Eine Reise durch Ostpreußens Vergangenheit und Gegenwart weckt Sehnsüchte

Versunkenes und Bewahrtes in traumhaften Bildern

Mehr als gut besucht war die Dia-Multivisionsshow über Ostpreußen mit Roland Marske, zu der man im Rahmen der Langwedeler Kulturtage in den Bürgersaal des Langwedeler Rathauses eingeladen hatte. - Foto: Hustedt

Langwedel - Aus Berlin kam der Fotojournalist Roland Marske, um im Bürgersaal des Rathauses eine sehenswerte Dia-Multi-Visionshow über Ostpreußen zu zeigen. Im Rahmen der Langwedeler Kulturtage hatten der Langwedel Kulturverein und der „Verein für Kultur und Geschichte Daverden“ eingeladen.

Die Stuhlreihen im Bürgersaal waren gut gefüllt, vor allem von älteren Mitbürgern. Bei der Begrüßung fragte Bürgermeister Andreas Brandt, wer denn schon im früheren Ostpreußen gewesen sei. Viele Hände wurden gehoben. Auch auf die Frage, wer denn in Ostpreußen geboren ist, gab es auch eine stattliche Anzahl von Handzeichen.

Roland Marske nun hatte über ein halbes Jahrhundert nach Ende des Zweiten Weltkriegs die einst östlichste Provinz Deutschlands besucht. Seine Reise führte von Danzig über das Ermland und Masuren bis nach Königsberg und zur kurischen Nehrung.

Er habe sich verliebt in die melancholische und romantische Gegend im alten Ostpreußen. „Wenn da nicht die Milliarden von Mücken gewesen wären“, seufzte Marske, der auch mit dem Paddelboot unterwegs gewesen war.

Im ersten Teil widmete er sich dem südlichen Teil des alten Ostpreußen, der heute zu Polen gehört. Von Danzig an der Marienburg vorbei ging es in das Ermland. Von dort zeigte er Fotos vom 81 Kilometer langen Oberlandkanal, der ohne Schleusen einen Höhenunterschied von 100 Metern überwindet. Weiter führte die Reise nach Nikolaiken am Spirdingsee, einer touristischen Hochburg. Marske zeigte die restaurierte Wallfahrtskirche Heiligenlinde und die Wolfsschanze bei Rastenburg.

Nach einer Pause widmete er sich dann dem nördlichen Teil von Ostpreußen, der heute zu Russland gehört.

Die Bilder von Armut und Verfall schockten die Besucher, auf Roland Marskes Bildern war ein krasser Unterschied zwischen dem polnischen und dem russischen Teil Ostpreußens zu sehen. In letzterem sind viele alte Gebäude verfallen oder heruntergekommen. Besonders schlimm sieht es in der alten Hauptstadt Königsberg aus, in der natürlich auch als Folge des Krieges kaum ein altes Gebäude stehen blieb. Die Stadt von Kopernikus und Kant ist eine gesichtslose Stadt geworden. Aber auch das Hinterland mit dem Trakehnergestüt ist verwahrlost. Dort haben sich viele Russlanddeutsche angesiedelt, die aber kein Geld haben, um die Bausubstanz zu erhalten.

Die Reise ging in die Bernstadtstadt Palmnicken und nach Rauschen. Lediglich an der kurischen Nehrung und der Ostsee beim Ostseebad Cranz im Samland gibt es touristische Anfänge.

Roland Marske hat in seiner Reise in die Vergangenheit Zerstörtes und Versunkenes gefunden, aber auch mühsam Bewahrtes und liebevoll Restauriertes wie in Masuren. Er sprach mit den Menschen unterwegs, die bei ihren Erinnerungen Tränen in den Augen hatten.

Marske hat sich nach eigenen Worten faszinieren lassen von der Landschaft Ostpreußens, die noch immer so schön ist, wie sie in unzähligen Gedichten beschrieben wird. Seine Bilder sind einfühlsame Begegnungen mit Ostpreußen, die Erinnerungen lebendig werden lassen und Sehnsucht weckt, auch die Gegenwart des Landes kennen zu lernen. Das ist bei den traumhaften Bildern aus dem Land der dunklen Wälder und kristallenen Seen bestens gelungen.

Roland Marske ist im Winterhalbjahr auf Vortragsreisen unterwegs, so hat er bis jetzt 120 Multivisionsshows über die schönsten und interessantesten Regionen der Erde gezeigt. Zum Schluss bedankte sich Theda Henken, die Vorsitzende des Daverdener Kulturvereins, für diesen interessanten Abend mit vielen Informationen. - hu

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