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Widerstand gegen Deponie in Völkersen: „Irgendwann reicht es“

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Von: Wolfgang Hustedt

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Vor Ort an der Völkerser Sandgrube (v.li.) Heinrich Clüver, Henrik Früchtenicht, Frank Tödter, Dörte Liebetruth, Hella Bachmann, Petra Henke und Julius Clüver.
Vor Ort an der Völkerser Sandgrube (v.li.) Heinrich Clüver, Henrik Früchtenicht, Frank Tödter, Dörte Liebetruth, Hella Bachmann, Petra Henke und Julius Clüver. © Hustedt

Völkersen – „Zunächst hieß es, dass die Fläche nach dem Sandabbau renaturiert werden soll“, sagt Henrik Früchtenicht. Damit wären auch alle in Völkersen zufrieden gewesen. Aber jetzt ist raus: „Die wollen einfach eine Deponie daraus machen.“ Gegen die Pläne der Firma Specht aus Rotenburg, nach Ende des Sandabbaus an der Straße Düvelshagen an Ort und Stelle eine Bauschuttdeponie einzurichten, formiert sich immer mehr Widerstand.

Mitglieder des Ortsrates Völkersen – der stellvertretende Ortsbürgermeister Henrik Früchtenicht (CDU), Heinrich Clüver (CDU), Petra Henke (SPD) und Julius Clüver (Grüne) sowie Frank Tödter für die Dorfgemeinschaft trafen sich jetzt vor Ort mit der SPD-Landtagsabgeordneten Dr. Dörte Liebetruth und der Landtagskandidatin der CDU, Hella Bachmann. Beide Politikerinnen gehören auch dem Kreistag an.

Dörte Liebetruth erklärte in Völkersen: „Wenn eine Firma zusagt, nach dem Sandabbau werde renaturiert, und das dann nicht einhält, ist das ein krasser Vertrauensbruch. Die Firma Specht sollte ihren Antrag auf Errichtung einer Deponie mit belastetem Bauschutt zurückziehen und freie Bahn für die Renaturierung der Sandgrube in Völkersen machen.“

Hella Bachmann berichtete, dass auch der Landkreis Verden seine Stellungnahme noch im Mai beim Gewerbeaufsichtsamt in Lüneburg abgeben werde, in der noch Unterlagen nachgefordert würden. „Die vorhandenen Informationen reichen bei Weitem nicht aus“, erklärte Bachmann.

Beide Politikerinnen lobten die Gemeindeverwaltung in Langwedel für die Entscheidung, ein Fachbüro zur rechtlichen Beurteilung hinzugezogen zu haben. „Jedes einzelne Argument in dem Gutachten spricht eine ganz deutliche Sprache. Wenn man alle zusammennimmt, ist diese Deponie undenkbar, zumal die Deponie im Raumordnungsprogramm nicht vorgesehen ist“, so Hella Bachmann.

Dörte Liebetruth erklärte: „Auf der Völkerser Fläche fehlt beispielsweise die erforderliche geologische Barriere, die verhindert, dass Schadstoffe ins Grundwasser gelangen können. Außerdem wird vom Antragsteller bisher völlig offengelassen, wie er die Risiken abwehren will, die sich angesichts wiederkehrender Erdbeben rund um die geplante Deponie mit belastetem Bauschutt ergeben.“ Die Deponie sei weder im Regionalen Raumordnungsprogramm noch im Landesraumordnungsprogramm an diesem Standort vorgesehen, so die beiden Kreistagsabgeordneten.

Henrik Früchtenicht meinte: „Wenn ich hier auf dem Feld jetzt einfach eine Windenergieanlage bauen möchte, geht das nicht, weil es nicht im Raumordnungsprogramm ausgewiesen ist.“ Da frage er sich schon, warum jetzt eine Deponie mit belastetem Bauschutt einfach möglich sein sollte.

Nach dem Ortstermin am Düvelshagen setzen man sich im Völkerser Schützenhaus noch zusammen, wo weitere Völkerser dazukamen, die sich gegen die Deponie wehren wollen. „Irgendwann reicht es auch mal“, war hier zu hören. „Nach Fracking, nach den Erdbeben, nach Jahren der Gegenwehr kocht die Wut bei uns hoch.“

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Dörte Liebetruth ermutigte dazu, Einwände gegen dem Specht-Antrag geltend zu machen: „Alle, deren Belange durch das Vorhaben berührt werden, können sich mit einer Stellungnahme dazu an das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt in Lüneburg wenden.“ Bis zum 20. Mai ist das möglich. Die Landtagsabgeordnete verwies auf die Möglichkeit einer Petition im Landtag und bot an, das Anliegen über ihre Kontakte in Hannover zu begleiten.

Wenn die Petition nicht nur im Landtag diskutiert werden, sondern es sogar eine öffentliche Landtagsanhörung dazu geben soll, brauche man dafür 5000 Unterschriften innerhalb von sechs Wochen, berichtete Dörte Liebetruth. Aktuell haben die Völkerser rund 1 000 Unterschriften im Ort für ihren Protest gegen die Deponie gesammelt.

„Vielleicht kann man die auf dem Langwedeler Markt sammeln. Das ist dann noch nicht zu spät“, schlug Hella Bachmann vor und sieht eine gute Chance für viel mehr Unterzeichner. „Wir in Langwedel unterstützen uns gegenseitig. Und wir wollen hier nirgendwo eine solche Deponie“.

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