Waldemar Rohrberg kritisiert zunehmenden Bau von großen mehrgeschossigen Häusern

„Wohnklötze verschandeln Ortsbild“

Betonburgen, wie hier an der Langwedeler Bahnhofstraße, sind Waldemar Rohrberg ein Dorn im Auge. Fotos: mix

Langwedel - Von Michael Mix. „Wohnklötze“ sind Waldemar Rohrberg ein Dorn im Auge. Immer mehr davon breiteten sich im Flecken Langwedel aus und verschandelten das einst dörfliche Ortsbild. Die aus dem Boden sprießenden Betonburgen in Form von mehrgeschossigen Mehrfamilienhäusern betrachteten vor allem alteingesessene Einwohner mit Argwohn, sagt Rohrberg.

Klar, es werde Wohnraum benötigt, weiß der Langwedeler. Doch die aktuelle Entwicklung könne er nicht gutheißen. Zu groß, zu klotzig werde vielfach gebaut. Bestehende Siedlungsstrukturen mit eher kleinen Gebäuden würden außer acht gelassen. „Wo früher eine Familie mit zwei bis drei Generationen wohnte, da werden jetzt Häuser abgerissen und es entstehen Neubauten mit bis zu sechs Wohneinheiten“, erläutert Rohrberg.

Und nennt beispielhaft den Sandberg, den Herrenkamp, die Feldstraße, den Rotdornweg und den Kirchweg. Wenig sei dort aus der „alten Zeit“ übrig geblieben.

Zudem bringe der Zugewinn an Wohnraum in den Geschossbauten andererseits mehr Autoverkehr in den Wohnvierteln und zugeparkte Straßen mit sich. Die „unansehnlichen Klötze“ nähmen den Nachbarn darüber hinaus Sonnenlicht und beeinträchtigten, je nach Fenster- oder Balkonanordnung, ein Stück weit die Privatsphäre, beklagt Rohrberg.

Direkt bei ihm nebenan, an der Langwedeler Bahnhofstraße 17, habe einstmals das Haus „Hennings“ mit einem kleinen Friseursalon und bekannter „Drahteselstation“ gestanden, führt der Rentner ein weiteres Beispiel an. Das 150 Jahre alte Gebäude wurde nach seinen Angaben bereits 2006 abgerissen. Nachdem die Fläche längere Zeit brach gelegen habe, seien nun im hinteren Bereich zwei kleine Häuser errichtet worden und vorne an der Straße ein „Kasten“ für vier Parteien „statt des dort ursprünglich geplanten Einfamilienhauses“.

Und das gehe immer so weiter. Am Herrenkamp werde gerade wieder ein altes Haus dem Boden gleichgemacht und solle durch einen modernen „Wohnklotz“ ersetzt werden.

Rein rechtlich sei das alles nicht zu beanstanden, weiß Rohrberg, der bei den Baubehörden von der Gemeinde und dem Landkreis nachgefragt hat. Aber architektonisch und auch verkehrstechnisch hält er die Entwicklung für „problematisch“.

Hat die Politik versagt? „Frühere Gemeinderäte haben es wohl verschlafen, Bebauungspläne zu ändern, um derartigen Wohnklötzen einen Riegel vorzuschieben“, sagt Waldemar Rohrberg.

Langwedels Bauamtsleiter Bernhard Goldmann teilt diese Einschätzung grundsätzlich, auch wenn er sich auf Nachfrage eher moderat zu dem Thema äußert. „Man hätte damals nicht so großzügige Festsetzungen treffen müssen. Vornehmlich in den 80er Jahren ist in den Bebauungsplänen der Gemeinde weitgehend Zweigeschossigkeit zugelassen worden.“

Besonders ästhetisch und ins Ortsbild passend findet auch Goldmann nach eigener Aussage die großen Häuser nicht. Ein draufgesetztes drittes Staffelgeschoss, das eine kleinere Grundfläche als die beiden Vollgeschosse aufweise und damit erlaubt sei, verstärke den klotzigen Eindruck noch.

Auf der anderen Seite, räumt der Bauamtsleiter ein, habe sich aber nun mal die Gesellschaft verändert. Was auch für das Wohnverhalten und die Mobilität gelte. Bei Mehrfamilienhäusern fehle es häufig an Stellflächen für Autos. „Die Bauordnung schreibt einen Parkplatz pro Wohneinheit vor oder höchstens 1,5“, erklärt Goldmann. „Aber die meisten Familien oder Paare haben zwei Autos. Da sollten wir die Bauordnung vielleicht überarbeiten.“ Bei Einfamilienhäusern, die in der Regel über einen Carport und eine Einfahrt verfügten, gebe es dieses Problem eher nicht.

Die in Langwedel überwiegend von Wohnungsbaugesellschaften hochgezogenen Großbauten will der Bauamtschef allerdings nicht generell verteufeln. „Städtebaulich macht Geschosswohnungsbau in zentraler Lage Sinn und nicht in Randbereichen, wo es an Infrastruktur für die Bewohner fehlt“, erklärt Bernhard Goldmann. „Das ist immer im Einzelfall zu prüfen.“

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