„Wir Sagehorner“ wollen Gemeinschaft aktiv gestalten / „Soziales Netzwerk“

Das neue Wir-Gefühl im Dorf

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„Wir Sagehorner“ pflegen das neue Wir-Gefühl im Dorf – nächstes Treffen in Wahlers’ Kneipe ist am 15. Januar. ·

Oyten - Von Petra HolthusenSAGEHORN · Seine „Kleine Kneipe“ mit allem Drum und Dran zum Billard spielen, Musik hören, Bierchen zischen ist eigentlich Hermann Wahlers’ reines Privatvergnügen – urig ausgebaut und eingerichtet hinter dem alten Stall an der Sagehorner Dorfstraße 84. Alle paar Wochen aber nun füllt sich seine Kneipe bis auf den letzten Klappstuhl – als Treffpunkt der neu aus der Taufe gehobenen Dorfgemeinschaft, die sich schlicht und treffend „Wir Sagehorner“ nennt.

„Irgendwas muss hier passieren“, befanden Ende September die drei Ehepaare Doris und Hermann Wahlers, Traute und Andreas Vollmer und Birgit und Ralf Thaysen, allesamt Anwohner der Sagehorner Dorfstraße. Sie sahen ihren Ortsteil auf dem besten Weg zur Schlafstadt, zum links liegen gelassenen Außenbereich, in dem obendrein die dörfliche Gemeinschaft und der Zusammenhalt flöten zu gehen drohen.

Also ergriffen sie die Initiative, verteilten Handzettel und luden zum ersten Sagehorner Treff ein. Die Resonanz zeigte und zeigt, dass es ein Bedürfnis gibt, sich fester im eigenen Lebensumfeld zu verwurzeln, sich auch für den überübernächsten Nachbarn zu interessieren, enger zusammenzurücken und gemeinsam etwas zu gestalten. „Wie schön, dass man sich mal kennen lernt“, bringt es Margret Lueßen auf den Punkt. Sie und ihr Mann Reinhard gehören inzwischen ebenso zum festen Kern von „Wir Sagehorner“ wie knapp 20 weitere Aktive. Andere sind mal dabei, mal nicht: „Das ist ja das Schöne: Wir sind kein Verein mit Verpflichtungen. Und wir brauchen auch keinen Vorstand“, schmunzelt Hermann Wahlers.

„Wir Sagehorner“ treffen sich zum Plauschen, Planen und Politisieren, aber auch zum Feste feiern. Neben den Gesprächen in der „Kleinen Kneipe“ gab’s ein erstes Straßenfest und danach einen Herbstklönschnack, bei dem sich fast 100 Sagehorner amüsierten, Alt und Jung, Ureinwohner und Zugezogene. Für den 29. Januar ist nun abends ein Grünkohlessen für alle Sagehorner, die mögen, auf dem Backsberg geplant.

Der nächste Sagehorner Treff in Wahlers’ Kneipe ist für den 15. Januar terminiert, Start: 20 Uhr. Wenn jeder was zu trinken vor sich hat und die neuesten Neuigkeiten ausgetauscht sind, geht’s an die Themen des Abends. Das kann der laufende Protest gegen die geplante Bahnstationsverlegung sein oder der angestrebte Bürgerbus für Oyten, für den sich aus der Sagehorner Runde bereits eine Fahrerin im Rathaus angemeldet hat.

Das können Ideen für Unternehmungen sein, die dem Wiederaufleben des Dorfcharakters dienlich wären – im Gespräch sind ein Osterfeuer und eine Radfahrergruppe –, oder auch die kommenden politischen Sitzungen der Gemeinde, in denen sich die Sagehorner jetzt häufiger zu Wort melden und ihre Interessen stärker vertreten wollen.

Was „Wir Sagehorner“ alles wollen, das steht in den Statuten, die sie sich, obwohl kein Verein, gegeben haben. Sagehorn für Sagehorner interessant machen (Ortsgestaltung, Kunst und Kultur inklusive), das Gefühl einer Gemeinsamkeit prägen, Austausch und Nachbarschaftshilfe fördern, zusammen reden, aktiv sein und Spaß haben – so lässt sich das Programm zusammenfassen. Eine Plattform, um dörfliche Interessen zu pflegen und die Gemeinschaft aufzupäppeln. Dabei gilt: Nichts muss, alles kann.

Meinungs- und Generationenvielfalt sind ausdrücklich erwünscht. Alle Sagehorner sind in der Runde jederzeit willkommen. Ein Zugezogener erlebte hier nach fünf Jahren in Sagehorn übrigens zum ersten Mal „Zugehörigkeit über die direkte Nachbarschaft hinaus“. Auf Facebook & Co. kann er getrost verzichten: „Das hier ist unser soziales Netzwerk – ein Netzwerk zum Anfassen“, sagt er.

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