Von wegen „verleiht Flüüüügel“: Wie Erfrischungsgetränke krank machen können

Zuckerbomben in Dosen

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Helga Friesacher ist Diplom-Oecotrophologin, Ernährungsberaterin, -therapeuthin und hilft Menschen, die durch ihre Lebens- und Ernährungsgewohnheiten krank geworden sind. 

Etelsen - „Red Bull verleiht Flüüüüügel“, verkündet die Werbung. „Erfrischungsgetränke machen nicht frisch, sondern krank“, konterte in dieser Woche die Verbraucherorganisation Foodwatch. Der Grund: In dem Bullengebräu und anderen Artverwandten ist der Zuckeranteil besonders hoch. Ja, wie? Fußballvereine, diverse Extremsportler machen doch dafür Werbung – da soll das Zeug richtig ungesund sein? Wir haben mal jemanden gefragt, der sich damit auskennt: Helga Friesacher aus Etelsen, Diplom-Oecotrophologin,Ernährungsberaterin und -therapeuthin.

Was ist drin in der Powerbrause? „Viel Koffein, viel Zucker und ein paar Stoffe, von denen man noch nicht genau weiß, was sie im Körper machen. Eine 250ml Dose enthält etwa 80 mg Koffein und 28 Gramm Zucker. Das entspricht ungefähr einem kleinen Mokka mit neun Stück Zucker.“

Nach zehn Minuten ist das Koffein im Blut, Blutdruck und Pulsfrequenz steigen, nach 20 Minuten merkt man etwas. Der Blutzuckerspiegel erreicht einen Höhepunkt, man fühlt sich wach und konzentrationsfähig. „Nach spätestens einer Stunde ist das wache Glück vorbei, die Müdigkeit kommt zurück.“

Auch wenn noch so viel Werbung in Zusammenhang mit Sport gemacht wird – es sind keine Sportgetränke. Flüssigkeits- und Mineralstoffverluste können Zuckerbrausen auf keinen Fall ausgleichen. Zuviel an Koffein in Kombination mit Sport (oder Alkohol) hat schon zu Herzrhythmusstörungen, Krampfanfällen oder Nierenversagen geführt. Profisportler lassen also mit Sicherheit vor dem Training oder dem Wettkampf die Finger von den Energygetränken.

Egal ob Cola, Energy, Eistee oder auch Fruchtsäfte – die flüssigen Zuckerbomben machen nicht einfach nur dick. Diabetes ist ein Stichwort, dauerhafter hoher Konsum der Zuckergetränke kann zu einer Fettleber führen, Fettstoffwechselstörungen auslösen, Darmbeschwerden verursachen. „Das wird immer mehr“, hat Friesacher in ihrer beruflichen Praxis beobachtet, gerade bei jungen Leuten. Da werden gern anderthalb Liter Cola oder Eistee am Tag getrunken – was zu einem Reizdarm führt.

Obwohl, mit Beschwerden und echten gesundheitlichen Problemen kommen Menschen aller Schichten und aller Altersklassen. Was für Friesacher schlicht an unserem Lebenswandel liegt: Mangelnde Bewegung, dazu zucker- und fettbetonte Ernährung. „Im normalen Alltagsbetrieb darf Essen und Essenszubereitung möglichst keine Zeit mehr in Anspruch nehmen.“ Immer mehr Leute arbeiten ohne geregelten Pausen, da muss der Snack aus der Schublade auch schon mal reichen. Über den ganzen Tag gibt es hier mal eine Kleinigkeit, da mal eine. Abends überlegt Mensch: Soviel hatte ich ja noch gar nicht... und haut rein.

„Man hat keine Kontrolle mehr über das,was man gegessen hat. Und das führt zu Fehleinschätzungen.“

Was Friesacher in ihrer Arbeit auch aufgefallen ist: In der heutigen Zeit können viele Menschen gar nicht mehr richtig kochen. Und haben auch gar keine Zeit und keine Lust. Gemüse außer Tomaten und Gurken gibt es fast gar nicht. Und die fettige und süße Salatsauce kommt fertig von Herrn Kühne oder ist irgendein „Fix“, wie bei anderen Gericht auch. Schmeckt dann alles irgendwie gleich – und ist auch noch ungesund.

Wenn es dann richtig ungesund und krankmachend geworden ist, landet Mensch bei Leuten wie Helga Friesacher. Gern mit Überweisung vom Hausarzt. Dann gibt es eine Analyse der Ernährung- und Lebensumstände, wenn nötig den Kostenplan für eine Ernährungstherapie, die die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel ganz oder zu großen Teilen übernehmen.

Und dann packen die Oecotrophologen die große Vita-Dingsbums–Ich-werd-schnell-schlank-Kur aus...?

„Überhaupt nicht“, lacht Friesacher. „Unser Beruf ist nicht schillernd. Absolut nicht.“ Wundermittel gibt es keine. Oder Verbote bestimmter Lebensmittel. Kohlehydrate, mal ein Bierchen, zwei bis drei Mal die Woche Fleisch, viel Gemüse. Bewegung schadet auch nicht. Eigentlich ist alles erlaubt. Nur im richtigen Maß. Sogar Energydrinks. 

jw

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