Politik verweigert Einvernehmen für „Tierwohl“-Maststall mit 1440 Plätzen – und stellt Bedingungen 

Zu viel Schweine für den Langwedeler Ortsrat

Der Hof liegt in Förth direkt an der Bahn, der neue große Schweinestall soll dann davor gebaut werden. Da, wo jetzt noch der Mais steht.
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Der Hof liegt in Förth direkt an der Bahn, der neue große Schweinestall soll dann davor gebaut werden. Da, wo jetzt noch der Mais steht.

Langwedel – 1992 wurden 1 181 Plätze für einen Schweinestall in Langwedel-Förth genehmigt. Seit fast 30 Jahren wird hier die Mast betrieben. Wenn man mal genauer guckt, auch von Weitem, sieht man der Anlage ihr Alter auch durchaus an. „Wir haben schon angedacht, den Stall zu erneuern“, so Landwirt Carsten Spöring. „Da kam auch der Gedanke ,Tierwohl’-Stall auf. Nur ist der auf dem alten Hof schwierig zu realisieren. Besser wäre ein neuer Stall.“

Seine Planungen und Vorstellungen stellte Spöring am Dienstagabend zusammen mit seiner Architektin Imke Lühning vom Ingenieurbüro Manfred Meyer (Völkersen) dem Ortsrat Langwedel vor. Der Bauantrag für einen neuen Stall liegt schon beim Landkreis Verden. Im Zuge des üblichen Verfahrens fragt der nach dem gemeindlichen Einvernehmen. Besonderer Knackpunkt in diesem Fall: Der Hof ist nur über den Weg neben der neuen Eisenbahnüberführung zu erreichen. Vor dem Bau der Brücke gab es einen Privatweg von der Hofstelle direkt zur L 158. Mit dem Bau der Brücke wurde 2009 ein neuer Weg gebaut, an die L 158 angeschlossen – und in das Eigentum des Fleckens Langwedel übergeben, der sich damit um den Unterhalt zu kümmern hat. Darum kann die Gemeinde entscheiden, unter welchen Bedingungen sie die Nutzung der Straße zulässt.

Würde er den alten Stall umbauen, hätte jedes Schwein 0,75 Quadratmeter Platz, im „Tierwohl“-Neubau gäbe es für jedes Tier 1,5 Quadratmeter, erläuterte Spöring. Bei der Anzahl der Mastplätze müsse er auch wirtschaftliche Aspekte berücksichtigen – und hat darum einen Stall für 1 440 Schweine beantragt.

Der soll gut 150 Meter vom alten Hof in Richtung L 158 rücken, einen Liegebereich, einen Fressbereich und einen Auslauf bekommen. Die Schweine stünden hier auf einem Spaltboden, ein Fallschieber soll zweimal am Tag die Exkremente zusammenschieben, die direkt in einen neuen 4 183 Kubikmeter großen Güllebehälter gepumpt werden. Das aktuelle Güllelager ist 850 Kubikmeter groß, reicht aber unter den aktuellen Bestimmungen unter Umständen nicht mehr aus, sodass der Landwirt im Bedarfsfall die Gülle umlagern muss.

Die Abdeckung des neuen Güllebehälters soll nicht mittels Strohhäcksel passieren, sondern mit einem Zeltdach, lautete die Zusage an den Ortsrat. So ein Dach soll 90 Prozent der Gerüche zurückhalten, Strohhäcksel 80 Prozent. „Das ist zwar wesentlich teurer, wir wollen aber keine Diskussionen haben“, so Carsten Spöring. Ist der neue Stall gebaut, wird die Schweinehaltung an der bisherigen Stelle aufgegeben, ein Teil der Gebäude abgerissen und der Rest als Maschinenhalle genutzt, so Spöring.

Die Gemeinde hatte ein Gutachten zu den eingereichten Bauunterlagen in Auftrag gegeben. Resultat: Das Gutachten im Bauantrag enthält zwar Fehler und Widersprüche, ist aber in Gänze nachzuvollziehen, schlüssig, sachgerecht und plausibel.

Blieben noch die von der Gemeindeverwaltung bemängelten fehlenden Unterlagen, ob die Gemeindestraße überhaupt dem zu erwartenden Lkw-Verkehr gewachsen ist und ob die Schleppkurven für den Schwerlastverkehr passen.

Der Weg hält den Schwerlastverkehr aus, und zwar „locker“, versicherte Imke Lühning dem Ortsrat.

„Ich sehe eine Chance für den ,Tierwohl’-Stall“, meinte Ortsbürgermeister Marco Behrmann (SPD). „Was mir Magenschmerzen macht, ist die deutliche Erhöhung der Tierzahl.“ Aktuell werde man das gemeindliche Einvernehmen verweigern – unter bestimmen Voraussetzungen aber zustimmen. Diese Linie vertrat auch Frank Bohlmann für die CDU. Der neue Stall sei viel zu dicht an der Wohnbebauung, die Straße zu schmal und mitnichten tragfähig, so Holger Thöle in der Begründung für die Ablehnung der WGL zu dem Vorhaben.

Einstimmig beschloss der Ortsrat, das gemeindliche Einvernehmen zu verweigern. Werden die Fehler in dem Gutachten ausgebessert, die Erschließung nachgewiesen und vor allem die Zahl der Mastplätze reduziert – würde man dem Vorhaben zustimmen, so das Signal der Ortsratsmehrheit.

Von Jens Wenck

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