Abendliches Wandern bei jedem Wetter / Wirtin „serviert“ ein heißes Fußbad

Mondschein festigt ihre Freundschaft seit 35 Jahren

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Gruppenfoto ohne Mond: Elke und Erich Braun, Rosemarie und Gerhard Zieseniß, Helga und Harald Quaschny, Bärbel und Karl-Heinz Spöring, Jutta Rehorst (von links). Verhindert war Ernst Golz-Schmid. ·

Verden - Seit 35 Jahren spaziert eine Gruppe von Freunden aus Verden und der Umgebung regelmäßig durch Vollmondnächte. Für die Mondgänger, wie sie sich selbst nennen, spielt es dabei keine Rolle, ob das Mondlicht den Abendhimmel erhellt, es regnet, schneit oder stürmt. Wenn der Mond auf der einen Seite der Erde und die Sonne auf der anderen Seite steht, finden sie sich zusammen.

Alles fing damit an, dass ein Freund ihnen von Spaziergängen im Mondschein vorgeschwärmt hatte. „1977 kam der Gedanke auf, dass man sich dazu häufiger treffen sollte“, berichtete Harald Quaschny beim jüngsten Treffen. Anfangs waren es neun Paare, von denen die Männer die Leidenschaft fürs Singen teilten. Alle waren beziehungsweise sind Mitglieder des Verdener Männerchores.

Theoretisch sind es zwölf Vollmondnächte im Jahr, aber wenn diese auf Heiligabend oder einen Donnerstag und damit auf die Chorprobe fallen, werde das Treffen verschoben. So manchen Geburtstag habe man aber bei Vollmond schon gemeinsam gefeiert.

Über 350 Spaziergänge seien es auf jeden Fall, bei denen sie sich auf die Beine machten. Gestartet wird immer bei einem anderen Mondscheingänger, der dann auch das Ziel bestimmt. Dies ist immer ein Lokal, in dem sie nach den früher längeren, heute kürzeren Spaziergängen einkehren. Ein bis zwei Stunden seien sie anfangs unterwegs gewesen. Wanderten über den Deich von Hutbergen nach Rieda, wo die Wirtin ihnen ein heißes Fußbad in einer Zinkwanne bereitet habe. Und bei minus 20 Grad stapften sie im hohem Schnee durch die Wachholderheide bei Ramelsen. „Es war so kalt“, erinnerte sich eine der Frauen. Der „Taras“ im Gepäck sei da sehr wohltuend gewesen. Auf dem Lohberg weckten sie das Misstrauen des Wachpersonals einer Flugabwehrraketenanlage. „Plötzlich rief einer: ‚Hundeführer zurück‘“, berichtete die Gruppe.

„Viele Wirte im Landkreis kennen uns“, weiß Gerhard Zieseniß. Aber auch über die Kreisgrenzen hinaus waren und sind die Mondscheingänger unterwegs. Per Fahrrad, Bahn oder Auto. Ihre Jubiläen feierten sie bei Ausflügen ins Sauerland oder Potsdam. Anlässlich des 35-jährigen Bestehens ihres „Clubs“ im gerade zu Ende gegangenen Jahr spazierten sie über die Insel Föhr – bei Vollmond natürlich. Und als Erich Braun die Gruppe heimlich bei der NDR 1-Plattenkiste anmeldete, kam schnell eine Einladung für den Mondscheinclub. „So etwas hatten die noch nie“, berichtete Braun.

Wenn der Vollmond scheint, ist es natürlich wunderschön, aber das Wichtigste sei die Geselligkeit. „Wir haben viel Spaß zusammen, aber man ist auch für einander da, wenn einer ein Problem hat. Das macht unsere Freundschaft aus“, betont Gerhard Zieseniß und erntete zustimmendes Nicken. Unvergessen sind auch jene, die heute nicht mehr dabei sind.

Ein festes Ritual gibt es aber noch bei den Mondscheingängern: das Käseknobeln. Um die Zeit von der Bestellung bis zum Servieren des Essens zu überbrücken, wird geknobelt. Wer die 21 erreicht, darf sich ein Stück abschneiden und bei wem der im Käse steckende Zahnstocher kippt, der zahlt den Käse. Das ist so sicher, wie der Termin für den nächsten Vollmond.· wb

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