Die neue Brücke: Schienenverkehr über Aller und Wätern bei Verden

Eine lange Geschichte

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Tonnenweise Stahlträger für die Brückenkonstruktion.

Verden - Von Erich Schwinge. Die Züge rollen schon auf der neuen Eisenbahnbrücke, das Großprojekt bei Verden mit einem Kostenvolumen von 50 Millionen Euro scheint fertig. Wenn in zwölf Monaten, nach dem Rückbau der alten Brückenelemente, die Baumaschinen und Laster abrücken, werden drei Jahre Bauzeit enden. Seitdem erste Mängel festgestellt und die Bauarbeiten beschlossen wurden, sind mittlerweile mehr als 15 Jahre vergangen. Die Geschichte des Schienenverkehrs in Verden geht aber in die Anfänge der Eisenbahngeschichte zurück.

Nach der Eröffnung der Bahnstrecke Nürnberg– Fürth im Dezember 1835 begannen im Königreich Hannover die Planungen für mehrere Eisenbahnstrecken. Unter Leitung von Ingenieur-0berstleutnant Victor Lebrecht Prott (21.09.1781-16.02.1857) wurde unter anderem die Strecke Hannover-Bremen geplant. Sie wurde am 12. Dezember 1847 eingleisig eröffnet. Wichtige Bauwerke auf dieser Strecke waren die Brücken über die Aller und die Wätern bei Verden und Wahnebergen. Mit 393 Metern Länge war die Allerbrücke die längste im Königreich Hannover. Der 1847 in Betrieb genommene Allerübergang war bis 1867 eine eingleisige Holzkonstruktion.

Als der Eisenbahnverkehr Ende der 1850er Jahre immer mehr zunahm, wurde der zweigleisige Ausbau der Strecke Hannover – Bremen geplant. „Die Arbeiten zur Überwölbung der Strecke an der Aller wurden im Herbst 1860 begonnen und zu Anfang des Winters 1862 in der Hauptsache beendet“, ist der Zeitschrift des Architekten- und Ingenieursvereins zu entnehmen. Damals bestand die Hauptbrücke aus 23 Wölbungen à 48 Fuß oder 14 Meter, die bis auf die bei Kriegsende zerstörten Wölbungen über die Aller bis heute erhalten geblieben sind. Die Wätern wurde mit sieben Wölbungen in gleicher Konstruktion überbrückt. Die Ziegelsteine für die gemauerten Brückenbögen stammten aus Ziegeleien aus der Umgebung von Verden und Stade. Der Bau und die dafür erforderliche Logistik muss für die damalige Zeit eine Kraftanstrengung gewesen sein.

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs, genau am 13. April 1945, wurden die Bögen über die Aller gesprengt, um die Benutzung durch die vordringenden englischen Truppen zu behindern. 1950 wurden die zerstörten Brückenbögen durch Stahlträger ersetzt, so dass ab dem 21. Dezember 1950 wieder Züge verkehren konnten.

Seit dem 3. Februar 1988 wurde die Eisenbahnbrücke als Baudenkmal geführt. Aber Ende der Neunziger Jahre stellten die Behörden zunehmende Mängel am Mauerwerk der Brückenbögen fest. Im Zusammenhang mit der Planung eines neuen Brückenbauwerks wurde der Denkmalschutz wieder aufgehoben und der Abriss der alten Brücke beschlossen.

Die Arbeiten am neuen Bauwerk begannen im Sommer 2013 und endeten zunächst mit dem Anschluss der Brückengleise an das Schienennetz. Am 9. September konnte der erste Zug über das Ostgleis fahren, am 16. Oktober wurde auch das Westgleis für den Verkehr freigegeben.

Für die neue Brücke wurden zunächst parallel zur alten auf beiden Seiten Baustraßen gebaut und neue Dämme aufgeschüttet. Baugruben für die 13 Brückenpfeiler und Widerlager für die Querung der Aller und der Wätern wurden gegraben. Nachdem die umfangreiche Stahlarmierung eingebaut und die Schalung fertiggestellt war, wurden sie mit Beton ausgegossen. Unterdessen wurde bereits an der eigentlichen Brücke gebaut. Dafür entstand ein ebener Unterbau aus Beton und Stahl, auf dem die Brückenteile gelagert und verschweißt wurden. 30 bis 50 Tonnen schwere Teilstücke waren in Neumarkt in Bayern hergestellt und mit Schwerlastfahrzeugen nach Verden transportiert worden. Das musste nachts geschehen und war dennoch schwierig, weil die bis zu sechs Meter breiten und teilweise 35 Meter langen Brückensegmente auch über Bundes- und Landstraßen bugsiert werden mussten.

Vorort wurde alles montiert und mit hydraulischen Pressen in Richtung Aller an den vorgesehenen Platz verschoben. Dann konnten Gleise auf einer Schotterschicht folgen. Nach dem Anschluss an das Bahnnetz verkehren sämtliche Züge jetzt auf der neuen Brücke. Im Frühjahr 2016 beginnt der vollständige Abbruch der alten Brücke.

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