19-jähriger Iraker wegen zweifach versuchten Totschlags vor dem Landgericht Verden

Messerstecher rastete völlig aus

Opfer Mirko Biernath versieht bereits wieder den Streifendienst

Verden - · Weil er in der Nacht zum 21. Juli 2009 völlig ausrastete, steht der 19-jährige Iraker Hawkar A. aus Verden seit gestern vor der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts Verden. Ihm wird versuchter Totschlag in zwei Fällen, davon einer an einem Polizeibeamten, vorgeworfen. Den hatte er mit einem Messerstich in den Hals lebensgefährlich verletzt.!

Gleich zu Beginn des zunächst auf drei Tage terminierten Prozesses legte er ein umfassendes Geständnis ab. Mit seinem älteren Bruder war er in der gemeinsamen Wohnung am Fritz-Reuter-Weg gegen Mitternacht zunächst in einen verbalen Streit wegen des zu lauten Fernsehers geraten. Als sein Bruder ihn im Verlauf der Auseinandersetzung geschlagen habe, sei er in die Küche gegangen und habe ein Messer geholt, um sich zu wehren.

Obwohl sich der durch den Lärm aufgewachte Vater der beiden zwischen sie stellte, stach der Angeklagte viermal auf seinen Kontrahenten ein und verletzte ihn mit bis zu zwei Zentimeter tiefen Stichen unter anderem an der Schulter und am Kinn. Er habe ihn töten wollen, gab Hawkar A. unumwunden zu.

Der so Angegriffene entzog sich durch die Flucht in eine nahe gelegene Kneipe an der Lindhooper Straße, doch der wütende Bruder folgte ihm, nur mit einer Schlafanzughose bekleidet, bis dorthin und führte dabei immer noch zwei Messer mit sich.

Als sich ein Beamter der inzwischen herbeigerufenen Polizei ihm in den Weg stellte, stach er diesem mit dem größeren der beiden Messer in die linke Halsseite und traf dabei die Schlagader. Nur durch eine schnelle Notoperation im Klinikum Bremen konnte das Leben des jungen Polizisten gerettet werden. Der Bruder wurde im Rotenburger Diakoniekrankenhaus ärztlich versorgt.

Während der Angeklagte bei der Messerattacke die Tötungsabsicht zugab, konnte er zum Messerstich gegen den Polizeibeamten keine genauen Angaben machen. Es ist derzeit nicht einmal klar, ob er ihn als Polizisten erkannt hatte.

In seiner Aussage vor der Polizei hatte er es zugegeben, jetzt vor Gericht will er das erst nach dem Stich und als der Mann schon am Boden lag, gemerkt haben. Er sei halt sehr aggressiv gewesen und habe einfach nur zugestochen, ohne darüber nachzudenken, erklärte er.

Die blutige Tat war offensichtlich der Höhepunkt eines schon länger schwelenden Konfliktes zwischen den Brüdern. Der ältere habe sich immer aufgespielt und ihn herumkommandiert, berichtete der Angeklagte, der noch einen weiteren Bruder und eine Schwester hat.

1990 war er mit Mutter und Geschwistern aus dem Irak dem Vater nach Deutschland gefolgt, hier zur Grund- und später zur Sonderschule gegangen. Einen Schulabschluss und eine Berufsausbildung hat er nicht. Die meiste Zeit verbrachte er mit Gewaltspielen am Computer.

Alkohol oder Drogen spielten bei der Tat allerdings keine Rolle. Die entsprechenden Tests verliefen negativ, so dass eine verminderte Schuldfähigkeit nicht in Frage kommt.

Der Prozess wird am 26. Januar fortgesetzt und voraussichtlich am 11. Februar mit dem Urteil enden. Ob alle zunächst geladenen 17 Zeugen angesichts des Geständnisses noch gehört werden müssen, ist offen.

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