Christoffer Klemme als Vikar zur Ausbildung in der Kirchengemeinde Daverden

Warum Pastor werden?

Christoffer Klemme ist der allererste Vikar, den die ev.-luth. Kirchengemeinde in Daverden je hatte. Foto: Wenck

Daverden - Von Jens Wenck. Ach ja, hier kann man das aushalten. Unten im alten Daverdener Gemeindehaus ist es angenehm kühl, hier lässt sich das aushalten. Christoffer Klemme hat Kaffee gekocht, er kennt sich hier schon aus, auch wenn er in der Kirchengemeinde Daverden noch relativ neu ist. Zum tatsächlich allersten Mal hat die ev.-luth. Kirchengemeinden seit März einen Vikar. Und der Pfarrer in der Ausbildung bleibt auch erst einmal eine Weile, zwei Jahre nämlich.

Den größten Teil seiner Ausbildung hat Klemme schon hinter sich, das Studium in Göttingen, drei Semester in Leipzig und dann das erste Examen wieder in Göttingen. „Noch 27“, sagt der angehende Pastor schmunzelnd auf die Frage nach seinem Alter. Ende August hat er Geburtstag, lässt er sich entlocken.

Christoffer Klemme kommt vom Dorf. „Aus dem nördlichen Schaumburger Land, aus der Gemeinde Auetal.“ Und da aus Hattendorf. „500 Einwohner. Sehr ländlich.“ Obwohl sein Vater auch Pastor ist, habe für ihn nicht von Anfang an festgestanden, dass er ebenfalls diesen Berufsweg einschlagen würde. So in der 10./11. Klasse wollte er irgendwas mit Geschichte machen. In diesem Alter macht man Berufspraktika. Klemme war im Museum – und fand das dann nicht so prickelnd. Wer im Mathe-Leistungskurs unterwegs ist, der schnuppert auch mal in die Arbeit eines Bankkaufmanns rein. Das war es auch nicht.

Wo kommt ganz viel Geschichte, Organisatorisches, der Umgang mit Menschen mit dem eigenen christlichen Glauben zusammen? Im Beruf des Pastoren. Also fing Christoffer Klemme an, Theologie zu studieren, und fand sich auf dem richtigen Weg.

Nun ist das Theologiestudium eine der aufwendigsten Vorhaben, für das man sich an eine Universität begeben kann. Warum tut ein junger Mensch sich das an, warum will so einer Pastor werden? Er kann anderen etwas mitgeben, von seiner persönlichen Begeisterung für den christlichen Glauben, sagt Klemme ausgerechnet in einer Zeit, in der just vermeldet wurde, dass noch nie in einem Jahr so viele Menschen in Deutschland die beide großen christlichen Kirchen verlassen haben, wie im vergangenen. „Klar, das stimmt mich traurig. Aber ich sehe das auch als Auftrag, den Glauben und den Alltag für die Menschen wieder mehr in Verbindung zu bringen.“

Die Stelle in Daverden hat sich der Vikar nicht selbst ausgesucht, so was macht immer die Landeskirche.

Die Daverdener Gemeinde empfindet Klemme als absolut lebendig. In der Konfirmandenarbeit war er schon aktiv, am Sonntag steht sein nächster Gottesdienst an, der erste mit Abendmahl. Natürlich hat er bei der Sanierung und Neugestaltung des Daverdener Pfarrgartens mit angepackt. „Wie viele Leute da jedes Mal waren. Und wirklich von jung bis alt.“ Besuche im Altenheim, Geburtstagsbesuche und Jugendarbeit stehen auf seinem Programm. Apropos: Dass die Daverdener mit Miriam Voigt noch eine eigene Diakonin haben, weil auch selbst mitfinanziert, wirkt sich nach Klemmes Beobachtungen sehr positiv in der Kinder- und Jugendarbeit aus. „Und die Familiengottesdienste sind auch immer gut besucht.“

Auch wenn „viele Menschen kennenlernen“ ganz oben auf Klemmes Agenda steht – das Daverdener Schützenfest wird der Vikar in diesem Jahr verpassen. Er hat drei Wochen Urlaub. Zu den Eltern fahren, die Freundin besuchen, die in Göttingen ebenfalls Theologie studiert, und eine Woche Italien sind geplant.

Nach den Ferien hat Klemme dann eine Schulphase an den BBS in Dauelsen. Neben seiner Arbeit in Daverden stehen auch immer wieder Wochen im Predigerseminar in Loccum auf dem Ausbildungsplan. 2021 ist sein Vikariat zu Ende.

Und dann? „Das zweite Examen“, sagt Klemme. „Dann hoffentlich die erste eigene Stelle, die eigene Gemeinde.“

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