Bebauungspläne in Langwedel

Vorschriftsmäßige „Aufreger“

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Im Ortskern von Etelsen, in Sichtweite der Etelser Windmühle, gibt es keinen Bebauungsplan. Was zulässig ist, richtet sich dementsprechend danach, wie es sich in die Umgebung einfügt.

Langwedel - Von Lisa Duncan. Schönheit liegt im Auge des Betrachters – das gilt auch für Häuser, die je nach Geschmack des Bauherrn mit üppigen Verzierungen, bunten Fassaden oder besonderen Höhen auffallen und sich in Einzelfällen sichtbar von der Umgebung abheben. Der Flecken Langwedel macht seinen potentiellen Häuslebauer relativ wenige Vorgaben in der Gestaltung ihres Eigenheims. Bebauungspläne existieren laut dem stellvertretenden Bauamtsleiter Thorsten Alt nur für einen geringen Teil des Gemeindegebiets. Ganz zu schweigen von einer Gestaltungssatzung, die noch deutlichere Vorgaben ermöglicht.

Nur in drei Gebieten, am Paschkeberg, in Holtebüttel-Dahlbrügge und der Dorfstraße beim Schlossgarten Etelsen gibt es überhaupt solche örtlichen Bauvorschriften über die Gestaltung. Die letzte Gestaltungssatzung, die die Fleckenverwaltung im Bebauungsplan festgelegt hat, stammt aus dem Jahr 2007 und umfasst das Gebiet Schlosspark. „Aufgrund der Nähe zum Schloss will man dort zum Beispiel keine Häuser mit blauen Dachziegeln haben“, begründet Alt diese Spezifizierung.

Grundsätzlich sollte man immer begründen können, warum bestimmte Straßenzüge eine Gestaltungssatzung brauchten. Denn, wie bei der Aufstellung eines Bebauungsplans, muss es zunächst eine politische Mehrheit dafür geben.

Doch selbst bei einer Gestaltungssatzung liegt der Teufel im Detail: „Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass die Gemeinde etwas verbieten könnte“, sagt Bürgermeister Andreas Brandt. Im Wesentlichen könne eine Gestaltungssatzung nichts ausschließen, sondern nur vorgeben, was erlaubt ist.

Das umfasst zum Beispiel Parameter zur Dachform, -neigung, -material, sowie zu Gestaltung und Farbton der Fassade. „Dabei reicht es nicht aus, ‘Rot’ zu schreiben. Die Farbtöne sind mit RAL-Bezeichnung angegeben“, so Thorsten Alt. Das sind weltweit eingesetzte Farbsysteme und Farbkataloge, die jeweils eine Palette von normierten Farben umfassen. Dabei ist jeder Farbe eine eindeutige Nummer zugeordnet. Am Paschkeberg umfasst es beispielsweise je zwei Farbnuancen von Weiß, Braun und Rot.

Eine Ausnahme von der Regel, alles positiv festlegen zu müssen, findet sich ebenfalls: Baumaterialien wie Metall schließt die Gestaltungssatzung am Schlossgarten aus.

Bebauungspläne sind ebenfalls nur für einen Bruchteil der Fläche des Fleckens Langwedel festgelegt. „Daraus ergibt sich, was dort zulässig ist. Das wird aber nur gemacht, wenn es städtebaulich erforderlich ist“, sagt Thorsten Alt. In seinem Büro hängt eine Karte des Ortes, auf der in Orange eingezeichnet ist, welche Bereiche mit einem B-Plan versehen sind. Sie ist größtenteils weiß.

Ein Bebauungsplan, der sich auf das Baugesetzbuch und die Baunutzungsverordnung stützt, enthält beispielsweise Festlegungen wie „WA“ (allgemeines Wohngebiet). Wo Zahlen angegeben sind, handelt es sich um Maximalwerte, das heißt, sie könnten grundsätzlich auch unterschritten werden.

Mit römischen Ziffern ist die Anzahl der „Vollgeschosse“ angegeben. Römisch II heißt, dass ein zweistöckiges Haus, zuzüglich Dachgeschoss, erlaubt ist. Letzteres zähle wegen der Schrägen nämlich nur als halbes Geschoss und sei daher zulässig, so Alt. Zudem enthält der B-Plan Angaben über das Maß der baulichen Nutzung. Ein Beispiel: Das Grundstück, auf dem das Langwedeler Rathaus steht, darf zu 40 Prozent bebaut werden. Ein B-Plan kann neben den Maximalwerten auch textliche Festsetzungen enthalten, zum Beispiel, wenn man Lärm- oder Geruchsemissionen deckeln will. Auch Abstände zum nächsten Grundstück legt der B-Plan fest.

Nun ist es aber nicht so, dass Bauherren in Bereichen ohne B-Plan völlig freie Hand haben. Handelt es sich um ein Grundstück im Innenbereich, also einen im Zusammenhang bebauten Ortsteil, muss sich das Haus in die nähere Umgebung einfügen.

Bauvorhaben im Außenbereich seien nur zulässig, wenn öffentliche Belange nicht entgegenstehen. Diese definiert der Flächennutzungsplan. Die übliche und erwünschte Bebauung in den Außenbereichen sind etwa Mastställe oder Biogasanlagen. Wer dort auch noch wohnen will, muss es gesondert begründen. „Das soll der Zersiedelung der Landschaft entgegenwirken“, erklärt Alt.

Fazit: „Wenn man alle diese Vorgaben einhält, darf man bauen, was man möchte. Man hat einen Anspruch darauf“, betont Thorsten Alt.

Natürlich vorausgesetzt, das Bauvorhaben bewegt sich innerhalb des übergeordneten gesetzlichen Rahmens. Das prüft zunächst die Gemeinde, und anschließend noch einmal die Bauaufsicht des Landkreises Verden. Letztere sei auch zuständig, wenn sich im Laufe eines Bauprojekts herausstellen sollte, dass es nicht gesetzeskonform ist, so Alt.

Die Frage „Will man Bauherren so sehr einschränken?“ müsse sich jede Gemeinde stellen. „Die Bürger sollen sich auch verwirklichen können“, räumt Alt ein. So bevorzugen momentan viele Bauherren Stadtvillen. Im Ergebnis sieht man den Häusern vielleicht an, aus welchem Jahrzehnt sie stammen, denn auch Bauvorhaben richten sich nach der Mode.

Übrigens: Alle Bebauungspläne des Fleckens Langwedel sind öffentlich zugänglich und können von Bürgern während der Öffnungszeiten des Rathauses im Bauamt (Zimmer 23) eingesehen werden.

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