Markt-Analyse: 2,4-mal soviel Neubauten im Kreis wie bisher erforderlich

Drohende Wohnungskrise

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Für anerkannte Flüchtlinge, aber auch für andere Menschen mit niedrigeren Einkommen, wird der Wohnungsmarkt enger. Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum wächst.

Landkreis - Im Landkreis Verden werden 640 Wohnungen zusätzlich für die Flüchtlinge gebraucht, die in diesem Jahr kommen. Das geht aus einer aktuellen Wohnungsmarkt-Analyse des Pestel-Instituts hervor. Nach Berechnungen der Wissenschaftler steigt 2015 der Bedarf im Kreisgebiet auf 1070 Wohnungen. Im Schnitt wurden in zurückliegenden Jahren aber nur 440 Wohnungen pro Jahr gebaut.

Deshalb warnt das Pestel-Institut: „Um eine handfeste Wohnungskrise zu vermeiden, muss dringend neuer Wohnraum her. Immerhin braucht der Landkreis in diesem Jahr 2,4-mal so viele Wohnungen wie bislang jährlich überhaupt neu gebaut wurden“, sagt Institutsleiter Matthias Günther. Auch in den kommenden Jahren müsse sich der Landkreis auf einen „hohen Wohnraumbedarf einstellen“. Es sei deshalb „zwingend notwendig, die bisherige Neubaurate enorm zu steigern und beim Leerstand kräftig zu sanieren.“

Zwei Mangelerscheinungen diagnostizieren die Wissenschaftler bei der Wohnungsmarkt-Analyse: „Es fehlen bezahlbare Wohnungen. Vor allem Sozialwohnungen. Also vier Wände für die Menschen, die sich teure Wohnungen oft nicht leisten können: Rentner, Alleinerziehende, junge Menschen in der Ausbildung, einkommensschwache Haushalte und eben auch Flüchtlinge“, sagt Günther.

Hinter der Untersuchung steht die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt. Sie hat mit dem Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB), der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) und dem Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB) die Analyse in Auftrag gegeben. Gemeinsam sprechen sich die Vertreter der Branche für eine Ankurbelung von Wohnungsneubau und für eine Offensive bei der Sanierung bei Leerständen aus. Ebenso für einen Neustart des sozialen Wohnungsbaus. Erreicht werden könne dies, so das Institut, durch zinslose Darlehen und Investitionszulagen für genossenschaftliche und kommunale Unternehmen.

Um private Investoren zu gewinnen, schlagen die Wissenschaftler steuerliche Anreize vor. So sollte regional und zeitlich begrenzt in Verbindung mit Mietobergrenzen eine lineare Abschreibung für Abnutzung (AfA) von vier Prozent eingeführt werden. Ebenso eine degressive Abschreibung mit anfänglich zehn Prozent, um den sozialen Wohnungsbau zu stärken.

Die vom Bund jetzt bereitgestellten 500 Millionen Euro, die die Länder bis 2020 jährlich für den sozialen Wohnungsbau bekommen sollen, sieht das Pestel-Institut kritisch. „Das wird hinten und vorne nicht reichen. Bundesweit werden dadurch bestenfalls zwischen 10000 und 12000 Wohnungen neu entstehen. Der Landkreis Verden wird davon nicht wirklich spürbar profitieren“, sagt Matthias Günther.

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