Bohrschlammgrube soll noch in diesem Jahr auf Schadstoffe untersucht werden

Im vermeintlichen Biotop riecht es deutlich nach Öl

Es sieht auf den ersten Blick nach Natur aus, unter dem Röhricht befindet sich aber alter Bohrschlamm. Ob davon eine Gefahr für die Umwelt ausgeht, will der Landkreis jetzt untersuchen lassen. - Fotos: Wenck

Lindholz - Ende der 60-er Jahr herrschte in der Bundesrepublik fast so etwas wie ein Ölboom. Nie wieder wurde in der Republik so viel Erdöl gefordert, die Nachfrage war groß und überall, wo Hoffnung bestand, wurde nach Öl gebohrt. Der dabei anfallende Bohrschlamm wurde damals einfach in offen Gruben eingelagert. Im November 2014 stellte der NDR in einem Bericht die Frage: „Tickt da eine ökologische Zeitbombe?“

Allerdings steht und stand man in den vergangenen zwei Jahren, seit das Thema aufkam, auch immer erst einmal vor einer weiteren Frage: Wo sind denn diese Öl- und Bohrschlammgruben überhaupt? Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) hat die Deponien zwar vor Jahrzehnten genehmigt, die Standorte auch auf seinem Kartenserver veröffentlicht – allerdings stimmen nicht alle Standorte der von Bürgern dem Landkreis Verden gemeldeten Gruben mit den Daten des LBEG überein. Manchmal sind die Gruben vor Ort gar nicht mehr auszumachen, nach Recherchen der Kreisverwaltung ist an mancherorts auch nie Ölschlamm abgelagert worden.

Eine einzige Deponie allerdings hat man im Landkreis Verden ausmachen können und zwar im Flecken Langwedel, in Lindholz. Durchaus ein Stück abseits der Straße und der Wohnbebauung: die Bohrschlammgrube „Schaphusen Z1“.

Ganz sicher hing an dieser Stelle mal ein Schild – wahrscheinlich mit einem Warnhinweis auf die Bohrschlammgrube.

Besagte Grube wurde 1969 mit Zustimmung des Landkreises vom Bergamt zugelassen. Heute stehen rund um die Grube Bäume, innerhalb des Grubenwalls ist die Oberfläche „mit Röhricht bewachsen, wodurch der Eindruck entstanden ist, es handele sich um ein Biotop“, so der Fachdienst Wasser, Abfall und Naturschutz des Landkreises.

Es ist aber mitnichten ein Biotop. Bäume wachsen auf der Fläche nicht wirklich, würden hier auch keinen Halt finden.

Nach Informationen des Landkreises geht man davon aus, dass in Lindholz auf einer Fläche von circa 4000 m² etwa 5000 m³ Bohrschlamm eingelagert wurden. „Daran wird deutlich, dass der Schlamm mehrerer Bohrungen hierher verbracht wurde“, so der Fachdienst.

Der Schlamm ist unter dem Wurzelwerk des Röhrichts auch noch zu finden. „Der Schlamm, eine graue pastöse Masse, riecht deutlich nach Öl... Die Frage, ob und in welchem Maße ein Schadstoffaustrag über den Sickerwasserpfad stattfindet oder die Schadstoffe im Bohrschlamm zurückgehalten werden, kann bisher nicht beantwortet werden. Brauchbare Informationen zum Gefährdungspotential für Boden und Gewässer liegen nicht vor“, heißt es in einer Beschlussvorlage für den Ausschuss für Wasser-, Energie- und Abfallwirtschaft, den Kreisausschuss und den Kreistag.

Hier hat man sich mit der Frage zu beschäftigen, ob man in diesem Jahr die Bohrschlammgrube in Lindholz untersuchen lassen will und dafür die entsprechenden Haushaltsmittel bereit stellen wird. Erleichtert wird diese Entscheidung durch einen Vergleichsvertrag, den das Land Niedersachsen mit dem Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) geschlossen hat. Durch diesen Vertrag kommen die Behörden vor Ort an Fördermittel für die Untersuchung ehemaliger Öl- und Bohrschlammgruben.

Im Fall Lindholz/Schaphusen Z1 rechnet man mit Untersuchungskosten von circa 20.000 Euro. Der Landkreis hätte hiervon 20 Prozent, also 4000 Euro zu tragen. Der Ausschuss für Wasser-, Energie- und Abfall empfahl einstimmig, diese 4000 Euro in den Kreishaushalt einzustellen, damit die Untersuchungen in Lindholz noch in diesem Jahr laufen können.

Im Landkreis Rotenburg ist man nach einer ersten großen Aufregung schon ein Stück weiter. Hier stellte man im vergangenen Jahr nach Untersuchung der beiden Gruben von „Kallmoor Z1“ nördlich von Stemmen fest, dass „keine relevanten Schadstoff-Gehalte nachweisbar“ sind. Die Gruben waren und sind dicht, weder in der Luft noch im Grundwasser fand man Schadstoffe. Weitere Maßnahmen hielt man nicht für erforderlich.

Sollte man mit den betroffenen Flächen allerdings irgendwann mal etwas anderes anfangen wollen, als sie einfach so da liegen zu lassen, dann würde eine Bodenabtrag und eine fachgerechte Entsorgung fällig, so die Rotenburger Gutachter.  

jw

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