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Wanderreiterinnen machen in Hagen-Grinden Station

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Von: Jens-Peter Wenck

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Gruppenbild mit Gastgeberin (v.li.): Ronja Meyer mit Faros, Hella Bachmann sowie Nicole Döring und Jannes. Bevor die Wanderreiterinnen in Hagen Station machten, hatte man sich übrigens vorher noch nie getroffen.
Gruppenbild mit Gastgeberin (v.li.): Ronja Meyer mit Faros, Hella Bachmann sowie Nicole Döring und Jannes. Bevor die Wanderreiterinnen in Hagen Station machten, hatte man sich übrigens vorher noch nie getroffen. © Wenck

Mit Pferden von Bassum nach Neuwerk – ein modernes Abenteuer

Hagen-Grinden – Ronja Meyer hat einmal davon geträumt, den Jakobsweg zu reiten. Also in Spanien ein Pferd zu kaufen und dann los. „Das war der Plan“, sagt die 31-Jährige. Jetzt sitzt sie in Hagen-Grinden in der Küche des Hofes von Hella und Marco Bachmann an dem großen Holztisch auf dem noch die üppigen Reste des Frühstücks stehen und ist schon ein bisschen aufgeregt. Obwohl, Nicole Döring neben ihr, ist das vielleicht noch ein bisschen mehr. Das könnte daran liegen, dass die beiden Frauen mit ihren Pferden innerhalb von 14 Tagen von Bassum nach Neuwerk an die Nordsee reiten wollen. Zum anderen, weil sie das allererste Mal ihre Geschichte einem Zeitungsmenschen erzählen.

Warum macht man das bloß? „Abenteuerlust“, kommt es blitzschnell von Nicole Döring. Gemeint ist nicht das Interview, sondern der Ritt. Der wird laut Routenplaner aus dem Internet insgesamt 220,5 Kilometer lang sein, ohne Umwege. Dabei übernachtet das Quartett nun nicht in Hotels mit angeschlossenem Reitstall und auch nicht so fürstlich wie die letzte Nacht in Hagen. „Das hier ist der reinste Luxus“, sagt Ronja Meyer. Wobei das Ansichtssache ist. Der Hof Bachmann ist relativ kurzfristig auf die Reiseroute gekommen. Für die Pferde perfekt, die Reiterinnen nächtigten im Gästezimmer. Das ist gerade in der fast abgeschlossenen Renovierungsphase, aber es gab zwei Matratzen auf dem Boden, ein eigenes Bad – und am Abend Verpflegung mit Familienanschluss. „Wir haben Pizza gemacht“, berichtet Hella Bachmann.

Döring und Meyer haben ihre Route schon vorher geplant, seit dem vergangenen Herbst geguckt, wie sie und ihre Reittiere die Nacht unterkommen könnten, wo sie den Schlafsack ausbreiten können. An den Stationen haben sie vor dem Start Futter deponiert, für die Tiere und die Menschen. Das kann auch mal eine Weidehütte sein. „Da gibt es dann für uns Cold Dogs“, lacht Meyer. Also werden keine heißen Würstchen verspeist, sonder kalte aus dem Glas. 13 Stationen insgesamt soll es geben, am 14. Tag kommt das Auto mit dem Anhänger für die Pferde und bringt alle wieder nach Hause. Bei der Suche nach Unterkünften hat der Hufschmied mit seinen Kontakten geholfen. „Hinni Hashagen“, wirft Hella Bachmann ein.

Schlafsäcke haben sie dabei, Klamotten, Hygieneartikel. „Aber kein Zelt“, sagt Meyer. Selbstverständlich haben sie vorher trainiert. Mit Packtaschen, in die immer eine Wasserflasche mehr kam. Aber nicht zu viel und immer mit der Ruhe. Schließlich ist Ronja Meyers Faros schon ein älterer Herr. „Am 5. Mai wird er 17 Jahre alt.“ Das Halbblut kommt aus Kroatien, wurde in der Nähe von Split gezogen. Hier hat Ronja Meyer selbst als Guide für Reittouristen gearbeitet, im Equestrian Club Split.

Nicole Döring ist mit Jannes unterwegs, acht Jahre alt. Selbst gezüchtet, selbst groß gezogen, selbst eingeritten. „Mit einem Reitlehrer an meiner Seite, natürlich“, sagt die 33-jährige. Für Interessierte: Jannes ist ein Connemara und zu einem Viertel ein Norweger. Seine Besitzerin verdient ihr Geld als kaufmännische Angestellte, Ronja Meyer ist Sozialarbeiterin. „Wir haben beide bis Freitag durchgearbeitet und sind dann gleich am Samstag los...“, erzählt Döring. „Das war schon sportlich“, meint ihre Kollegin rückblickend.

Beide Reiterinnen lieben das Meer, waren mit ihren Tieren schon an der Nordsee, woraus die Erkenntnis kommt: Auch Faros und Jannes mögen Wasser und Strand. Also stand das Ziel: Neuwerk.

Wenn man von Bassum aus dahin will, muss man einmal über die Weser. Nur, wo? Google Maps schlug den Reiterinnen das Weserwehr zwischen Intschede und Daverden vor. Dort ist die Brücke allerdings noch gar nicht fertig, wie die beiden unterwegs erfuhren. Also weiter durch die Marsch zur Ueser Brücke. Unterwegs trafen sie auf freundliche Menschen von der Feuerwehr an Verpflegungsstellen. Hatten die etwa von der Reittour erfahren?

Hatten sie nicht. Die Helfer waren für die Teilnehmer eines „Wanderthons“ mit Start in Bremen da. Der hatte allerdings wohl nicht so viele Teilnehmer wie erhofft – und die Feuerwehr feine Verpflegung für Nicole, Ronja, Jannes und Faros. Die sollte aber auch nötig sein. Die Weserquerung über die von Autos viel befahrene Ueser Brücke wurde nämlich ein Abenteuer der besonderen Art. Wo reiten? Der Radweg für die bepackten Pferde: eher zu schmal. Wie würden sich die Vierbeiner auf der Straße verhalten? „Wenn die da abgehen, hast du keine Chance“, wirft die Pferdefachfrau Hella Bachmann ein.

Es ist aber alles glatt und gut gegangen, alle vier überstanden ihr Abenteuer bestens. Ganz entspannt, ganz relaxt geht es seitdem mit einem Tagespensum von 15 bis 20 Kilometer weiter an die Nordsee. Die Orientierung erfolgt neumodisch über App und Mobiltelefon genauso wie ganz alte Schule mit Karte und Kompass. Eigentlich soll das Handy unterwegs ja mehr oder weniger in der Tasche bleiben. Aber man kann damit auch Fotos machen und andere wissen lassen, was man so macht. Bilder und Infos zu dieser Tour gibt es bei Instagram unter „die.wanderreiter“ zu finden.

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