Architekten über Mack-Gebäude: Sanierung der Altsubstanz rechnet sich nicht

„Es wird besser aussehen als jetzt“

So könnte nach einem ersten Entwurf der Blick von der Großen Straße aus Richtung Dauelsen kommend auf das neue Quartier Alte Druckerei aussehen. Grafik: Planungsgemeinschaft Nord / Specht-Gruppe

Langwedel - Von Jens Wenck. Ganz ehrlich? Eine wirkliche Überraschung offenbarte sich dem Bau- und Verkehrsausschuss am Dienstagabend nicht, als die Architekten Lothar Schwalenberg und Bettina Staufenberg von der Planungsgemeinschaft Nord ihre Untersuchungsergebnisse unter dem Titel „Quartier Alte Druckerei“ vorstellten. Gebäude und Gelände der ehemaligen Druckerei nebst benachbartem Grundstück des Netto-Marktes sollen bekanntlich verkauft werden. Hier möchte die Specht-Gruppe aus Bremen eine Seniorenresidenz und Wohnungen bauen, in denen man betreutes Wohnen anbieten will.

Aus Langwedel kamen dann ganz schnell Stimmen, die das alte zentrale Gebäude, einst Hotel, später Tabakfabrik und dann Druckerei, zu gern erhalten hätten, weil ortsbildprägend und wichtig für die Geschichte Langwedels. Die Specht-Gruppe sagte zu, alle Möglichkeiten prüfen zu lassen. „Das Gebäude steht und stand nie unter Denkmalschutz“, so der Hinweis von Bürgermeister Andreas Brandt und Bauamtsleiter Bernhard Goldmann. Soll heißen: Die alte Druckerei hätte schon längst abgerissen werden können. Ein Neubau ganz nach den Vorstellungen der Eigentümer (und der Genehmigungsbehörde beim Landkreis) wäre jederzeit möglich gewesen.

Das Fazit von Lothar Schwalenberg, PGN-Geschäftsführer: Die vorhandenen Gebäude sind so, wie sie sind, für eine Seniorenresidenz nicht zu gebrauchen. Ein Treppenhaus entspricht nicht den Brandschutzbestimmungen. Die Haustechnik ist nicht auf dem modernsten Stand. Es wurde immer wieder mal angebaut, im Gebäude gibt es Höhenunterschiede. Teilweise gehen die Fenster bis unter die hier 3,90 Meter hohe Decke. Gut für eine Tabakfabrik, schlecht für eine Seniorenresidenz. Die bauliche Substanz des alten Hauptgebäudes ist gar nicht mal so schlecht, der Dachstuhl in einem passablen Zustand. „Aber um das Konzept realisieren zu können, brauchen wir mehr Raum“, so Schwalenberg.

Unter dem Strich wird ein sanierter Altbau erheblich teurer als ein Neubau nach komplettem Abriss.

„Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Nutzen“, so Architekt Schwalenberg und präsentierte einen ersten Entwurf. Bei dem Neubau wolle man sich dann stark am alten Erscheinungsbild orientieren.

„Neu auf Alt getrimmt bringt uns nicht wirklich weiter“, meinte Andreas Noltemeyer (Gruppe WGL/Noltemeyer). Sein Herz hänge allerdings auch nicht wirklich an dem alten Straßenbild, bekannte der Völkerser.

„Wir wollen eine Aufwertung fürs Stadtbild schaffen“, so Lothar Schwalenberg. „Verstehen Sie mich nicht falsch, aber es wird besser aussehen als jetzt.“

Die geplante Seniorenresidenz und das betreute Wohnen seien ein absoluter Gewinn für Langwedel, wie ein Sechser im Lotto, meinte Langwedels Ortsbürgermeister Marco Behrmann (SPD). Er könne mit dem präsentierten Entwurf gut leben.

„Das ist meine persönliche und meine politische Meinung.“ Wenn man die Langwedeler abstimmen ließe: „Ich weiß nicht, ob da viele oder nur einige für den Erhalt stimmen würden. Und wir müssen da auch wirtschaftlich denken.“

Man müsse bedenken, was unter den gegebenen Voraussetzungen erreicht wurde, so Bürgermeister Andreas Brandt. „Wir müssen uns auch fragen: Was ist dem Investor abzuringen? Und da ist das jetzt ein Riesenerfolg.“

Das sah Lars Lorenzen (CDU) ebenso. „Die Specht-Gruppe hätte ja auch einfach abreißen können und nach ihren Vorstellungen neu bauen können. Wir freuen uns über eine solche Nachfolgeregelung, das ist ein guter Schritt nach vorn.“

Der Zeitplan für das „Quartier Alte Druckerei“ ist ein bisschen nach hintengerückt. Zu Beginn des Jahres hoffte man noch, im Spätherbst loslegen zu können. Jetzt lautet auf Nachfrage die Ansage aus Bremen: Läuft für die Specht-Gruppe alles optimal, würde man gern noch in diesem Jahr mit den Bauarbeiten beginnen, so Frauke Meyenberg, in der Specht-Gruppe die Leiterin der Unternehmenskommunikation.

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