Prof. Dr. Armin Schöne stellte seine Bücher zur Regionalgeschichte vor

„Wer Langwedel besaß, beherrschte das Land“

+
Im Anschluss gab es die Möglichkeit, die Bücher zu kaufen und signieren zu lassen. 

Verden - Einen Einblick in rund 600 Jahre Regionalgeschichte um Langwedel und Bremen gab Prof. Dr. Armin Schöne am Dienstagabend in der Stadtbibliothek. Er stellte seine Bücher „Geistliche und weltliche Herrschaft im Alten Reich“ und „Vom Westfälischen Frieden bis zum Wiener Kongress“ vor.

Viele regionalgeschichtlich interessierte Besucher waren gekommen und nicht wenige nutzten die Gelegenheit, am Ende der Veranstaltung die Bücher zu erwerben und sich auch gleich vom Autor signieren zu lassen.

„Im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit bauten die Erzbischöfe von Bremen als geistliche Fürsten ihre Stellung als Landesherren aus“, berichtete Schöne. Zwar stärkten neue Reichsgesetze ihre Stellung, sie stießen aber auf den Widerstand der Stadt Bremen, des regionalen Adels, des Bremer und Hamburger Domkapitels als Wahlgremien und benachbarter Landesherren.

Zwischen Bremen und Verden konnten die Bremer Erzbischöfe ihre Landesherrschaft erst allmählich im 13. Jahrhundert gegen den Widerstand der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg und der Grafen von Hoya festigen. Entscheidend dabei war der Bau der Burg Langwedel. „Selbst Bremen kam an Langwedel nicht vorbei. Wer damals Langwedel besaß, beherrschte das Land“, erklärte Schöne. Er zeigte eine Karte, auf der die alte Festung gut zu erkennen ist. Vor der eigentlichen Burg befand sich eine Vorfestung. Die ganze Anlage wurde von einem Graben gesäumt, der vom Mühlenbach gespeist wurde.

Ihren Unterhalt, ihre Verwaltung, ihre Kriege konnten die Erzbischöfe beinahe nur aus persönlichen Einkünften, aus „Tafelgütern“ und „Immunitäten“, bestreiten. Ihr „Haus und Amt Langwedel“ verwaltete die Güter zwischen Weser, Wümme und Lesum. In unterschiedlichen Belangen waren hierbei die Stadt Bremen und das Amt Langwedel voneinander abhängig. „Mit Beginn der frühen Neuzeit wurde Grundeigentum nach Meierrecht verpachtet“, so Schöne. Bauern pachteten die kleineren Grundstücke. Im Kampf um die erzbischöfliche Residenz und Festung Langwedel prallten auch große Heerscharen aufeinander, besonders im Dreißigjährigen Krieg. Mit diesem Krieg bekam das bisherige Erzstift Bremen zunächst das damals mächtige Königreich Schweden als weltlichen Landesherrn. Die in Münster und Osnabrück geschlossenen Friedensverträge, der „Westfälische Friede“, beendeten 1648 den Dreißigjährigen Krieg.

In seinem zweiten Buch beschreibt Schöne die europäische Machtpolitik vom „Westfälischen Frieden“ bis zum von 1814 bis 1815 stattfindenden Wiener Kongress. „Der Westfälische Friede brachte Veränderungen in den Strukturen des Reiches, auch die Herrschaft der Erzbischöfe von Bremen endete“, berichtete der Autor. Kaiser und Reichsfürsten, Schweden, Frankreich und Dänemark führten überall in Deutschland Krieg. Zuletzt wurden das Erzstift Bremen und das Hochstift Verden den Königen von Schweden als weltliche Reichsfürstentümer zugesprochen. Die Zukunft der Stadt Bremen war unbestimmt. Königin Christina vergab in ihren Herzogtümern viele Donationen (Schenkungen) an ihre Günstlinge. „Besonders Hans Christoffer von Königsmarck, Generalgouverneur der Herzogtümer Bremen und Verden, kam üppig weg“, weiß Schöne. Bis 1675 bauten die Schweden die Festung Langwedel weiter um- und aus, machten sie zur „zentralen Mitte“ ihrer Regierung. 1675 bis 1680 erfolgte die „Reichsexekution“, die Herzogtümer Bremen und Verden wurden von allen Seiten angegriffen. 1679 bis -80 gelang es Schweden, mit Hilfe Frankreichs große Teile der Herzogtümer zurückzubekommen. Um 1700 war Karl XII von Schweden in den großen nordischen Krieg verwickelt, der bis 1720 dauerte. Aus dem Amt Langwedel wurde um 1700 die königliche Intendantur mit dem Sitz in der Stadt Bremen. Kriege zwischen dem Reich, seinen Fürstentümern und wechselnden Koalitionen europäischer Staaten, so Schweden, Dänemark, Großbritannien, Frankreich und Russland, prägten diese Entwicklung.

Auf Schweden und das münstersche Interregnum folgten nach der Personalunion von Hannover und Großbritannien die Welfen. In den napoleonischen Kriegen ging das Alte Reich unter. Nordwestdeutschland gehörte nun zum Kaiserreich Frankreich.

Die Französische Revolution sorgte für einen Umsturz der politischen Verhältnisse in ganz Europa. Beim Wiener Kongress wurde Bremen 1815 als Mitgliedsstaat im neu gegründeten „Deutschen Bund“ aufgenommen. Zu diesem Bund souveräner Staaten auf großdeutschem Boden gehörten zudem das Königreich Hannover unter Personalunion mit Großbritannien. 

ahk

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Deichbrand-Festival: Party am Freitag

Deichbrand-Festival: Party am Freitag

Fotostrecke: Werder verliert Testkick gegen Köln

Fotostrecke: Werder verliert Testkick gegen Köln

Deichbrand Festival am Freitag: Beste Stimmung unter den Festivalisten

Deichbrand Festival am Freitag: Beste Stimmung unter den Festivalisten

Der Werder-Zillertal-Freitag

Der Werder-Zillertal-Freitag

Meistgelesene Artikel

Weißes Pulver löst Gefahrgut-Einsätze in Kreisverwaltung und Sparkasse aus

Weißes Pulver löst Gefahrgut-Einsätze in Kreisverwaltung und Sparkasse aus

Weißes Pulver an vier Orten in Verden und Thedinghausen

Weißes Pulver an vier Orten in Verden und Thedinghausen

Mähdrescher geht bei Thedinghausen in Flammen auf

Mähdrescher geht bei Thedinghausen in Flammen auf

Haus nach Feuer in Wahnebergen unbewohnbar

Haus nach Feuer in Wahnebergen unbewohnbar

Kommentare