Robert Nannen vom Dorfverein bringt historisches Gebäude im Alleingang auf Vordermann

Jan Wind: Hoffnung auf den Mühlentag

Hammer und Nagel schwingt Robert Nannen am Dach der Remise. Fotos: Duncan

Etelsen - Von Lisa Duncan. Die Sturmschäden des allmählich vergehenden Winters und der übliche Verschleiß bei Altbauten machen auch vor der Etelser Windmühle nicht halt. In froher Hoffnung auf den Mühlentag am Pfingstmontag, 1. Juni, hat sich Hobbymüller Robert Nannen im Alleingang zur Aufgabe gemacht, diese Schäden an dem altehrwürdigen Bauwerk bis zum Saisonbeginn zu beheben.

„Seit über einem Jahr steht die Renovierung schon an“, erzählt Nannen, der auch Vorsitzender des Dorfvereins Etelsen/Cluvenhagen/Hagen-Grinden ist. So sei der Putz drinnen auf den oberen Etagen, den „Sackböden“, und draußen am Eingang, rund um die Beschilderung, abgeblättert. Das kleine Stück am Eingang will Nannen in den nächsten Wochen selber neu verputzen. Das Schild, das Jan Wind als historische Mühle ausweist, hat er dafür extra abgeschraubt. „Das möchte ich bis Pfingsten gerne wieder dran haben“, sagt er.

Innen soll ein Bauunternehmer tätig werden: „Da müssen Profis ran.“ Zuvor hatte der Vereinsvorsitzende die Dachplatte auf der Remise, in der historische landwirtschaftliche Geräte lagern, wieder befestigt. Der Sturm hatte das Wellblechdach heruntergeweht.

Wegen der Kontaktbeschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie ist Nannen derzeit ganz alleine auf der Baustelle. „Gegenwärtig geht es ja nicht anders“, sagt er. Angesichts der Situation ist er zudem nicht sicher, ob der für den 26. April geplante Pflanzenflohmarkt an der Windmühle stattfinden kann. „Wir hoffen, dass die Corona-Zeit bald vorbei ist, und dass wir uns dann als Verein wieder gemeinsam präsentieren können.“

Neben dem Mühlentag zu Pfingsten stehen jährlich im September Führungen für Schulklassen auf dem Plan. „Unsere Stärken sind: Wir haben ein intaktes Gebäude, die Flügel drehen sich und wir können Mahlgänge vorführen“, erklärt der gelernte Maschinenbauingenieur, der seit vielen Jahren die Führungen in und um Jan Wind leitet. Vieles von dem, was er über Windmühlen weiß, brachte er sich selbst bei oder lernte es von seinem Vorgänger Heinrich Struckmann.

Damit die Mühle immer mahlen kann, verfügt sie über einen Stromantrieb. Einen Zentner Mehl stellt das Mahlwerk in fünf Minuten her, bei den historischen Führungen wird etwa eine Tonne Korn im Jahr gemahlen. Landwirt Cord Rehbock liefert das Getreide – den Schrot verwertet er als Futter für seine Schweine. Kleines Manko: Die Mühle steht nicht unter Denkmalschutz, denn ihr Innenleben ist nicht originalgetreu aufgebaut. „Die Anordnung gleicht eher einer Wassermühle“, so Nannen. Jan Winds Mahlwerk befindet sich im Erdgeschoss. Bei Windmühlen lagen die Mühlsteine aber früher auf der (hölzernen) Galerie, die deshalb im Müllerjargon Steinboden genannt wird.

Dorfverein und Förderkreis für die Windmühle:

1993 erwarb der Förderkreis GbR Etelser Windmühle Jan Wind das 1871 errichtete Bauwerk zum Preis von 75 000 DM. Der Kapitalstock des Förderkreises, der sich mit 30 Mitgliedern gründete, betrug 150 000 DM. Der Dorfverein Etelsen/Cluvenhagen/Hagen-Grinden übernahm die Mühle und sanierte dort seitdem viel in Eigenleistung, mithilfe von Spenden und Fördermitteln.

Richtig saniert wurde die Windmühle zuletzt 2018: Sie erhielt einen neuen, wetterfesten Mantel aus Aluminiumschindeln und einen neuen Blitzschutz. Die Stiftung der Kreissparkasse, die Stiftung der Volksbank, der Landkreis Verden, der Flecken Langwedel sowie der Dorfverein zusammen mit dem Förderkreis Jan Wind ermöglichten die Sanierung, deren Gesamtkosten 36 700 Euro betrugen.

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