Restaurierte Ottersberger Gefängnistür von 1790 als Kulturdenkmal im Rathaus installiert / Geschenk des Kulturvereins

„Man möchte anklopfen und eintreten“

Engagierte Mitglieder des Kulturvereins im Rektorhaus um den Vorsitzenden Matthias Flau-Kolm (stehend 2.v.li.) übergaben gestern die aufwändig restaurierte Ottersberger Gefängnistür von 1790 an Bürgermeister Horst Hofmann (stehend 2.v.re.). Als Kulturdenkmal wurde das eindrucksvolle Portal im Altbau des Rathauses installiert.

Ottersberg - (pee) · „Entschuldigung, dürfte ich mal...!?“ Wie bestellt schlängelt sich eine Rathaus-Besucherin durch die kleine Festgesellschaft und rüttelt zur allgemeinen Erheiterung an der Klinke der imposanten grünen Flügeltür – die sich keinen Millimeter bewegt. „Ach, schade, so eine schöne Tür“, sagt die Dame und verschwindet um die Ecke. Sie wird nicht die letzte gewesen sein, die der optischen Täuschung erliegt. Öffnen geht nicht, aber Angucken lohnt sich: Die am Durchgang zwischen altem und neuem Rathaustrakt wie ein monumentales Wandbild installierte Tür ist ein historisches Relikt – nämlich das über 200 Jahre alte Portal des ehemaligen Ottersberger Gefängnisses.

In einer ehrenamtlichen Jahresarbeit haben Mitglieder des Ottersberger Kulturvereins im Rektorhaus die alte Gefängnistür aufwändig restauriert und ihre Geschichte zusammengetragen. Das historische Prunkstück machte der Kulturverein der Gemeinde zum Geschenk, die dafür einen Ehrenplatz in der denkmalgeschützten Rathaus-Villa fand. Gestern erfolgte die offizielle Übergabe durch die Arbeitsgruppe um den Kulturvereinsvorsitzenden Matthias Flau-Kolm an den Ottersberger Bürgermeister Horst Hofmann, der sich begeistert bedankte.

Das Ottersberger Gefängnis war laut Chronik des Kulturvereins in einem um 1790 entstandenen barocken Gebäude untergebracht, das ursprünglich als Zollstation am Amtshof erbaut worden war und vielerlei Nutzungen erfuhr. 1934 musste das alte Gefängnis dem Straßen- und Brückenbau anlässlich der bevorstehenden 1000-Jahr-Feier Ottersbergs weichen. Nach Abriss des Gefängnishauses wurde dessen immer noch gut erhaltene Tür in das Haus vom Schmied Emil Böckmann im Alten Weg eingesetzt, wo sie viele Jahrzehnte als Eingangsportal diente.

Nach der Modernisierung dieses Hauses wurde die Tür beiseite gestellt. Der jetzige Hausbesitzer Hans-Hermann Bischoff schenkte die Tür dem Ottersberger Kulturverein. Mit großem Interesse an diesem „urigen Stück Zeitgeschichte“ nahmen Ulf und Ilse von Spreckelsen, Wilhelm Wiebe, Karl-Heinz Dörl, Günther Wiggers und Matthias Flau-Kolm die zweiflügelige Tür mit großem Oberlicht dankend unter ihre Fittiche, lagerten sie erstmal im von Spreckelsen’schen Keller ein und planten als Arbeitsgruppe die Restaurierung.

Mit Hans-Uwe Steuter fand sich ein kundiger Restaurator in den eigenen Reihen des Kulturvereins, der ungezählte freizeitliche Stunden investierte, um die historische Tür großartig zu restaurieren. Obwohl neues Holz einige ehemals gläserne Türfüllungen ersetzt, eine neue alte Klinke zu integrieren war und das verschwundene Oberlicht nachgebaut werden musste, wirkt alles wie aus einem Guss mit der Patina der Geschichte überzogen. Das Türholz selbst – aus einer im 18. Jahrhundert von Kapitänen mitgebrachten amerikanischen Kiefernart – und die Beschläge sind original von 1790. Auch farblich erstrahlt die Tür wie vor über 200 Jahren in dunkelgrün und chamois-weiß.

Einen „würdigen Platz“, so Flau-Kolm, fand die Gefängnistür nun im Rathaus-Altbau. Sehr zur Freude des Kulturvereins: „Beim Betrachten wirkt sie so, als ob sie schon immer dort hingehörte. Man möchte anklopfen und eintreten.“ Nachgereicht wird noch eine Hinweis-Tafel mit historischer Erläuterung, die neben der Tür angebracht wird – damit nicht allzu viele anklopfen und eintreten wollen...

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