Forderung nach gemeinsamer Bildung / Vortrag des Behindertenbeirats

Nein zur Sonderschule

Doris Pemöller, Vorsitzende des Behindertenbeirats, und Prof. Dr. Hans Wocken.

Verden - (nie) · „Bildungs- chancen und Bildungsgerechtigkeit – auf dem Wege zu einem inklusiven Bildungssystem“, war der Titel einer vom Behindertenbeirat des Landkreises organisierten Diskussionsveranstaltung mit Prof. Dr. Hans Wocken von der Universität Hamburg im Akzent Hotel Höltje.

Pädagogen, Erzieher und Eltern folgten interessiert den Denkanstößen des Referenten. Sie basierten auf den „Unesco guidelines for inclusion“ sowie auf eigenen Forschungsarbeiten im schulischen Bereich, hier besonders im Hinblick auf eine „Schule für alle“.

Wie soll die Schule der Zukunft aussehen? Wie wird man unterschiedlichen Voraussetzungen der Kinder gerecht? Schüler mit und ohne Behinderung – sie alle sollen gemeinsam und wohnortnah unterrichtet werden.

Die Idee der inklusiven Bildung ist nicht zuletzt durch die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung in den Fokus der öffentlichen Debatte gerückt. Der Begriff „Integration“ hat damit eigentlich ausgedient, „Inklusion“ heißt das neue Zauberwort. Es bedeutet, dass Behinderungen nicht länger als Makel angesehen werden, sondern einfach Teil der Gesellschaft sind.

Wocken: „Die inklusive Schule ist eine Schule der Vielfalt: Die Kindergruppen sind bunt gemischt, der Unterricht ist nach Art eines Lernmarktes organisiert, und er bietet für alle etwas, die Lehrerschaft setzt sich aus sehr unterschiedlichen Professionen zusammen. Die Vielfältigkeit der Menschen, der Lernangebote und Lernsituationen regt zum Miteinander- und Voneinanderlernen an. Die Kultur der Vielfältigkeit ist spannend, motivierend, kreativ und effektiv, denn: Das Milieu erzieht.“

Für Wocken bringt die Zukunft den Abschied von den Sonderschulen, weil sie die Kinder nicht besser förderten als allgemeine Schulen. Kaum ein anderes Land in Europa sortiere Schüler so fein säuberlich: Schlecht sprechen – Sprachbehinderten-Schule. Schlecht sehen – Sehbehinderten-Schule. Schlecht lernen – Lernbehinderten-Schule. „Wenn es nach der Wissenschaft ginge, müsste die Förderschule von heute auf morgen geschlossen werden.“

Das Förderschulmilieu beschrieb er als eines auf einem sehr niedrigen Niveau, wo es keine Zugpferde gebe, die den Unterricht belebten, so dass die Schüler auf ihrem bisherigen Stand blieben und in ihrer Entwicklung stagnierten. Die Uni Hamburg habe das in einer umfangreichen Studie belegt: „Mit jedem weiteren Jahr auf der Förderschule wird der IQ der Kinder niedriger.“

Wocken wagte auch den Blick über den geografischen Tellerrand. „In Italien und Skandinavien etwa werden gesamtschulartige Systeme von allen Schichten der Bevölkerung und ausnahmslos von allen politischen Parteien getragen. Von einem derartigen gesamtgesellschaftlichen Bekenntnis zu gemeinsamen Schulen für alle Kinder sind wir zurzeit aber noch weit entfernt.“

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