Veranstaltung des Kulturvereins stößt auf großes Interesse / Konflikte damals gelöst

Als Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg hier stranden

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Zahlreiche Besucher verfolgten die Vorträge zum Thema Flucht und Vertreibung.

Langwedel - Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg waren Thema einer sehr gut besuchten Veranstaltung des Langwedeler Kulturvereins. Viele, die selbst die ersten Nachkriegsjahre miterlebt hatten oder geflüchtet waren, fanden sich am Sonntagnachmittag im Gasthaus Klenke ein.

Vorsitzender Rolf Göbbert erzählte von seiner Reise in die Heimat seiner Vorfahren mütterlicherseits vor einem Jahr. Seine Großeltern Adolf und Marianne Sy-manczyk lebten in Suwalki, das seit 1919 zu Polen gehörte und nur von 1939 bis 1945 unter deutscher Besatzung stand. Er zeigte Bilder aus deren Dorf, auch von „Schwarzbunten“, die als Milch- und Fleischkühe gehalten wurden und Kaltblutpferden, die damals reine Arbeitspferde waren. Göbbert erinnerte daran, dass seine Großeltern im Ersten Weltkrieg nach Russland verschleppt wurden und wie viele aus den Randgebieten später nach Suwalki zurückkamen und dort zunächst in Erdhöhlen leben mussten. Erst später konnten sie ihre kleinen Höfe wieder aufbauen.

1944 flüchteten die Sy-manczyks und landeten in Ahnebergen. Als das Amt für Agrarstruktur Bauflächen an landwirtschaftlich uninteressanten Standorten auswies, entstanden Baugebiete zu günstigen Preisen wie in den Sandbergen in Nindorf und Förth oder im Ostpreußenviertel Daverdens. Das Amt vergab aber auch Kredite, so dass der Hausbau ermöglicht wurde. So ließen sich die Sy-manczyks in Langwedel-Förth nieder. Dort wohnten sie wie viele andere Flüchtlinge zunächst in einer Baracke, bevor das kleine Haus gebaut wurde. Tochter Helene lernte 1960 Ernst Göbbert kennen, nach der Eheschließung wurde Sohn Rolf 1964 geboren.

Über das Schicksal der Flüchtlinge, die in Daverden gelandet waren, sprach Harald Gerken, der in Daverden aufwuchs und heute in Achim wohnt. Er erinnerte auch an die Bessarabien-Deutschen, die im Sommer 1940 größtenteils nach Westpreußen umgesiedelt worden waren und später dann erneut fliehen mussten und auch nach Daverden kamen. Gerken vergaß aber auch nicht die vielen Ausgebombten in Bremen und Hamburg, von denen einige ebenfalls in der Wesermarsch landeten. Er erwähnte die Familie von August Birkoben, die im kalten Winter 1945 nach wochenlanger Flucht mit drei schweren Ackerwagen und insgesamt fünf Pferden in Daverden strandete. Zwei dieser Pferde wurden gleich von der Deutschen Wehrmacht eingezogen. Birkoben machte sich aber als Fuhrunternehmer selbstständig und brachte mit Pferd und Wagen Hamburger Ausgebombte zurück in die Großstadt – über die Autobahn, was damals noch möglich war.

In der anschließenden Diskussion wurde darauf hingewiesen, dass die Einwohnerzahl in der Bundesrepublik durch die Flüchtlinge und Vertriebenen um ein Viertel anwuchs. Zwischen den Einheimischen und den Flüchtlingen habe es Konflikte gegeben, räumten Redner ein, größtenteils sei es jedoch friedlich zugegangen. Schon bald bekannten sich die neuen Einwohner zur neuen Heimat, indem sie Häuser bauten und sesshaft wurden. Es folgten für alle die Zeiten des „Wirtschaftswunders“.

hu

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