Erster Todesfall mit Corona

Waldheim Cluvenhagen: „Müssen einsehen, dass wir keine Chance hatten“

Im Waldheim sind mithilfe eines mobilen Impfteams des Landkreises in dieser Woche die Booster-Impfungen angelaufen.
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Im Waldheim sind mithilfe eines mobilen Impfteams des Landkreises in dieser Woche die Booster-Impfungen angelaufen.

Cluvenhagen – „Alle Bemühungen der letzten Monate zielten nur darauf ab, genau so eine Situation zu verhindern. Nun müssen wir einsehen, dass wir bei ,Chucki" keine Chance hatten. Sein Tod lässt uns sprachlos zurück.“ So zitiert die Stiftung Waldheim gestern Vorstand Carl-Georg Issing, nachdem er seine Kolleginnen und Kollegen über den Tod von Klaus-Uwe Wierzchucki informiert hatte, der in der Nacht von Montag auf Dienstag mit schweren Vorerkrankungen mit Corona gestorben war.

Seit dem 6. Dezember kämpft die Einrichtung am Standort Cluvenhagen gegen eine ausgeprägte Infektionslage: Rund 130 Menschen haben sich hier trotz vollständiger Impfung mit dem Corona-Virus angesteckt. Dass es bis dato keine schweren Krankheitsverläufe gibt, ist nach Expertenmeinung der Impfung zu verdanken.

„Auch Klaus-Uwe Wierzchucki war geimpft und zeigte keine klassischen Corona-Symptome. Der 67-jährige hatte viele andere Krankheiten und ist friedlich eingeschlafen“, so Katharina Englisch als Sprecherin für die Stiftung Waldhheim am Dienstag. Die Infektion mit den Corona-Viren habe das Gesundheitsamt veranlasst, „Tod mit Corona“ zu konstatieren. Der Landkreis Verden erklärt am gleichen Tag in seiner Mitteilung zur Corona-Lage: „Sein Tod war aufgrund schwerer Vorerkrankungen zu erwarten gewesen.“

In Cluvenhagen jedenfalls bleibe eine betroffene Belegschaft, die sich engagiert zeigt und sich sehr um die behinderten Menschen kümmert zurück, die im Moment gleich mehrfach belastet wird. „Es ist nicht leicht, einem geistig behinderten Menschen verständlich zu machen, dass er seine Wohngruppe nicht verlassen soll, obwohl er sich gesund fühlt“, schildert Issing die Situation in 18 von insgesamt 42 Wohngemeinschaften.

Auch die anderen Wohngemeinschaften ziehen sich seit eineinhalb Wochen vorbeugend in die Häuslichkeit zurück. Sämtliche Freizeitaktivitäten, Arbeits- und Beschäftigungsangebote wurden gestoppt. Keine Dienstleister, keine Angehörigen kommen auf das Gelände, es herrscht absolutes Betretungsverbot, außer für Mitarbeitende.

„Natürlich steht das Telefon nicht still“, so Issing. „Schließlich stehen wir kurz vor Weihnachten und die Familien machen sich große Sorgen um das Wohlbefinden ihrer Angehörigen und darum, die Festtage womöglich nicht gemeinsam verbringen zu können. Doch so weit wird es wohl nicht kommen, auch wenn der Tod von Herrn Wierzchucki den Ernst unserer Lage noch einmal schmerzlich verdeutlicht.“

Der Vorstand verweist auf Pandemieplan, Hygienekonzept und Krisenteam sowie die enge Abstimmung mit dem Gesundheitsamt. „Alle zuerst infizierten Wohngruppen werden ab heute nach und nach erneut getestet, um so Schritt für Schritt zurück in die Normalität zu kommen. Unsere Hoffnung ist, dass bei ersten Bewohnerinnen und Bewohner die festgestellte Infektion inzwischen überwunden ist.“

Der Pandemieplan der Stiftung Waldheim sieht unter anderem vor, Mitarbeitende aus anderen Bereichen in die Wohnbetreuung zu senden, auch um Dienstplanlücken schließen zu können. Denn Fachkräfte sind wie berichtet ebenfalls von der hohen Infiziertenzahl betroffen.

Im Waldheim sind in dieser Woche die Booster-Impfungen angelaufen.

„Die Kollegen kamen freiwillig, ein Hilfe-Aufruf des Vorstandes genügte, um viele Mitarbeitende zu bewegen, in Vollschutz auf Quarantäne-WGs Dienst zu machen oder nicht infizierte Wohngemeinschaften zu unterstützen“, erklärt Katharina Englisch. Die Unterstützung kommt aus der Helene-Grulke-Schule, aus den Waldheim Werkstätten oder aus der vorübergehend geschlossenen Tagesförderung. „Wir sind eine soziale Gemeinschaft, die zusammensteht. So bitter es ist, in Krisenzeiten zeigt sich dieses Selbstverständnis am deutlichsten“, sagt Carl-Georg Issing.

Neben der Kollegialität gibt es für das Waldheim nach eigenen Angaben einen weiteren Silberstreif am Horizont: Ein mobiles Impfteam des Landkreises startete die dritte Impfung in der Stiftung. „Die Booster-Impfungen ziehen sich bis Freitag, dann haben fast alle Menschen wieder einen Vollschutz“, so Katharina Englisch.  

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