Anke Kastenschmidt zur Leiterin der Erich-Kästner-Schule ernannt / Vom Förder- zum Beratungszentrum

Neue Rektorin soll Wandel schaffen

Harm Schmidt von der Landesschulbehörde überreichte Anke Kastenschmidt gestern die Ernennungsurkunde.

Achim - (mm) · Anke Kastenschmidt, frisch ernannte Rektorin der Erich-Kästner-Schule in Achim, steht vor einer anspruchsvollen Aufgabe. In den nächsten Jahren soll sie die „Förderschule mit Schwerpunkt Lernen“ an der Ackerstraße weitgehend überflüssig machen und in ein „Beratungszentrum“ für alle, die in der Region mit lernbehinderten Kindern und Jugendlichen zu tun haben, umwandeln.

Bei der gestrigen feierlichen Amtseinführung der 35-jährigen Fischerhuderin fiel immer wieder das Stichwort „Inklusion“. Was übersetzt bedeutet, dass lernbehinderte Schülerinnen und Schüler schon bald kaum noch gesonderte Schulen besuchen sollen, sondern in großer Anzahl und, so das Ziel, irgendwann selbstverständlich die Regelschule absolvieren.

Auch die Rede von Regierungsschuldirektor Harm Schmidt, der gestern die „offizielle Inthronisation“ der bereits seit fast einem Jahr an der Erich-Kästner-Schule in leitender Funktion tätigen Anke Kastenschmidt vornahm, drehte sich um dieses Thema. Der dortige Lehr- und Lernbetrieb beruhe schon jetzt auf „drei Säulen“, nämlich der Förderung von Kindern in der Stammschule, der Förderung in verschiedenen Regelschulen im Nordkreis über das sogenannte Regionale Integrationskonzept (RIK) und der beratenden Aufgabe, erläuterte der Vertreter der Landesschulbehörde in Verden.

Die Bildungsleitlinien des Landes sähen vor, die vorhandene „Vernetzung“ voranzutreiben und die Förderschule zu einem „Beratungszentrum“ für spezielle Pädagogik und Förderung auszubauen. Neben Fachleuten von Schulen könnten dort auch Abteilungen von Stadt und Landkreis, wie etwa die Erziehungsberatung oder der Medizinische Dienst mit dem Zweig Kinder- und Jugendpsychiatrie, ihren Sitz haben, führte Schmidt aus.

Dennoch könnte und sollte die Erich-Kästner-Schule weiterhin das „Förderzentrum“ für die Region bleiben, um Schülerinnen und Schülern für eine begrenzte Zeit unter die Arme zu greifen. „Denn meiner Meinung nach geht Inklusion nicht zu 100 Prozent“, erklärte der Regierungsschuldirektor.

Anke Kastenschmidt steht also eine Menge Arbeit bevor. Die dafür erforderliche Kraft, Mut und Durchsetzungsvermögen wünsche er ihr, schloss Harm Schmidt.

Volkshochschulleiterin Sabine Wahba, die als stellvertretende Leiterin des Schulamtes des Landkreises der Feierstunde beiwohnte, stellte der Rektorin schon mal ein gutes Zeugnis aus. In der jüngsten Sitzung des Kreis-Schulausschusses, die in der Erich-Kästner-Schule stattfand, habe Kastenschmidt die Schule „mit viel Herzblut und Engagement vorgestellt und gezeigt, dass ihr die Schüler sehr am Herzen liegen“, lobte Wahba.

Die Stadt freue sich, dass wieder eine Schulleiterstelle in Achim regulär besetzt worden sei, sagte Bürgermeister Uwe Kellner, der damit auf die nach wie vor unbesetzten Rektorenposten an der Astrid Lindgren-Schule und der Grundschule Uesen anspielte. Sein ehrenamtlicher Stellvertreter Bernd Junker, von Beruf Polizist, habe allerdings leider „ermittelt, dass Sie gar nicht in Achim wohnen“, frotzelte Kellner in Richtung der Fischerhuderin. Deshalb überreichten beide ihr einen Stadtplan und den „Achimer Willkommensbeutel“.

Agnes Gerken-Lüllmann, Leiterin der Grundschule Baden, wünschte der neuen Kollegin in der „Elefantenrunde“ im Namen aller Achimer Grundschulen und damit der RIK-Partner, und mit einem Präsentkorb als handfestem Geschenk ausgestattet, alles Gute. Sie erinnerte an Kastenschmidts Vorgängerin Ulrike Voigt-Treublut, die RIK maßgeblich aufgebaut habe, und nur wenige Monate nach Beginn ihres Ruhestands Ende vergangenen Jahres starb.

Ursula Fechtmann bescheinigte ihrer neuen Chefin eine „freundlich-zupackende Art bei viel Gelassenheit“. Anke Kastenschmidt habe Aufbruchstimmung an der Schule erzeugt und damit auch das Kollegium mitgerissen. Ihr neues pädagogisches Kind, die Nachmittagsbetreuung, solle nach den Sommerferien anlaufen.

„Kapitänin“ Kastenschmidt gab die Komplimente zurück, charakterisierte ihre gestern mit kleinen Geschenken auflaufende Mannschaft als „unkompliziert, locker“ und dankte besonders Konrektor Peter Stenzel und Schulsekretärin Christine Kohler, die ihr den Einstieg im Hause sehr erleichtert hätten. Die Inklusion sei für die „echte Teilhabe“ der Förderschüler notwendig, betonte Anke Kastenschmidt. „Auch wenn es auf dem langen Weg dorthin sicher Gegenwind geben wird.“

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