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Lieber Spargel essen als kaufen

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Von: Heinrich Laue

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Ein Mann 
steht mit ein paar Stangen frisch gestochenen Spargels zwischen den Reihen auf dem Feld.
Bartok aus Polen präsentiert frisch gestochenen Spargel von einem Feld in Felde. Donata (im Hintergrund) ist neben weiteren bewährten Kräften ebenfalls beim Donnerstedter Spargelhof Hüneke beschäftigt. © Laue

Landkreis – Die Zeiten, als Spargelvorräte kiloweise in Gefriertruhen für den späteren Verzehr gelagert wurden, sind vorbei. Hella Schünemann vom gleichnamigen Spargelhof dieser Familie in Barme macht das bei einer kleinen Umfrage unter Anbauern dieses „Königsgemüses“ im Landkreis Verden deutlich. Spargelbauer Ralf Kappel aus Westen bestätigt wie die meisten einen vergleichsweise verhaltenen Geschäftsverlauf in der bisherigen Saison 2022. Kundinnen oder Kunden, die sonst in der Hochsaison zweimal wöchentlich vorbeischauten, kämen bei ihm jetzt meistens nur einmal und einige gar nicht mehr.

Auf der anderen Seite gehen die Leute nach wie vor gern zum Spargelessen, freut sich Susanne Bremer vom Spargel-Betrieb in Emtinghausen, den sie zusammen mit Ehemann Gerold Bremer betreibt. Verstärkte Nachfrage aus der Gastronomie, die nach der Corona -Zwangspause wieder durchstartet, glichen Rückgänge beim Privatverkauf aus. „Wir können insgesamt nicht klagen“, fasst Susanne Bremer zusammen. Obwohl wegen gestiegener Energie-, Lohn- und anderer Kosten eigentlich beim Spargelverkauf Erhöhungen nötig seien, ,,haben wir seit drei Jahren die gleichen Preise“, teilt sie noch mit.

Der einstig große „Hype um den Spargel“ ist laut Hella Schünemann aber eindeutig abgeflaut. Sie weist auch auf Billigimporte, nicht nur von grünem Spargel, sowie anderem Gemüse aus Südeuropa und aller Welt, hin. Bei solchen Verkaufspreisen könnten heimische Erzeuger nicht mithalten, beim Qualitätsvergleich aber allemal. Stichwort „Gummispargel“. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten zudem bedenken, unter welchen Arbeitsbedingungen mit Minimallöhnen dieses Gemüse in manchen Ländern abgeerntet werde.

Lieferungf an den Einzelhandel

Frischer Spargel in Spitzenqualität sei noch immer ein tolles und gesundes Produkt, betont die Barmerin. Klagen über zu teuren Spargel versteht sie auch deshalb nicht immer, weil die gleichen Menschen oft gern bereit sind, Tausende Euro für Reisen auszugeben. Die Schünemanns beliefern auch den Einzelhandel, haben dem Bedarf entsprechend aber frühe Sorten schon aus der Ernte genommen, und auf dem Kappelschen Hof wurde ein Feld weniger für den Anbau genutzt als zuvor.

Johann Hüneke und Sabine Prautzsch-Hüneke verkaufen den Donnerstedter Spargel direkt im Hofladen und versorgen außerdem eine große Supermarkt-Kette, die viel Wert auf qualitativ hochwertige regionale Produkte legt. Ganz konnte Hüneke seine höheren Preisforderungen wegen drastisch gestiegener Düngemittel- und Dieselkosten sowie fast Verdoppelung der Lohnkosten für seine bewährten polnischen Beschäftigten nicht durchsetzen. Er hält das erreichte Übereinkommen aber für akzeptabel.

Kälteeinbruch Ende Mai

Im Hofladen der Hünekes lief es zu Saisonbeginn gut, ließ dann aber etwas nach. Weil durch den Kälteeinbruch Ende Mai mit Temperaturen um die vier Grad zudem Tagesernten zerstört wurden, „wird der Spargel allmählich sogar knapp“, berichtet Hüneke. Und das ausgerechnet zur Hauptabnahmezeit um Pfingsten herum. Die Verkaufspreise seien bisher trotz der Knappheit noch nicht nach oben geschossen.

Ralf und Martina Kappel, auf dem eher kleineren Hof in Westen, setzen neben der allgemeinen Kundschaft ebenfalls auf die Gastronomie als wichtigen Abnehmer. Auch mit einer Großhandelskette standen sie in geschäftlicher Verbindung. Die brach in Zeiten der Corona-Krise aber fast in sich zusammen. In Sachen Personal setzen die Westener Spargelanbieter auf heimische Arbeitskräfte aus der näheren Umgebung. Auch junge Leute, die gerade das Abitur hinter sich brachten, hätten sich freiwillig zum Einsatz auf den Spargelfeldern gemeldet und dort bewährt, berichtet Ralf Kappel. Die Spargelkundschaft hingegen sei überwiegend im fortgeschrittenen Erwachsenenalter von 50 Jahren aufwärts.

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