macht Duchemin deutlich.

Das gelte aber nicht für die gleichzeitige Verordnung einer MPU und die dortige „menschenunwürdige Behandlung“. Er verweist auch auf Fernsehsendungen wie „Hart aber fair“, in denen die seines Wissens nach in der EU einmalige deutsche Einrichtung kritisch unter die Lupe genommen worden sei. In Berichten, die sich der Thedinghauser aus dem Internet zog, ist sogar von „Psychologischer Folter gegen Verkehrssünder durch die MPU“ die Rede.

Auf Nachfrage dieser Zeitung bei der Stelle in Hamburg hieß es, grundsätzlich dürften natürlich keine Auskünfte über Einzelfälle erteilt werden. Doch auch zu Durchfallquoten bei Reaktionstests oder festgelegte Grenzen bei psychologischen Gesprächen mit Verkehrssündern war nichts zu erfahren. · la

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