Oberschüler hinterfragen „Wirtschaft und Moral“

Kindersoldaten? „Wir hätten nicht gedacht, dass es noch so viele sind“

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Eine bemerkenswerte Ausstellung zum Thema Kindersoldaten stellte jetzt das Profil Wirtschaft in der Langwedeler Oberschule am Goldbach auf die Beine

Langwedel - Wenn man über „Wirtschaft(en) und Moral“ nachdenkt, kommt man irgendwann unweigerlich auf die Rüstungsindustrie. Das gilt auch für das Profil Wirtschaft des Jahrgangs 10 der Oberschule am Goldbach in Langwedel. Bei ihren Nachforschungen stießen die jungen Damen und Herren auf das Thema „Kindersoldaten“. Herausgekommen ist eine Ausstellung, entstanden für und auch mit den anderen Schülern der Schule.

250.000 Kindersoldaten gibt es weltweit. „Wir hätten nicht gedacht, dass es noch so viele sind“, sagt Jason Williams. „Und es waren sogar schon 300.000.“ Schwerpunkte sind Afrika, Afghanistan, Pakistan – aber es gibt sie in vielen Ländern. Meist sind es Waisenkinder. Als Soldaten bekommen sie Nahrung, Kleidung, so etwas wie eine Ersatzfamilie. Sie werden in jeder Beziehung missbraucht, werden krank – oder schwanger. Von drei Kindersoldaten sind zwei Jungs, der dritte ist ein Mädchen.

Wem der Absprung, die Flucht gelingt, der ist traumatisiert, braucht Hilfe. Dafür gibt es schon Hilfsorganisationen – und die sind auf Spenden angewiesen.

Kindersoldaten, Selbstmordattentäter sind keine Erfindung unserer Tage, wie die Langwedeler Oberschülerinnen und Oberschüler bei ihren Recherchen herausfanden. „Die haben es früher nicht besser gemacht“, so Milena Ramm mit Blick auf die deutsche Geschichte. Am Ende des Zweiten Weltkrieges zerrten die Nazis 14 bis 16 Jahre alte Kinder in den Kriegseinsatz – über die Hitlerjugend, als Flakhelfer. Als „Werwölfe“ sollten Kinder und Jugendliche als Saboteure und Selbstmordattentäter gegen die alliierten Truppen kämpfen. „Es gab sogar die Todesstrafe für 16-Jährige, die nicht kämpfen wollten“, so Milena. „Drückeberger“ haben die Nazis die jugendlichen Kriegsdienstverweigerer genannt.

„Das haben die toll gemacht“

Die Zehntklässler haben ihre Ausstellung und ihr Wissen anderen Klassen der Schule mitgegeben. „Das haben die toll gemacht“, findet Lehrer Derik Eicke. Den Kolleginnen und Kollegen aus dem eigenen Jahrgang gegenüber hat man beim Erzählen eine andere Sprache gewählt, als etwa Sechstklässlern. Ganz automatisch, man wollte ja verstanden werden.

Wer wollte, konnten seine Hände in rote Farbe tauchen und als Abdruck auf einem weißen Blatt Papier hinterlassen. Die „Roten Hände“ gelten als Symbol, als Statement gegen den Einsatz von Kindersoldaten. Die „Roten Hände“ wurden mit in die Ausstellung gehängt. Zumindest einige, es wurden viel mehr abgegeben, als auf die Stellwände gepasst haben.

Aber was hat das jetzt mit der deutschen Rüstungsindustrie zu tun? Die Bundesrepublik ist einer der größten Waffenexporteure der Welt. „In den Top 3“, berichtet Benjamin Oraschewski. Es werden Milliarden verdient, es hängen viele Arbeitsplätze dran. Klar, in und aus Deutschland gibt es einen großen Einsatz für den Frieden in der Welt. Und es werden Waffen gerade auch in Krisengebiete bzw. Gebiete mit Kindersoldaten geliefert.

„Ist Geld wichtiger oder die Moral? Die Frage sollte man sich schon stellen“, findet Benjamin. Die Antwort muss jeder für sich selbst finden. „Das hat schon spannende Diskussionen gegeben“, erzählt Derik Eicke.

„Sie sollen sich ihre eigene Meinung bilden, die vertreten und begründen können“, sagt Schulleiter Rolf Bartels an diesem Morgen vor einer Ausstellung, die alles andere als oberflächlich geworden ist.

 jw

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