Karsten Hormann neuer Landschaftswart für die Gemeinde Oyten / Im Moor und mit dem Schutzgedanken aufgewachsen

Das naturschützerische Erbe des Vaters

Kreiszeitung Syke

Oyten - (pee) · Das „Gewissen gegenüber der Natur“, die Sorge um ihren Erhalt, bekam Karsten Hormann vor gut 40 Jahren mit in die Wiege gelegt. Als jüngster Sohn des obersten Oytener Umweltschützers Kurt Hormann – manche sagen auch respektvoll „Grüner Sheriff“ – und seiner im Hintergrund nicht weniger engagierten Frau Elfriede wuchs Karsten Hormann mitten im Königsmoor auf, half schon als Kind beim Entmüllen der Landschaft und pflanzte an Vaters erstem Biotop seine ersten Bäume, sobald er den Spaten händeln konnte.

Da erscheint es nur folgerichtig, dass der Sohn auch in offizieller Funktion das naturschützerische Erbe von Kurt Hormann antritt: Seit Jahresbeginn ist Karsten Hormann ehrenamtlicher Landschaftswart für die Gemeinde Oyten; ein Amt, das sein Vater fast 25 Jahre ausfüllte. Zwar wartet er noch auf das offizielle Schreiben aus dem Verdener Kreishaus, weiß aber, dass der Kreistag ihn im Dezember auf Vorschlag der Gemeinde in Nachfolge seines Vaters in das Amt gewählt hat.

Der sichtbare Amtswechsel vollzieht sich am 25. Januar, wenn Kurt Hormann vor der Ratssitzung im Oytener Rathaus gebührend verabschiedet und mit der Ehrenmedaille des Landkreises Verden ausgezeichnet werden soll. Die gesellt sich dann zu seinem Bundesverdienstkreuz und anderen Ehrenabzeichen des fast 82-Jährigen, der in seinem Leben schon vieles war, und immer mit Leidenschaft: Eisenbahner, Gewerkschafter, Friedensbewegter, Ortsvorsteher, SPD-Politiker im Gemeinderat...

Nach 40 Jahren Anpacken, Ärmel hochkrempeln und Streiten für die Natur weiß Kurt Hormann gar nicht mehr, wann er eigentlich offiziell zum Landschaftswart berufen worden war. Am 1. April 1987, weiß die Naturschutzbehörde beim Kreis. Hormanns Engagement aber begann viel früher. In den 70ern „gab es viele junge Leute bei uns in der SPD, die viel über Umwelt geredet haben“, erinnert er sich. Den Worten folgten Taten: Die Genossen pachteten das „Stille Dreieck“, 18 000 qm Naturgrund nahe dem Clüverdamm, baggerten einen Teich aus und schufen „ein Rückzugsgebiet für die vertriebene Tierwelt“. „Jeder Fraktionskollege hat zweimal 50 Mark dafür gegeben – und ich wurde angezeigt und musste 150 Mark Strafe zahlen, weil ich das Grundwasser angezapft hatte. Damit ging’s los“, lächelt Kurt Hormann.

„Na, eigentlich ging’s mit der Moorreinigung los“, ergänzt Elfriede Hormann. Das Königsmoor, in dem ihr Mann von 1952-54 mit eigenen Händen sein Haus gebaut hatte, war eine Müllkippe. Hormann organisierte Helfer, Trecker, Container – und los ging’s: „100 Container voll Abfall haben wir da rausgeholt. Mit Flaschenzügen haben wir halbe Autos rausgezogen.“ Für die Unterschutzstellung des Landschaftsgebietes Königsmoor haben Hormanns und ihre Mitstreiter lange und zäh gekämpft: „1500 Unterschriften haben wir damals gesammelt“ – und die Unterschutzstellung gegen die damalige politische Mehrheit in Oyten durchgesetzt. „Dass was in Gang gekommen ist, haben die Bürger von Oyten gemacht“, betont Hormann.

Und in Gang kam in den vergangenen Jahrzehnten eine Menge: Renaturierung des Altöllagers an der Pestalozzistraße und der 97-ha-Heidefläche am Brillensee, Pflanzaktionen mit Schulklassen an der Bahn in Sagehorn, Flächenankäufe im Königsmoor, aber vor allem im Sietmoor, in dem der Gemeinde heute 75 000 qm gehören und das sich dank Hormann und seiner Helfer mit mehreren Teichen und ungezählten Anpflanzungen in ein riesiges Biotop verwandelt hat.

Auf die Unterstützung des Landkreises konnte Hormann immer bauen: „Jahrzehntelang haben wir bis zu 1200 Bäume und Büsche im Jahr für Heckenanpflanzungen und 700 Stunden Hilfe von den Langzeitarbeitslosen bekommen.“ Ungezählte unentgeltliche Stunden steckte Hormann mit Familie und Freunden in die Pflanz- und Pflegearbeit auf Oytens renaturierten Flächen, scharte Sponsoren und Unterstützer um sich, stritt sich mit Landwirten, Jägern, Politikern, baute Nistkästen mit Kindern. Seine Rentnergang mit einem harten Kern von zehn Senioren arbeitet jede Woche in der Natur für die Natur – und will auch Karsten Hormann unterstützen.

Denn der 40-Jährige, der mit Frau und zwei Kindern im Bassener Heidort lebt und bei Mercedes in Bremen als Feinblechner arbeitet, kann die Oytener Landschaftspflege nicht als unbezahlten Vollzeitjob betreiben wie sein Vater, der seit 30 Jahren Rentner ist. Karsten Hormann kümmert sich um die von Amts wegen vorgegebenen Aufgaben: Mähzeiten- und Rindermast-Kontrollen in geschützten Gebieten, Ackerseitenstreifen-Schutz, in Biotopen und Waldstücken nach dem Rechten sehen... „Man muss Interesse haben, viel rumkommen und die Gegend kennen“, sagt Karsten Hormann. Er ist mit dem Moor und dem Schutzgedanken groß geworden, und spätestens seit seiner Zeit als Umwelt-Zivi 1989/90 bei der Gemeinde, als er zweimal die Woche „Fahrradstreife“ fuhr, kennt er hier jeden Weg und Steg.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Deutsche Basketballer besiegen überraschend Frankreich

Deutsche Basketballer besiegen überraschend Frankreich

Zehntausende setzen mit Greta Thunberg Zeichen fürs Klima

Zehntausende setzen mit Greta Thunberg Zeichen fürs Klima

Erneut China-Rückkehrer in Deutschland gelandet

Erneut China-Rückkehrer in Deutschland gelandet

Neues Nienburger Kino offiziell eingeweiht

Neues Nienburger Kino offiziell eingeweiht

Meistgelesene Artikel

Auto kollidiert mit Baum - zwei Menschen schwer verletzt

Auto kollidiert mit Baum - zwei Menschen schwer verletzt

„Keiner muss Kuchen backen“

„Keiner muss Kuchen backen“

Die Favoritin erzielt den Spitzenpreis

Die Favoritin erzielt den Spitzenpreis

Zeugnis mit Aussicht

Zeugnis mit Aussicht

Kommentare