Von der Kollegin zur Vorgesetzten

Dunja Röttjer ist neue Leiterin des Fachbereichs Finanzen in Langwedel

Von der Stellvertreterin zur Kämmerin: Dunja Röttjer. Die leicht aus der Zeit gefallene Rechenmaschine mit Abreißzettel zählt übrigens immer noch zu ihren täglichen Arbeitsgeräten – „um Zwischenbeträge parallel zu berechnen, ist das ganz nützlich, das hier eben einzutippen“, sagt die Langwedelerin.
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Von der Stellvertreterin zur Kämmerin: Dunja Röttjer. Die leicht aus der Zeit gefallene Rechenmaschine mit Abreißzettel zählt übrigens immer noch zu ihren täglichen Arbeitsgeräten – „um Zwischenbeträge parallel zu berechnen, ist das ganz nützlich, das hier eben einzutippen“, sagt die Langwedelerin.

Langwedel – Erstmals hat der Flecken Langwedel mit Dunja Röttjer eine weibliche Fachbereichsleiterin – und dazu noch als Kämmerin der Gemeinde in einem der wichtigsten Ämter. Die 49-Jährige, die im April ihr neues Büro bezogen hat, ist nicht die einzige weibliche Kämmerin im Landkreis, sondern befindet sich mit ihren Amtskolleginnen in Oyten und Thedinghausen sowie einer Stellvertreterin in Verden in guter Gesellschaft.

„Mal sehen, wie das mit den Männern hier so wird“, scherzt sie. Seit 2016 war sie Stellvertreterin ihres Vorgängers Uwe Fahrenholz und hatte entsprechend viel Zeit, um sich auf die neue Rolle vorzubereiten.

Als Nachfolgerin von Fahrenholz, der von 2000 bis 2020 Kämmerer der Gemeinde war, sieht sich Dunja Röttjer in ganz große Fußstapfen treten. „Er war ein absolut akribischer Arbeiter“, sagt sie über den Mann, der in Gemeinderatssitzungen kaum Fragen offenließ und alles sehr sachlich vortrug.

„Da schätze ich mich schon etwas emotionaler ein“, sagt die Kämmerin. Aufregen könne sie sich beispielsweise darüber, wenn die ehrenamtlichen Kommunalpolitiker mit ihren Beschlüssen über die Haushaltslage hinweggehen.

Die gebürtige Etelserin absolvierte von 1989 bis 1991 ihre Ausbildung im Rathaus Langwedel. Diese konnte sie auf zwei Jahre verkürzen, weil sie zuvor an den Berufsbildenden Schulen (BBS) Verden die Berufsfachschule Wirtschaft, Fachrichtung Verwaltung, belegt hatte. Dass sie diese Berufslaufbahn überhaupt ergriff, führt sie auf die eingeschränkten Wahlmöglichkeiten auf dem Land zurück.

Nach der Schule sei ihr nur klar gewesen, dass sie nichts Handwerkliches machen wollte, sondern „irgendwie ins Büro“. Zudem habe sie als Bewerberin aus Langwedel einen Ortsbonus gehabt, glaubt Röttjer. Die räumliche Nähe kam auch der jungen Frau entgegen, die damals noch kein eigenes Auto hatte.

In der Kämmerei fing sie direkt nach der Ausbildung 1991 an und war zunächst für die Gemeindekasse und das Steueramt tätig, zunächst als Elternzeitvertretung, dann dauerhaft. „Ich war für Grundsteuer, Hunde- und Vergnügungssteuer, also alles außer Gewerbesteuer, zuständig.“

Nicht, dass sich Dunja Röttjer als ausgesprochener Zahlenmensch versteht: „Eigentlich gar nicht. Ich war auch nicht gut in Mathe“, sagt sie. „Aber mit den Kollegen in der Abteilung waren und sind wir einfach ein gutes Team“, erklärt Röttjer auch rückblickend ihre Begeisterung für die Kämmerei.

Nebenberuflich – unter anderem an den Wochenenden – bildete sie sich in einem Fernlehrgang fort: Von 1995 bis 1997 absolvierte sie den Angestellten-Lehrgang II.

1997 war für die Langwedeler Kämmerei ein besonders schweres Jahr: Kämmerer Heino Hasselhoff wurde suspendiert, weil er sich mit Geld aus der Gemeindekasse mittels Dax-Optionen verspekuliert hatte. In der Folge war das Amt des Kämmerers von 1997 bis 2000 nicht besetzt. „Zu diesem Zeitpunkt war ich schon schwanger, deshalb kam das damals für mich nicht infrage.“

Später stieg Dunja Röttjer schrittweise wieder ein. Dabei habe sich der Flecken sehr kulant mit den Arbeitszeiten gezeigt.

2010 kam mit der Umstellung der Haushaltspläne von der Kameralistik auf die Doppik auf alle Gemeindeverwaltungen viel Mehrarbeit zu. „Das hat ein bisschen genervt. Aber wenn irgendwann der Groschen fällt, ist alles logisch“, stellt Röttjer fest.

Grundsätzlich gestalteten sich die Finanzen der Gemeinde Langwedel aufgrund ihrer Struktur überschaubar. „Zum Beispiel haben wir so gut wie keine Eigenbetriebe so wie Ottersberg mit der Breitbandgesellschaft BIN und dem Elektrizitäts-Werk.“ Auch kreisweite Beteiligungen beschränkten sich auf die Kreisbaugesellschaft, die Energieagentur KleVer und die Mittelweser-Touristik.

Noch einen Vorteil sieht Röttjer in ihrem Fachbereich: „In der Kämmerei läuft zwar alles zusammen, aber ich habe nicht so eine Außenwirkung wie beispielsweise Bauamtsleiter Bernhard Goldmann. Hier ist jedenfalls noch nie ein Bürger vorbeigekommen und wollte den Haushaltsplan einsehen.“

Gerade saß Dunja Röttjer am Jahresabschluss 2020, den sie am 10. Juni zuerst dem Finanzausschuss der Gemeinde präsentieren wird. „Da kristallisiert sich schon einiges heraus.“ Das Jahresergebnis wird um rund 580 000 Euro besser ausfallen, als ursprünglich geplant, obwohl die Gemeinde bedingt durch die Corona-Pandemie und ihre Folgen weniger Einnahmen bei der Einkommens- und der Gewerbesteuer zu verzeichnen hat. Aber die Gemeinde hat unter anderem den Abriss der alten Oberschule hinter sich gebracht – und ehemalige Spielplätze als Wohnbaugrundstücke verkauft.

Seitdem Dunja Röttjer Anfang April von der Stellvertreterin zur Fachbereichsleiterin gewechselt ist, arbeitet sie in Vollzeit.

Viel befremdlicher findet Röttjer, die zugleich dem Personalrat im Rathaus vorsteht, dass sie nun plötzlich nicht mehr normale Kollegin, sondern Vorgesetzte ist.

„Ich gehe gerne durch den Flur und rede mit den Kollegen. Ich bin offen und ehrlich, deshalb haben die Leute mich wohl gewählt.“ Dafür ist künftig weniger Zeit. Bis zur nächsten Wahl des Personalrats 2024 möchte Dunja Röttjer zwei Jobs parallel machen.

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