Geschichts-AG ist Ottersberger Gebäuden auf der Spur und bot jetzt Kostprobe über Auf und Ab des Hauses von Bargen

Markante Bauten in bewegten Zeiten

Ottersberger Schüler klopften mit ihrem Lehrer Hinrich Wahlers Steine für den Wiederaufbau des gegen Kriegsende schwer beschädigten Hauses von Bargen. Dieses Bild stammt aus dem umfangreichen Archiv des Ottersberger Heimatforschers Günther Wiggers, das insgesamt rund 4000 historische Aufnahmen aus dem Ort enthält. Fotos(2): Keppler

Ottersberg - (kr) · Spannend gestaltet sich die Beschäftigung der Ottersberger Arbeitsgruppe Geschichte im Kulturverein im Rektorhaus. Die 14 Personen umfassende Gruppe, geleitet von Fritz Bartels, spürt der Historie Ottersberger Häuser nach und will etwa 2013 ein Buch darüber veröffentlichen.

Jeder bearbeitet spezielle Themen. „Es soll keine Chronik werden, sondern eine Art Lesebuch, das immer mal wieder gern zur Hand genommen wird“, informierte Günther Wiggers, der als Hobby-Heimatforscher viel über Ottersberg weiß und in der AG zuständig für die Ortsmitte ist.

Derzeit arbeiten alle an einem detaillierten Inhaltsverzeichnis für geplante rund 300 Seiten, um festzulegen, welche Häuser in welchem Umfang dargestellt werden sollen. Wiggers ermöglichte eine erste Kostprobe zur Geschichte des vor 100 Jahren an der Wümmebrücke errichteten Hauses von Bargen, in dem sich heute die Seniorenresidenz proSenium befindet.

Johann von Bargen hatte das ursprüngliche Gebäude als Wohn – und Geschäftshaus konzipiert. Es wurde als erstes Haus in Ottersberg mit Zentralheizung ausgestattet und entstand auf einer Pferdeweide.

Die Geschäfte mit Möbeln liefen gut und wurden auf die Ausstattung von Pferdekutschen mit hochwertigen Materialien ausgeweitet. Zum Ende des zweiten Weltkrieges erlebte die Familie von Bargen dramatische Tage. Ende April 1945 sollte die Brücke vor dem Möbelhaus zur Verteidigung des Wümmenordarms durch die Wehrmacht gesprengt werden. Englische Truppen marschierten nämlich in der Kampflinie Bremen-Verden auf Ottersberg zu.

Als am 24. April gegen 18.30 Uhr die ersten englischen Granaten am Bahnhof einschlugen, wurde trotz laufender Verhandlungen mit von Bargens und anderen Ottersberger Bürgern die Sprengung vorbereitet.

Die Detonation gegen 22.15 Uhr war so stark, dass die Druckwelle selbst bei den Häusern am jetzigen Kreisel die Ziegel von den Dächern fegte. Das Haus von Bargen trug schwerste Schäden davon und wurde später auch noch beschossen.

Der Wiederaufbau gelang nur mit viel Mühe und unter Mitwirkung Ottersberger Schulkinder, die mit Lehrer Hinrich Wilkens Steine klopften.

Nachfolgende GeschäftsGenerationen errichteten in der Nachkriegszeit einen Seitenflügel sowie eine Möbelhalle von 12 mal 40 Metern, da der Kundenstamm bis nach Stade und Verden reichte. Selbst auf der Landwirtschaftsausstellung in Tarmstedt war die Firma, die durch Heirat nun Vogel-von Bargen hieß, vertreten. Um selbst angemessen wohnen zu können, errichtete die Familie 1967 auf dem Nachbargrundstück unmittelbar an der Wümme ein repräsentatives Haus.

Da sich die wirtschaftliche Lage auf dem Möbelmarkt für mittelständische Unternehmen aber stetig verschlechterte, entschloss sich die Familie Vogel nach zwischenzeitlicher Verpachtung ihrer Gebäude zur Errichtung eines Pflegezentrums für ältere Menschen.

1984 verließen die letzten Möbel die Verkaufsräume, und innerhalb von zehn Monaten entstand die Seniorenresidenz. 1989 verkauften die Eigentümer den gesamten Komplex an eine Grundstücksgesellschaft im Hamburger Raum, die bis heute die Einrichtung „proSenium- Wohn- und Pflegezentrum- Haus Ottersberg“ betreibt, wie Günther Wiggers in seiner Recherche dokumentierte.

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