VerdenerinvonGesetzgeberenttäuscht

„Minijobber gehen leer aus“

Verden - (kle) · „Man geht jahrelang arbeiten, hat aber keine Rechte“, beklagt sich die Verdenerin M. Seifert. Die 41-Jährige ist enttäuscht von der sozialen Absicherung in der Bundesrepublik. Sie ist geringfügig beschäftigt, seit sechs Wochen krank, und jetzt gibt es kein Geld mehr.

Als die Mutter eines vierjährigen Sohnes vor eineinhalb Jahren ihre Stelle in einem Verdener Supermarkt antrat, war sie eine von knapp sieben Millionen Menschen mit einer geringfügigen Beschäftigung in der Republik. 35 Stunden im Monat packt sie Ware aus und stellt sie ins Regal. Das ist nicht immer eine leichte Tätigkeit: „Manche Produkte sind schwer und müssen hoch gehoben werden, um sie an ihren Platz zu setzen“, erklärt Seifert.

Die Arbeit ist ihr wichtig und die 240 Euro, die sie dafür im Monat erhält, sind ein willkommenes Zubrot zum Einkommen ihres Mannes. Aber mehr Stunden könnte sie nicht leisten: Die Zeit gehört ihrem Sohn.

Seit Mitte Dezember laboriert die Verdenerin jetzt an einem Tennisarm und an einer schmerzhaften Sehnenscheidenentzündung. „Arbeitsunfähig“, hatte der Arzt entschieden, und bis zum Jahreswechsel blieb Seifert erst einmal zu Hause. Die Besserung ließ aber auf sich warten: „Das heilt nur langsam.“ Statt einer weiteren Krankschreibung zog M. Seifert es vor, das neue Jahr mit einer Woche Resturlaub zu beginnen. Arbeiten konnte sie aber auch danach noch nicht wieder, und so stellte der Arzt erneut einen gelben Schein aus.

Der Supermarkt zahlte das monatliche Entgelt weiter, so weit war noch alles in Ordnung. M. Seifert ist immer noch nicht kuriert, der Arm schmerzt noch und ist geschwollen. Aber, so teilte der Arbeitgeber jetzt mit, mittlerweile seien die 42 Tage verstrichen, die er verpflichtet sei, weiter zu zahlen.

Die Verdenerin war zwar etwas überrascht, dass die Urlaubswoche einfach so der Krankheitszeit zugeschlagen wurde, aber das mit der Sechs-Wochen-Frist sei korrekt, da hatte sie sich schlau gemacht.

Aber jetzt ist langsam nicht mehr alles in Ordnung, das Geld fehlt. Und auf Krankengeld hat sie keinen Anspruch, im Gegensatz zu allen nicht geringfügig Beschäftigten: Vom 43. Krankheitstag an gingen Minijobber leer aus, informiert eine Broschüre des Bundesarbeitsministeriums. Die Krankenkasse springe für Minijobber nicht ein. Der Hintergrund: Die Arbeitgeber führen zwar Krankenkassenbeiträge für ihre geringfügig Beschäftigten ab. Das Geld fließt auch an die Krankenkassen weiter, aber lediglich in den Risikostrukturausgleich. Krankenversichert sind die Minijobber hierdurch nicht. Auch M. Seifert nicht, die über ihren Mann familienversichert ist. Also erhielt sie von der AOK Verden ganz im Sinne des Gesetzgebers die Information, dass „kein Anspruch auf Krankengeld bestehe“.

M. Seifert ist sauer, sie fühlt sich vom Gesetzgeber im Stich gelassen. Jetzt überlegt sie, ob sie den Termin beim Arzt diese Woche lieber sausen lässt und am Montag, trotz Schmerzen und geschwollenem Arm, wieder zur Arbeit geht.

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