Neu gegründete Bürgerinitiative

Widerspruch gegen Hähnchenmaststall in Etelsen

Auf diesem Getreidefeld soll der Hähnchenmaststall mit fast 30.000 Tierplätzen entstehen.
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Auf diesem Getreidefeld soll der Hähnchenmaststall mit fast 30.000 Tierplätzen entstehen – laut Bürgerinitiative leben viele Anwohner nur 300 Meter entfernt.

Der Protest gegen den geplanten Hähnchenmaststall an der Kreisstraße zwischen Giersberg und Steinberg geht in die nächste Phase.

Etelsen – Schon Mitte Mai hatten Anwohner sich zur Bürgerinitiative „Lebenswertes Etelsen ohne neue Mastställe“ zusammengeschlossen. Im Juli erhielten die Mitglieder Nachricht vom Landkreis, dass der Bau des Maststalls der Landwirtsfamilie Ernst mit 29.900 Tierplätzen genehmigt worden sei.

Die Bürgerinitiative holte sich juristischen Rat und legte am Donnerstag Widerspruch beim Landkreis Verden als Baugenehmigungsbehörde ein. Buchstäblich in letzter Sekunde: Freitag lief die Frist zur Einreichung des Rechtsmittels ab.

„Wir wissen nicht, ob wir den Bau damit noch verhindern können, aber vielleicht können wir wenigstens erreichen, dass Herr Ernst wirksamere Filter einbaut“, sagt Carsten Kelbling, ein Sprecher der Bürgerinitiative. Die Anlage für Massentierhaltung würde keine 300 Meter vom Wohngebiet liegen.

Kelbling zufolge hat der Bauherr die Genehmigung bereits Ende Mai erhalten, „um im Verfahren Gelegenheit zu haben, den Auflagen zu widersprechen“. Eine öffentliche Bekanntmachung sei zu diesem Zeitpunkt nicht erfolgt.

Erstmals ihren Unmut über das Bauvorhaben geäußert hatten Anwohner im März 2020, als es im Etelser Ortsrat auf der Tagesordnung stand. Sie hatten ein Protestschreiben mit 468 Unterschriften an Bürgermeister Andreas Brandt überreicht. Im weiteren Verlauf des Antragsverfahrens hatte der Flecken Langwedel klar gemacht, dass er sein Einvernehmen gegenüber dem Landkreis zum Bau der Massentierhaltungsanlage versagt. Genehmigt wurde der Bau trotzdem. Danach war es scheinbar still geworden um den Hähnchenmaststall. Corona hatte zeitweise andere Themen in den Vordergrund gerückt und persönliche Gruppentreffen verhindert. Kelbling zufolge riss das Interesse der Etelser und Steinberger aber nie ab: „Im Ort ist keine Ruhe eingekehrt.“ Anfang März habe die Bürgerinitiative 301 Einsprüche im Dorf gesammelt und direkt beim Landkreis eingereicht.

Laut Rolf Korb, Hauptamtsleiter im Langwedeler Rathaus, hat die Gemeinde wenig bis keine Handhabe gegen das Bauvorhaben. „Wenn die Gemeinde ihre Zustimmung versagt, kann der Landkreis das fehlende Einvernehmen ersetzen“, betont Korb.

Kelbling macht sich nach eigener Aussage keine großen Illusionen, den Hähnchenmaststall noch kippen zu können. Doch eine letzte Hoffnung bleibt: „Warum lohnt sich der Maststall noch für den Landwirt? Wenn er so viele Auflagen erfüllen muss, wird das Bauvorhaben vielleicht zu teuer für ihn.“

Von der Kommunalpolitik habe die Bürgerinitiative mehr erwartet: „Wir sind enttäuscht von der Politik der Gemeinde, dass sie mit dem Massentierhalter keine Lösung gefunden hat und dass wir nun die Benachteiligten sind.“

Zudem findet es Carsten Kelbling unverständlich, dass das „viel zu positive Gutachten“, das der Landwirt zu Umweltbelastungen vorgelegt hatte, vom Landkreis so akzeptiert wurde. „Mit diesem Gutachten hätte jeder einen Maststall bauen können.“ Die Gemeinde hatte die Stellungnahme zweimal auf Plausibilität prüfen lassen und dementsprechend ein Gegengutachten erstellt. Fazit: Auch das neue Geruchsgutachten unterschätze die Immissionsbelastungen.

Für den Fall, dass der Bauherr sein Vorhaben wie geplant umsetzt, macht sich die Bürgerinitiative vor allem Sorgen um dürftig gefilterte Immissionen, die nicht nur umweltbelastend seien, sondern auch gesundheitliche Probleme auslösen könnten. Darüber hinaus ziehe der Maststall vor der Nase einen weiteren Effekt nach sich: „Der Wert unserer Immobilien geht durch diese Ansiedlung runter.“

Darum will die Bürgerinitiative weiterkämpfen – auch wenn der Rechtsweg Geld verschlingt. „Wir stecken den Kopf nicht in den Sand, wir wollen unseren schönen Ort schützen“, so Kelbling. Die Bürgerinitiative freut sich über Unterstützung durch Mitarbeit oder Spenden.

Infos unter https://lebenswertes-etelsen.de

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