Orchester spielt klassische Musik auf dem Akkordeon

Der leisen Töne mächtig

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Das Akkordeon-Ochester spielte unter der Leitung von Gil Raveh führte zielsicher, präzise und dynamisch.

Verden - Von Johanna Zeuner. Das Norddeutsche Philharmonische Akkordeon-Orchester hat in Verden sein Debüt mit Meisterwerken der Klassik gegeben, die es den Besuchern meisterhaft zu Ohren kommen ließ. Was nicht weiter verwundert, denn das Orchester besteht aus internationalen Profimusikern und einem ebensolchen Dirigenten.

Neu ist das Experiment, das hier gewagt wird: Einem Instrument, das zumeist mit Volksmusik verbunden wird, ein ganzes Orchester abzugewinnen. Der 36-jährige, in Israel geborene Chefdirigent Gil Raveh führte zielsicher, präzise und ebenso dynamisch durch das Programm, das von Bach’s „Toccata“ über Vivaldi, Mozart, Grieg bis zu Ravels „Bolero“ führte.

Die Mitglieder des innovativen Orchesters eröffneten das Konzert mit „Toccata und Fuge in D-Moll“ von J.S. Bachs der und zeigten die ganze Bandbreite ihres Könnens. Der „Sommer“ aus Antonio Vivaldis vier Jahreszeiten brillierte in seinen von oben herabträufelnden Läufen, die an einen Sommer regen oder an starke Sonnenstrahlen erinnerten. Hier wie in vielen der zumeist bekannten Werke, die das Orchester für das Verdener Publikum spielte, erschien in der für das Klassikohr ungewöhnlichen Besetzung eine neue Farbigkeit der Stücke, die man nahezu auswendig in sich trägt. Das Akkordeon kann Bewegungen in der Musik unterstreichen – sehr schön deutlich wurde dies in J. Brahms „Ungarischen Tänzen“, in denen das seufzende Einatmen kurz vor Ende des Stückes vom Orchester nahezu spielerisch im Ritardando ausgekostet wurde. Das muss nicht verwundern, denn die Schaffensperiode von Johannes Brahms und die Erfindung des Instruments Akkordeons, entstammen dem gleichen Zeitgeist, dem beginnenden 19. Jahrhundert.

Manche Läufe wirkten in dieser Besetzung allerdings ungewohnt für ein geübtes Klassikohr, so zum Beispiel der Beginn der „Kleinen Nachtmusik“ Wolfgang Amadeus Mozarts. Das hatte aber seinen ganz eigenen Reiz, den des verfremdeten Wiedererkennens. Zweifellos der Höhepunkt des abendfüllenden Konzertes in der Stadthalle war Maurice Ravels „Bolero“. Das Orchester kam in diesem Stück in seiner ganzen Farbigkeit und Tonalität zum Zuge. Denn, dass das Akkordeon auch der leisen Töne mächtig ist, ebenso wie der sich dann vorsichtig steigernden frontal lauten, ist dem Hörer dieser Musik gemeinhin ja nicht geläufig.

Es gab einen zweiten Höhepunkt. Gleich nach der Pause spielten drei dem Orchester angehörende junge Solisten eine freie Improvisation, die vor Spielfreude nahezu platzten und auch die Hörer erreichte, die bisher vielleicht ganz ruhig auf ihren Stühlen saßen.

Traditionelle Folkloreelemente aus Osteuropa gaben sich hier mit Jazzelementen die Hand und zeigten: das Akkordeon lebt. Zwischen Moderne, Folklore und Worldmusic hat es sich einen neuen Platz erobert auf der Musikbühne des 21. Jahrhunderts. Unterstrichen wird der ansprechende Klangcharakter des Akkordeonorchesters durch zwei engagierte Bässe, Schlagwerk und an Solostellen eindrücklich zum Vorschein tretenden italienischen Harfenistin. Auch die Frauenquote ist in diesem Orchester, dessen Mitglieder aus China und Spanien kommen, übrigens erstaunlich gut gewahrt.

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