Sehr gute Idee, suboptimale Umsetzung

Langwedeler Haushalt soll wegen Corona-Aktion nachgebessert werden

Die vier Ortsbürgermeisterinnen und Ortsbürgermeister (v.li.) Silke Brünn (Daverden), Marco Behrmann (Langwedel), Irmtraud Kutscher (Etelsen) und Adalbert Meyer (Holtebüttel) finden den Alleingang ihrer Kollegen aus Völkersen und Haberloh eher weniger gut. Auch wenn die Grundidee toll war. 
Foto: Wenck
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Die vier Ortsbürgermeisterinnen und Ortsbürgermeister (v.li.) Silke Brünn (Daverden), Marco Behrmann (Langwedel), Irmtraud Kutscher (Etelsen) und Adalbert Meyer (Holtebüttel) finden den Alleingang ihrer Kollegen aus Völkersen und Haberloh eher weniger gut. Auch wenn die Grundidee toll war. Foto: Wenck
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    vonJens Wenck
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Langwedel – Der Jugend-, Sozial- und Sportausschuss des Fleckens Langwedel trifft sich am 6. Juli zu seiner nächsten Sitzung – und hat bislang nur einen einzigen Punkt auf der Tagesordnung: „Kostenübernahme für die Seniorenarbeit in Völkersen und Haberloh“ steht da zu lesen. Der Hintergrund ist eine Aktion des Ortsrates Völkersen und der Haberloher Ortsvorsteherin Bijanka Müller.

„Das ist und bleibt eine Superidee“, meint Völkersens Ortsbürgermeister Andreas Noltemeyer. „Von der Idee her gibt es die Note 1. Oder 2“, findet auch Marco Behrmann. Allerdings schiebt der Langwedeler Ortsbürgermeister noch hinterher: „Für die Durchführung gibt es eine 5 oder eine 6.“

Was ist passiert? In diesen Zeiten der Corona-Pandemie und der behördlich verhängten Kontaktsperren sind im Sommer auch die stets beliebten Seniorenfahrten aus gefallen, Seniorenfeiern gibt es auch keine. Also fasste man in Völkersen und Haberloh gemeinsam über alle Parteigrenzen hinweg den Beschluss, Produkte örtlicher Betriebe einzukaufen und die in Tüten zu packen. Je eine solche Tüte bekam dann (kontaktlos natürlich) jeder Haushalt in Völkersen und Haberloh, in dem ein Mensch über 65 wohnt.

Die Resonanz war toll, die Menschen freuten und bedankten sich. 250 Geschenktaschen (bei 329 Senioren) zum Preis von jeweils 15 Euro waren verteilt worden, macht 3 750 Euro. Die Völkerser und Haberloher Ortspolitik glaubte sich finanziell auf der sicheren Seite. Hatte man doch in diesem Haushaltsjahr noch kein Geld für eine Seniorenfeier ausgegeben. Falsch geglaubt.

Für die Seniorenveranstaltungen der einzelnen Ortsräte gibt es im Flecken Langwedel einen Grundsatzbeschluss und entsprechende Mittel im Gemeindehaushalt. Nach diesem Beschluss gibt es eine Kostenübernahme von der Gemeinde nur für „zeitlich begrenzte Ereignisse, an denen eine Gruppe von Menschen teilnimmt (unter anderem Weihnachtsfeiern und Tagesausflüge)“, so die Gemeindeverwaltung.

Die gut gemeinte Aktion war also nicht gedeckt.

„Wenn sie schon nicht uns informieren, dann hätten sie beim Bürgermeister und der Verwaltung fragen müssen“, findet Etelsens Ortsbürgermeisterin Irmtraud Kutscher. Vor der ganzen Aktion hätte man überlegen sollen und können, ob nicht alle Ortsräte gemeinsam etwas auf die Beine stellen können, findet Marco Behrmann.

Alle Ortsräte haben während der absoluten Kontaktbeschränkung versucht, ihren Seniorinnen und Senioren zu helfen. Da wurden Nachbarschaftshilfen aufgebaut. Irmtraud Kutscher telefonierte ihre Leute ab, um herauszufinden, wer vielleicht Hilfe brauchen könnte.

Und die Telefoniererei hat gedauert. Weil in Etelsen viele ältere Menschen leben. Erheblich mehr als in Völkersen. Wenn man die alle (oder jeden Haushalt mit Senioren) mit einer Tüte beglücken wollte, bräuchte wohl selbst die durchtrainierte und fitte Etelser Ortsbürgermeisterin Monate, um jeden zu beliefern. Von den Kosten einmal abgesehen. Der Haushaltposten für Seniorenveranstaltungen gäbe eine entsprechende Summe für alle Ortsräte überhaupt nicht her. „Zudem müssen wir uns auch auf sinkende Steuereinnahmen und weniger Geld in der Kasse einstellen“, mahnt Marco Behrmann.

„Auch wenn der bestehende Grundsatzbeschluss versehentlich falsch ausgelegt wurde und letztendlich nicht angewendet werden kann, wird empfohlen, die Kosten in Höhe von 3 750 Euro außerplanmäßig bereitszustellen“, empfiehlt die Gemeindeverwaltung, um alles wieder ins Lot zu bekommen.

Rein rechnerisch könnte man einen Ausgleich zu den anderen Ortschaften herstellen, wenn in diesem Jahr in Völkersen und Haberloh gar keine Seniorenveranstaltungen mehr stattfinden würden, schlägt die Verwaltung noch vor. „Auf gar keinen Fall“, sagt Marco Behrmann. „Ich glaube ja dieses Jahr nicht mehr daran. Aber wenn wir etwas machen können, dann wäre das ein Fest.“ Und dann sollten sie auch in Völkersen feiern dürfen.

Von Jens Wenck

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