Wählergruppe Langwedel (WGL) feiert ihr 30-jähriges Bestehen

Als für die Politik ein Störfaktor an den Start ging

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Gerd Landzettel, Fritz Mogilowski, Roswitha Meyer, Wilfried Gründemann, Rüdiger Brandt und Gerd Schmakeit (von links) gründeten vor 30 Jahren die WGL.

Daverden - „30 Jahre und kein bisschen leise“ lautete das Motto der Feier, mit dem die Wählergruppe im Flecken Langwedel (WGL) ihren dritten runden Geburtstag feierte. Leise war es auf dem Frühschoppen im Daverdener Waldschlösschen wahrlich nicht: Rund 40 Gäste – Mitglieder und Freunde – kamen am Sonntag zum Frühschoppen mit Freibier und Fingerfood.

Es wurde munter geplaudert – die Ratsmitglieder Gerd Landzettel und Heike Schmitz begrüßten ihre Gäste, man ließ die Anfangszeiten Revue passieren und sprach über aktuelle Themen. Alles in angenehmer Atmosphäre. Die schuf Michael Schmitz mit musikalischer Untermalung.

Kurz und knapp erzählte Landzettel, warum es die WGL überhaupt gibt und sie nun schon seit 30 Jahren existiert: „Mitte der 80-er Jahre gab es in Langwedel einige Problemfelder, für die sich nicht nur die örtlichen Politprofis, sondern auch die Bürger interessierten, beispielsweise Planungen zur Errichtung einer kreisweiten Mülldeponie auf dem Giersberg und den Bau einer Verbindungsstraße von Langwedelermoor nach Völkersen, genannt Panzerstraße, mitten durch das Moor.“

Zu beiden Themen hatten sich Bürgerinitiativen gebildet. „Denen wurde aber schnell klar, dass sie von denen, die in Rat und Verwaltung die Entscheidung trafen, als Störfaktor und nicht als engagierte Bürger begriffen wurden“, sagte der Fraktionsvorsitzende.

Was den Bürgern vor allem fehlte, waren Informationen. „Vieles wurde im nichtöffentlich tagenden Verwaltungsausschuss beraten und entschieden. Wenn wir bei kritischen Fragen nachhakten, erhielten wir selten offene Antworten. Dazu kam, dass Gemeindepolitik als Parteipolitik betrieben wurde“, erinnerte sich Landzettel.

Um sich gezielt einmischen zu können, fand sich 1985 ein kommunalpolitischer Arbeitskreis zusammen, um unter anderem öffentliche Rats- und Ausschusssitzungen zu besuchen. „Die dabei gewonnenen Eindrücke führten dazu, dass Gerd Landzettel, Fritz Mogilowski, Roswitha Meyer, Wilfried Gründemann, Rüdiger Brandt, Gerd Schmakeit, Karin Goedeke und Uwe Völkner im Oktober die WGL gründeten. Ziel: Bei der Kommunalwahl 1986 anzutreten. „Wir wollten Kommunalpolitik ohne parteipolitische Zwänge machen. Unsere Richtschnur: Was ist gut für Gemeinde und Bürger. Und: Die Bürger sollten möglichst früh erfahren, was beraten und beschlossen wurde – und warum“, sagte der Politiker.

Mit ihren Themen weckte die WGL das Interesse der Bürger: Vor der Teilnahme an ihrer ersten Wahl informierte die Gruppe über die Verkehrssituation – also über Tempo 70 zwischen den Orten –, den Erhalt dörflicher Strukturen – also Lückenbebauung und Ablehnung industrieller Landwirtschaft – und Erhalt von Natur und Umwelt – also Verhinderung von Deponie und Panzerstraße. Der Lohn für die Mühe: Mit zwei Vertretern zog die WGL 1986 in den Rat ein. „Die damaligen Ratsparteien waren wenig erfreut darüber, dass wir auf der Bildfläche erschienen“, sagte Landzettel schmunzelnd. Das zeigen auch Anekdoten, die er immer wieder gern zum Besten gibt: „Gleich zu Beginn meinte ein Altgenosse zu uns: ‚Euch wird es höchstens ein Jahr lang geben.‘ Der hat sich gründlich geirrt.“ Und: „Nach einer Sitzung stapfte der damalige Bauamtsleiter aus dem Raum und schimpfte vor sich hin: ‚Scheiß WGL.‘“

Dass sich die Meinung über die Gruppe geändert hat, zeigte das Grußwort von Andreas Brandt: „Anstöße, die die WGL gab, spiegeln sich im einen oder anderen Beschluss.“ Die Arbeitsweise der Gruppe gefällt dem Bürgermeister besonders: „Was ich an eurer Arbeit bewundere, ist, dass ihr euch mit vielen Dingen sachlich und fachlich auseinander setzt, bevor ihr Forderungen und Anträge stellt, und auch das persönliche Gespräch sucht.“ Er sehe sich die Ideen und Anregungen der WGL immer im Hinblick darauf genau an, was sich umsetzen lasse. Dennoch: „Alles wird sicher nicht zu realisieren sein; beim Thema Abwasser werden wir uns wohl nicht einig werden.“

Der gemütliche Teil stand an, mit Musik von Michael Schmitz und dem Auftritt des Schauspielers Benedikt Vermeer aus dem Literaturkeller Bremen. Letzterer unterhielt humorvoll mit seinem sozialkritischen Programm aus dem Repertoire von Wilhelm Busch, Kurt Tucholsky und Eugen Roth.

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