Richtlinien haben sich geändert

Zwei Corona-Fälle an Daverdener Krippe, aber keine Quarantäne

In einer Krippe in Daverden hat das Gesundheitsamt nach Corona-Fällen keine Quarantäne angeordnet. Eine Mutter hält dieses Vorgehen für „grob fahrlässig“.
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In einer Krippe in Daverden hat das Gesundheitsamt nach Corona-Fällen keine Quarantäne angeordnet. Eine Mutter hält dieses Vorgehen für „grob fahrlässig“.

Langwedel – Nach zwei Corona-Fällen an einer Kinderkrippe in Daverden wundert sich Laura Wahlers-Karakus, Mutter eines Krippenkindes, darüber, wie das Gesundheitsamt des Landkreises Verden auf die Infektionslage reagiert hat. Obwohl eine Erzieherin am 9. November und ein Krippenkind am 10. November positiv getestet wurden, gab das Gesundheitsamt die Einrichtung ab dem 15. November wieder für den normalen Betrieb frei.

„Alle Kinder, die in Kontakt mit den Erkrankten waren, befinden sich nicht in Quarantäne“, sagt Laura Wahlers-Karakus, und ergänzt: „Ich kann nicht nachvollziehen, wieso alles so stattfindet.“ Angesichts der Tatsache, dass die Inkubationszeit nach einer Ansteckung mit Corona bis zu 14 Tage betragen könne, bezeichnete sie es als „grob fahrlässig“, dass die Krippe nach drei Tagen schon wieder zur Tagesordnung übergangen sei.

Rolf Korb, Amtsleiter im Langwedeler Rathaus und unter anderem zuständig für Schulen und Kitas, ist der Vorfall bekannt. Er kann die Schilderungen der Mutter bestätigen. „Darauf haben wir keinen Einfluss, das Gesundheitsamt prüft jeden Fall“, sagt er. Die dreitägige Schließung sei auf Empfehlung der Behörde erfolgt. Angeordnet worden sei die Schließung nicht. Wie das Gesundheitsamt im Einzelfall agiere, hänge von verschiedenen Faktoren ab – etwa, wie lange die Ansteckung her sei, ob der Virus aus einem Urlaubsland stammt und welche Symptome festgestellt werden.

Amtsärztin Jutta Dreyer räumt ein, dass die unterschiedliche Vorgehensweise im Laufe der pandemischen Lage für die Eltern manchmal schwer nachzuvollziehen sei „und sie darüber auch gelegentlich verärgert sind“. Die Leiterin des Gesundheitsamts erklärt: „Die Vorgaben, die wir vom Landesgesundheitsamt in Hannover, dem Sozial- und Kultusministerium und nicht zuletzt vom Robert-Koch-Institut (RKI) bekommen als Gesundheitsamt, haben sich durch die Erfahrungen, die im Laufe der Pandemie mit dem Virus gesammelt worden sind, stetig geändert, so dass wir unsere Vorgehensweise den Richtlinien ständig neu anzupassen haben.“

Noch vor wenigen Monaten sei die Behörde angewiesen worden, bei einem positiven Kind in einer Kindertagesstätte oder Krippe die gesamte Gruppe für 14 Tage in die häusliche Quarantäne zu schicken. „Das hat sehr viel Unmut bei den Eltern ausgelöst“, so Dreyer.

Ein Erlass vom 10. September 2021 des Gesundheitsministeriums Niedersachsen und neue Vorgaben des Landesgesundheitsamtes besagten jedoch, „dass bei einer einzeln auftretenden Infektion in einer Kita-Gruppe, diese Gruppe nicht komplett in die Quarantäne zu schicken ist, sondern ein Verbleib in der Betreuung möglichst für alle Kinder sicherzustellen ist.“ Nur engste Kontaktpersonen, wie etwa Geschwisterkinder, sollen in die Quarantäne geschickt werden. „Bei Auftreten weiterer Fälle in einer Gruppe“, fährt Dreyer fort, „soll das Gesundheitsamt mit Augenmaß auch in Hinblick auf den Bildungsauftrag der Einrichtung und der Chancengleichheit für die Kinder entscheiden, ob das härteste Mittel, nämlich die Quarantäne, für alle gerechtfertigt ist.“

Ein weiterer Aspekt spiele hier zudem eine entscheidende Rolle: „Das RKI hat die Vorgaben für die Quarantänezeiträume für Kontaktpersonen seit einigen Wochen geändert: Es gilt die 5/7/10 Regel.“ Das bedeutet, dass eine Kontaktperson sich frühestens am 5. Tag nach Kontakt zum positiv Getesteten per PCR-Test freitesten kann, vorausgesetzt die Person hat keine corona-typischen Symptome. An Tag 7 kann sich die Kontaktperson mit einem sogenannten qualifizierten Schnelltest (in Apotheken, beim DRK, in Testzentren) freitesten. Am 10. Tag kann die Kontaktperson ganz ohne Test, wenn symptomfrei, wieder am Leben außerhalb der vier Wände teilnehmen.

Häufig stelle das Gesundheitsamt bei einem positiv gemeldeten Kind fest, dass es zuletzt vor drei Tagen die Krippe besucht hat und dann aufgrund von Erkältungsbeschwerden zu Hause war. Für die potenziellen Kontakte bedeutet dies Dreyer zufolge, dass sie, wenn sie dann wirklich engsten Kontakt hatten (drei Tage bereits abgelaufen), bereits zwei Tage später durch einen PCR-Test beim Kinderarzt wieder für die Kita zugelassen werden können. „Dies ist auch der Grund, dass wir nur eine so kurze Empfehlung ausgesprochen haben. Nach Erlass haben wir eben nicht die Vorgabe, die Gruppe, wie noch vor ein paar Monaten so praktiziert, für längere Zeit nach Hause zu schicken“, fasst Dreyer zusammen.

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