Vorhaben in Völkersen: Infoabend in der Sporthalle der Oberschule

Wenig Gegenliebe für „Deponie Geestland“

In die Sporthalle der Oberschule Langwedel war man aufgrund der Corona-Verordnungen für den Infoabend (oben) mit der Firma Specht umgezogen. Für die aktuellen, in dieser Jahreszeit bisweilen im Nebel liegenden, Arbeiten auf der geplanten Sandabbaufläche (re.) sind Archäologen verantwortlich.
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In die Sporthalle der Oberschule Langwedel war man aufgrund der Corona-Verordnungen für den Infoabend (oben) mit der Firma Specht umgezogen. Für die aktuellen, in dieser Jahreszeit bisweilen im Nebel liegenden, Arbeiten auf der geplanten Sandabbaufläche (re.) sind Archäologen verantwortlich.

Völkersen/Langwedel – Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Die Pläne der Firma Specht Baustoffhandel, Transport und Entsorgung aus Rotenburg, aus ihrer Sandgrube auf dem Düvelshagen in Völkersen eine „Deponie für leicht belastete Böden und mineralische Abfälle“ zu machen, sorgt vor Ort für einige Unruhe und Unmut. Was die Firma Specht da nun genau vorhat, sollte und wollte das Unternehmen in einer öffentlichen Informationsveranstaltung vorstellen – und tat dies am Dienstagabend in der Sporthalle der Oberschule in Langwedel. Hier ließen sich, im Gegensatz zu allen denkbaren Lokalitäten in Völkersen, die verordneten Abstände und Regeln einhalten.

Spätestens nach den Powerpoint-Präsentationen der Specht-Vertreter zu den geplanten Vorhaben kristallisierte sich heraus: Der großräumige Sandabbau wird in der örtliche Bevölkerung nicht sonderlich geschätzt, von allen politischen Vertretern im Orts- und Gemeinderat aber für vertretbar gehalten, wenn bestimmte Bedingungen eingehalten werden. Die dicke Kröte, die man aber auf keinen Fall schlucken möchte, ist die „Deponie Geestland“.

„Wir haben Völkersen bewusst nicht mit aufgenommen“, erklärte dazu Specht-Geschäftsführer Jan Brünjes. Sein Unternehmen hat für den Düvelshagen, wie berichtet, beim Landkreis Verden einen Antrag auf die Erweiterung des Sandabbaus gestellt.

Dass man sich mit dem Gedanken trägt, da anschließend eine Bauschuttdeponie einzurichten, hatte man dem Flecken Langwedel auch schon im vergangenen Jahr mitgeteilt, Bürgermeister Andreas Brandt hatte diese Information auch öffentlich im Gemeinderat weitergegeben. Als dann aber der Erweiterungsantrag für die Sandgrube auf den Tisch kam, und zwar inklusive Renaturierungsplan, glaubte man in der Gemeindeverwaltung sowie im Ortsrat Völkersen erleichtert, die Deponiepläne seien vom Tisch. Waren sie aber überhaupt nicht.

Man habe damit niemanden in die Irre führen oder gar austricksen wollen, versicherten Jan Brünjes und die Beteiligten Planer wiederholt. Da es sich nun aber um zwei verschiedene Verfahren handele, sei man von Rechtswegen gezwungen, den Antrag für den Sandabbau mit einem Renaturierungsplan zu versehen. Auch wenn man gar nicht vorhabe, den umzusetzen. Für die Genehmigung der Deponie ist dann im Übrigen nicht der Landkreis Verden zuständig, sondern das Gewerbeamt in Lüneburg. Der Antrag ist hier noch gar nicht gestellt, wird aber kommen. „Ergebnis offen“, befand Jan Brünjes.

Wenn der Abbau im neuen Bereich beginnt, möchte die Firma Specht, die mittlerweile zur Matthäi-Gruppe gehört, anfangen, im alten Teil Bauschutt einzubringen. Das Ganze soll sich insgesamt über 22 Jahre hinziehen, so die Berechnung. Auch der jetzt noch gar nicht abgebaute Teil soll dann Deponie werden – die übrigens als Bauwerk gilt. Dort wo jetzt noch ein Loch im Gelände ist, würde am Ende dann ein Berg entstanden sein, gut und gern 15 bis 17 Meter hoch, gesehen von der derzeitigen Abbaukante.

Weil in die Deponie mehrer Dichtungsebenen eingebaut werden müssen, über die letzte dieser Schichten nur maximal ein Meter Mutterboden kommt, kann man dort oben dann nichts tiefwurzelndes wie etwa Bäume pflanzen. Sondern wohl am ehesten Gras (das regelmäßig gemäht werden müsste, auch um die Deponie kontrollieren zu können).

Laut Jan Brünjes sehen sich sein Unternehmen und andere Firmen vom Gesetzgeber auf Landes- und Bundesebene unter Druck gesetzt. Man nehme zum Beispiel Mutterboden, abgetragen links und rechts von der Autobahn im Zuge von Sanierungsarbeiten. „Diesen Boden haben vor 15 Jahren Landwirte noch auf ihre Felder gefahren.“ Oder abgetragene Beton- oder Straßendecke. Die wurde und wird zum ganzen Teil noch recycelt und dann unter der neuen Fahrbahn wieder eingebaut. Damit sei es in spätestens vier bis fünf Jahren vorbei. Der Gesetzgeber setze die Grenzwerte immer niedriger und verlange eine Einlagerung in Deponien.

Bei allem Bemühen um eine positive Darstellung ihrer Absichten, so richtig punkten konnten die Spechtleute bei den Völkersen nicht. „Das ist alles nicht so schön, wie sie es darstellen“, befand Bernd Sackretz. Er haderte auch extrem damit, dass in Völkersen oder im Flecken Langwedel niemand wirklich über die eigenen Belange mitentscheiden kann.

Irgendwann landeten die Antragsunterlage für die Deponie im Rat, seien öffentlich einsehrbar, so Bauamtsleiter Bernhard Goldmann. Wenn in der Bevölkerung Erkenntnisse zutage kämen, die gegen die Deponie sprächen, „dann wäre es vielleicht gut, wenn sie sich im Rathaus melden“. Damit das in die Stellungnahme der Gemeinde einfließen kann.

Von Jens Wenck

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