Uwe Steimle, Kabarettist aus „Deutsch-Nahost“, begeisterte im „Kasch mir“, wie er es nennt

„Mangel an Ruhe treibt uns in Barbarei“

Uwe Steimle, Schauspieler, Fernsehstar und in Achim vor allem Kabarettist.

Achim - Von Anne Schmidtke· „Es sind gerade spannende Zeiten für einen Kabarettisten“, begrüßte Uwe Steimle sein Publikum am Sonntagabend im ausverkauften blauen Saal des Kulturhauses Alter Schützenhof.

Im nächsten Atemzug nahm er die Spekulation eines Terroranschlags auf den Reichstag und Innenminister de „Misere“ auf die Schippe. Der 47-Jährige, der im Rahmen der Reihe „Statt ins Bett, ins Kabarett“ auftrat, ist vielen auch als Hauptkommissar Jens Hinrichs aus der TV-Krimiserie „Polizeiruf 110“ bekannt.

Nach etwa 20 Minuten erklärte er den Anwesenden, dass er jetzt endlich mit seinem Programm beginnen werde. „Schließlich wollen Sie auch nach Hause“.

In der ersten Geschichte ging es um den „Standort Deutschland“. Der Kabarettist schlüpfte dafür stimmlich sowohl in die Rolle des 53-jährigen arbeitslosen Günther Zieschong als auch in die der 88-jährigen Ilse Bähnert. Die beiden Protagonisten, die einen Dialog führten, sind in der Heimat von Uwe Steimle Kultfiguren. Der Kabarettist stammt nämlich aus „Deutsch-Nahost“, genau genommen aus Dresden.

Doch der 47-Jährige schaffte es nicht, die Unterhaltung der beiden Akteure in einem Stück wiederzugeben. Er ging immer wieder gekonnt auf Kommentare und Lacher aus dem Publikum ein. So informierte der Schauspieler, dass das Lieblingswort der Deutschen authentisch sei. Er habe letztens in einer Radiotalkshow gehört, wie eine 39-jährige Frau die Sexberaterin Erika Berger fragte, wie sie sich beim ersten Date verhalten sollte. Die Expertin antwortete darauf, dass der Herbst auch schöne Tage habe und dass sich ihre Gesprächspartnerin möglichst so glaubwürdig, beziehungsweise so authentisch wie möglich geben sollte.

Steimle nahm das Gespräch zwischen Frau Bähnert und Herrn Zieschong wieder auf. Die Ältere erklärte ihrem jüngeren Nachbarn, warum die Chinesen immer so grinsen. „Die haben ihre Mauer nämlich noch“, zeigte sich die 88-Jährige schwer beeindruckt.

In einer weiteren Episode mit den beiden ging es um Schweinelenden. Die Rentnerin konnte es gar nicht fassen, dass sie das Fleisch nicht mehr, wie damals noch in der DDR, im Supermarkt bestellen muss, sondern dass dies heutzutage dort immer frisch vorhanden ist.

Der Kabarettist zitierte in seinem Programm auch große deutsche Philosophen, wie zum Beispiel Nietzsche mit dem Satz: „Der Mangel an Ruhe treibt uns in die nächste Barbarei“. Er sächselte immer mal wieder. Er erklärte den Zuschauern und Zuschauerinnen bei Unverständnis aber sofort die Begriffe. So bezeichnet Uwe Steimle einen Krapfen beispielsweise als Kräppelchen, was auch viel erotischer klinge. Steimle zog durch seine ausdrucksstarke Mimik und Gestik, variierende Stimmlagen und vor allem dank seiner Spontanität das Publikum immer wieder in seinen Bann.

Dieses bedankte sich am Ende der etwa zweieinhalbstündigen Vorführung mit tosendem Applaus und ließ den Kabarettisten erst nach einer Zugabe von der Bühne. Doch zuvor musste er noch erklären, dass er es bedauere, dass es beim Namen des Veranstaltungsortes nicht für „Kasch“mir gereicht habe.

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