19-Jährige schneidet Bremsschläuche durch

Mordversuch oder dummer Streich?

Langwedel - Von Wilfried PalmVERDEN / LANGWEDEL · War es – wie angeklagt – ein Mordversuch, oder doch nur ein, allerdings gefährlicher Streich, für den eine 19-jährige Heranwachsende aus der Nähe von Langwedel seit gestern vor der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts Verden steht?

Die junge Frau hatte am 23. Februar 2012 in Wesselburen (Schleswig-Holstein) zusammen mit einem Freund die Bremsschläuche des Autos ihres Ausbildungsleiters durchtrennt, weil sie auf ihn „sauer“ war.

Dabei will sie sich über die Gefährlichkeit dieses Eingriffs zunächst nicht im klaren gewesen sein. „Ich habe geglaubt, dass das Auto dann nicht mehr anspringt“, erklärte sie in ihrem Geständnis.

Was zunächst unglaubwürdig klingt, könnte allerdings stimmen, denn die Angeklagte leidet offensichtlich an einer starken Reifeverzögerung und scheint den Ernst ihrer Lage nicht richtig begriffen zu haben. Fast fröhlich schilderte sie die Vorgänge, die zu der Tat geführt hatten.

Als eines von acht Kindern war sie von ihren Eltern in ein Heim gegeben und später von einer Pflegefamilie in Langwedel aufgezogen worden. Trotz eines Realschulbschlusses reichte es unter anderem wegen einer Gehörschädigung nicht für die angestrebte Ausbildung im IT-Bereich.

Statt dessen landete sie in einem Berufsbildungswerk in Husum und wird dort zur Fahrzeugpflegerin ausgebildet. Mit ihrem Ausbildungsleiter geriet sie schon im Januar über Kreuz. Weil er ihr als Radfahrerin angeblich zweimal mit dem Auto die Vorfahrt genommen hatte, das aber bestritten hatte, besprühte sie seinen Wagen mit der Aufschrift „Menschenmörder“. Sie entschuldigte sich allerdings später in zwei handgeschriebenen Briefen dafür.

Mit aus Einzelbuchstaben zusammengeklebten Drohbriefen an den Ausbildungsleiter will sie nichts zu tun haben. Der verdächtigte sie aber, auch diese Briefe geschickt zu haben und durchstöberte auf der Suche nach Beweisen ihr Zimmer. Dabei wurde er von der Angeklagten erwischt. Eine Erklärung für diese Aktion sei er schuldig geblieben, so die 19-Jährige.

Das erboste sie so sehr, dass sie zusammen mit einem Freund beschloss, dem Mann einen Denkzettel zu verpassen. Die Idee, die Bremsschläuche durchzuschneiden, habe dann der Freund gehabt. Sie selbst habe von Autos gar keine Ahnung – eine Behauptung, die zu glauben dem Vorsitzenden Richter Joachims Grebe schwer fiel.

In wieweit die „Ahnungslosigkeit“ der Angeklagten echt oder nur gespielt ist, soll ein Gutachter beurteilen. Danach richtet sich das Urteil, dass zwischen mehreren Jahren Haft und einer Bewährungsstrafe liegen kann. Für den Prozess sind fünf weitere Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil fällt am 19. Oktober.

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