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Mit Bäuerin Kraul im Rosengarten

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Von: Christel Niemann

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Eine Frau träge eine helle Bluse und eine Cappy. Sie steht neben einem Rosenbusch.
Die Rosenschere kommt bei Ulrike Kraul nur selten zum Einsatz. © niemann

Über 300 Exemplare in 180 Sorten blühen im Garten von Familie Kraul in Westen. Daran dürfen sich auch Gäste erfreuen. Der idyllische Garten steht jedem offen.

Westen – Wer fleißige Bienen, Hummeln und andere Insekten sehen will, der muss unbedingt den Jaeger Hoff von Ulrike und Hermann Kraul, Zum Sportplatz 5, in Westen besuchen. Mit ihrem „grünen Daumen“ hat Ulrike Kraul hier rund um ihr „Rosenhus“ ein naturnahes Paradies als Stätte der Begegnung geschaffen und dort, wo sich noch vor wenigen Jahren die Schweine suhlten, einen wunderschönen Garten angelegt: ganz im Sinne der Natur und nur begrenzt von menschlicher Hand geordnet. Der Garten ist vielfältig und üppig. Ulrike Kraul lässt ihn wachsen und gedeihen, fast wie es ihm gefällt. Diese Einstellung zur Natur entlastet die Bäuerin und schafft gleichzeitig ein Paradies für Insekten.

Denn sobald im Frühling alles zu sprießen und zu wachsen anfängt, kommt Ulrike Kraul mit der Pflege kaum mehr nach und lässt irgendwann fünf gerade sein: „Ich greife dann nur noch ordnend ein.“ Ulrike Kraul kann gut damit leben, dass nicht alles perfekt ist, dass sie immer irgendeine Gartenarbeit nicht mehr bewältigt hat. „Schön ist der Garten ja trotzdem und für Insekten ist er ein Paradies“, sagt sie. Mit sichtbarem Stolz begleitet sie den Rundgang durch den Garten, entlang an zahlreichen Stauden und Blühpflanzen und natürlich den Rosen, die im Mittelpunkt der gärtnerischen Aktivitäten der Bäuerin stehen. Denn ab Mitte Mai und bis zum ersten Frost explodiert der Garten förmlich in Blütenfülle, wenn in diesem Zeitraum über 300 Rosen in 180 Sorten rund um das Bauernhaus der Familie Kraul blühen. Sie stehen in Beeten und unter Bäumen, ranken an Haus-, Stall- und Scheunenwänden, winden sich über Gartenhäuschen und Rankhilfen wie eiserne Bögen, und das in vielen Farben und Formen. Manche sind richtige Prachtrosen, andere kommen bescheidener daher und enthüllen ihre Schönheit erst auf den zweiten Blick. Bienen und andere Insekten haben jedenfalls ordentlich was zu futtern. Überall im Garten summt und brummt es gewaltig, und es ist eine Freude, den vielen fleißigen Insekten zuzuschauen. „Ich bin für den Garten zuständig, mein Mann für die baulichen Aktivitäten“, erzählt Kraul. Und das ist wichtig, da Hermann Kraul für das Gartenidyll seiner Frau bereits das Rosenhus sowie mehrere schöne Lauben angefertigt sowie heimelige Sitzplätze geschaffen hat. Besucher können sich folglich kaum sattsehen an den Perspektiven, die der Garten bietet und an den Rabatten in Rot, Rosarot, Weiß, Blau, Gelb, Rot und Orange. Sämtliche Sorten fallen durch sehr gesundes, tiefgrünes Laub auf. Dabei tut Ulrike Kraul gar nicht viel dazu. „Ich bin keine klassische Rosenliebhaberin oder -kennerin, für die die Arbeit an den Rosen nie ausgeht. Bei mir haben auch sogenannte Unkräuter oder Brennnesseln eine Chance. Bei der Gestaltung des Gartens, der längst noch nicht fertig ist, habe ich vor allem die Indikatoren für die Biodiversität im Blick. Gespritzt wird generell nicht, Verblühtes wird nur bei Pflanzen entfernt, die mehrmals blühen, und wenn eine Pflanze nicht wachsen will oder erkennbar krank ist, wird sie entfernt.“

Ein kleines Backsteinhaus mit einer grünen Tür ist umringt von Blumenrabatten und vor allem von Rosen.
Dat Rosenhus im großen und idyllischen Garten der Familie ist nicht nur an Backtagen bei Besuchern sehr beliebt. © niemann

Vor zwei Jahren hätten mehrere kalte Frostnächte einigen der Rosen den Garaus gemacht, auch Gewitter und Starkregen hätten in der Vergangenheit schon mehrmals Rosenranken zu Boden gerissen, doch die widerstandsfähigen Sorten hätten sich alle wieder erholt und erfreuten bereits wieder mit ihren Blüten.

Hat sie eine Lieblingsrose? „Eigentlich nein. Ich kann zwar zu einigen eine Geschichte erzählen, aber wichtige Auswahlkriterien bei Neuanschaffungen sind wegen des Klimawandels primär Robustheit und Blattgesundheit. Ansonsten: „Ob Zwerg-, Beet-, Strauch-, Kletterrosen oder Rambler – ich mag alle“, sagt Kraul mit Blick auf die robuste Bodendecker-Rose „Kastelruther Spatzen“, die den Betrachter mit weißen, stark gefüllten und nostalgisch anmutenden Blüten besticht.

Allerdings hat Kraul bislang noch jeder Rose beste Startbedingungen gegeben und dem Pflanzloch jeweils Lehm hinzugefügt. „Sonst täte sich auf diesen sandigen Böden ja nichts“. Und so prächtig in ihrem Garten die Rosen und Stauden auch gedeihen – ein Teil der einfassenden Buchsbäume ist dem Zünsler zum Opfer gefallen. „Die betroffenen Pflanzen haben wir entfernt. Es nutzt ja nichts.“

In den Garten der Familie Kraul darf täglich, von 10 bis 18 Uhr, jeder hereinkommen, der Lust dazu hat, und im Rosenhus eine Pause einlegen (größere Gruppen bitte anmelden) möchte. Neben der Dorfchronik, Roseninfos und aktuellen Zeitschriften finden sich Getränke, oft auch getrockneter Butterkuchen, Märchenbücher und ein CD-Player mit „alter Musik“. Darüber hinaus finden regelmäßig an Sonntagen Backtage statt, an denen Ulrike Kraul die Gäste mit leckeren Köstlichkeiten aus dem elektrischen Steinbackofen bewirtet.

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