Weihbischof Hans-Georg Koitz zu Besuch in St. Josef

Missbrauch: Druck auf Täter ausüben

Weihbischof Hans-Georg Koitz und Propst Bernd Kösling verstanden sich gut.

Verden - (ahk) · Einen Pastoral- und Visitationsbesuch machte Weihbischof Hans-Georg Koitz von der Diözese Hildesheim in der Propsteigemeinde St. Josef. Vier Tage lang führte er Ende der vergangenen Woche Personalgespräche und informierte sich über die katholischen Einrichtungen, wie den Kindergarten, die Lebensberatung der Caritas und das Altenheim. Außerdem traf er mit Bürgermeister Lutz Brockmann und Landrat Peter Bohlmann zusammen.

„Ich habe viele positive Dinge gefunden“, stellte Bischof Koitz erfreut fest. Lobende Worte fand er für die engagierte Gemeinde, in der viele ehrenamtliche Helfer tätig sind und daher den Betrieb der zahlreichen katholischen Einrichtungen erst ermöglichen.

„Jeder Pfarrer hat seine eigene Handschrift“, wusste Bischof Koitz. Propst Bernd Kösling habe es verstanden, gute Beziehungen zu Rat- und Kreishaus herzustellen: „Das ist längst nicht überall so“, berichtete er im Pressegespräch. Auch seien die Mitarbeiter der verschiedenen Einrichtungen für die Bedürfnisse von Kindern und Eltern sensibilisiert. „Wir müssen überlegen, was wir für die Kinder und ihre Eltern tun können, um das Sozialgefüge positiv zu verstärken“, erklärte der Bischof. Zudem sei es wichtig, viele Menschen für ehrenamtliche Tätigkeit zu gewinnen, ohne sie zu überlasten. Für mehr hauptberufliche Mitarbeiter sei kein Geld vorhanden. So habe die Diözese der Gemeinde St. Josef im letzten Jahr die Stellen für den Küster und den Hausmeister gestrichen.

Die ökumenische Kooperation der Kirchen ist für Bischof Koitz in der heutigen Zeit unverzichtbar. „Alle Kirchen stehen unter den gleichen Vorzeichen und haben mit denselben Problemen zu kämpfen“. Viele Menschen könnten heute mit dem Glauben nichts mehr anfangen. Daher müssten die Kirchen gemeinsam in eine Richtung schauen und überlegen, was für die Menschen getan werden könne.

Auch zu den jüngst bekannt gewordenen Fällen von sexuellem Missbrauch in katholischen Einrichtungen nahm der Bischof Stellung. Prävention und Hilfsangebote seien unverzichtbar, betonte er. Daher werde das kirchliche Personal in Zukunft in Aus- und Fortbildungen geschult, um Anzeichen eines Missbrauchs erkennen zu können. Außerdem gebe es demnächst in den Bistümern Teams aus neutralen, kompetenten Ansprechpartnern, Ärzte oder Psychologen, an die das Opfer sich wenden kann. „Der Druck auf den Täter, sich der Justiz zu stellen, muss verstärkt werden“, forderte Bischof Koitz. Das Wichtigste aber sei, dass sexueller Missbrauch kein Tabuthema bleiben dürfe.

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