Projekttage „Stark ohne Gewalt“ an der BBS Verden / Jugendliche lernen, wie man sich bei Konflikten verhält

„Nachgeben ist die wahre Stärke“

Wie schafft man es, in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf zu behalten? Karl-Heinz Emter, Sükrü, Sezgin, Lisa und Henning Seiffert diskutieren.Fotos(2): Rosebrock

Verden - (ros) · „Ey Alter, was guckst du meine Freundin an?“ Nicht selten geraten Jugendliche in solche Situationen. Die Lage spitzt sich immer mehr zu, man weiß nicht mehr, was man tun soll und häufig wird dann eben zugeschlagen. Wie es man es schafft, dass es gar nicht erst soweit kommt, das lernten drei Schulklassen der BBS Verden während ihrer Projekttage.

Karl-Heinz Emter reckt seine Arme soweit in die Höhe, dass der 17-jährige Sezgin sie kaum noch erreichen kann. „Größe ist mir gegeben. Ich darf sie nicht benutzen, um andere kleinzumachen“, erläutert er den Schülerinnen und Schülern.

Auch wenn man sich gut vorstellen kann, dass der Mitarbeiter der Braunschweiger Arbeitsstelle Rechtsextremismus und Gewalt und Box instructor sich in mancher Prügelei auf der Straße behaupten würde, ihm gelingt es, den Jugendlichen in ihrer Sprache zu verdeutlichen, dass es eben nicht darauf ankommt, wer am härtesten zuschlägt. „Nachgeben ist die wahre Stärke.“

Die Schüler sollen lernen, was Vertrauen bedeutet. Der Verlauf eines Gespräches werde nämlich oft schon durch die Art des Händedrucks bestimmt. Karl-Heinz Emter kann die Leute nicht umkrempeln, ihnen nicht erklären, was in welcher Situation zu sagen ist, sondern nur Vorschläge machen.

Fast jeder der Schüler ist schon einmal in eine brenzlige Situation gekommen. Die Mädchen seltener, aber auch das kommt vor. Lisa hat einen türkischen Freund. „Da wird man auch mal blöd angemacht“, erzählt sie.

„Es reicht nicht mehr, einmal eine Backpfeife zu geben, häufig prügelt man sich bis einer am Boden liegt“, sagt Sezgin. Er habe aber auf jeden Fall an diesem Tag gelernt, dass man selbstbewusst auf andere Menschen zugehen muss. „Erstmal reden und nicht sofort zuschlagen.“

Und nebenbei haben die Schüler auch noch gemerkt, dass sie eine sehr gute Klassengemeinschaft sind. Als sie bei einem Vertrauensspiel persönliche Dinge getauscht und zurück getauscht haben, konnten sie merken, dass sie sich gegenseitig vertrauen, so der türkischstämmige Sükrü.

Die Projekttage waren der Abschluss der Unterrichtseinheit „Gewalt und Gewaltlosigkeit“ im Fach evangelische Religion, die von Schulpastor Henning Seiffert durchgeführt wurde. „Gewalt gehört inzwischen leider zur Lebenswelt der Jugendlichen“, meint er, auch wenn es an der Schule selbst fast nie zu gewalttätigen Auseinandersetzungen komme. Mit der Mitarbeit seiner Schüler ist er sehr zufrieden.

„Viele unserer Schüler wollen sich mit dem Thema beschäftigen“, bestätigt auch der stellvertretende Schulleiter Reinhard Witt. „Verden ist da ganz toll aufgestellt.“

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