„VERAH“ gegen Hausärztemangel und steigende Betreuungsanforderungen

„Anfangs hat sich mancher Patient gewundert“

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Ramona Eggers und Seda Dogru sind als „VERAH“ unterwegs, als „Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis“. Der Deutsche Hausärzteverband verspricht sich durch die Initiative eine Entlastung der Ärzte und Vorteile für die Patienten.

Langwedel - Der Mensch wird immer älter. Das ist doch schön. Auf der einen Seite. Bloß, Mensch bleibt leider nicht immer gesund bis ins hohe Alter, manche sind gar chronisch krank. Lange Rede, kurzer Sinn: Der Bedarf an medizinischer Versorgung steigt. Wenn dann noch im Hintergrund Gespenster wie „Hausärztemangel“ wabern, kann man ins Grübeln kommen. Wie der Deutsche Hausärzteverband, der verfiel als Lösung auf „VERAH“, Und die gibt es auch im Flecken Langwedel.

„VERAH“ steht für „Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis“. Wie jetzt? Wer bislang zu seinem Hausarzt seines Vertrauens marschierte, der ging doch bislang schon davon aus, auch von den „Sprechstundenhilfen“ (wie der Volksmund so gerne sagt) bestens betreut zu werden. Dieser Anspruch ist ja man auch korrekt, schließlich hat man es hier ja neben Frau oder Herrn Doktor mit medizinischem Fachangestellten zu tun. Letztere haben nun aber dank der Initiative des Hausärzteverbandes, ein gerüttelt Maß an Berufserfahrung vorausgesetzt, die Möglichkeit, sich zur „VERAH“ weiter zu bilden. Um im Anschluss dann auch Aufgaben zu übernehmen, die sonst den Ärzten vorbehalten waren.

Seda Dogru und Ramona Eggers aus der Gemeinschschaftspraxis im Kittelweg etwa brachten als medizinische Fachangestellte 15 bis 20 Jahre Berufserfahrung mit, bevor es (auch an Wochenenden) in die Fortbildung mit Theorie und Praxis ging. Selbstverständlich wurde unter anderem auch eine entsprechende Abschlussprüfung verlangt, Doru und Eggers bestanden im Juli in Hannover.

Und jetzt? Eine gute Sache sind für die beiden „VERAH“s die Hausbesuche. Ihre Befähigung dafür mussten sie zwar auch schon im praktischen Teil der Fortbildung beweisen, jetzt haben beide aber neben der Arbeit in der Praxis jeweils einen Tag in der Woche, in der sie fest für Hausbesuche eingeplant und mit dem „VERAH“-Mobil unterwegs sind.

„Am Anfang hat sich schon so mancher Patient gewundert, als ich kam“, erzählt Seda Dogru. „Aber dann haben sie von selbst gesagt: Das muss ja nicht immer ein Arzt machen.“

„Das“ sind immer wiederkehrende Versorgungen der Patientinnen und Patienten, bei den Hausbesuchen, beim Impfen, bei der Wundversorgung, beim Medikamentenmanagement. Für jeden einzelnen Fall gucken und dokumentieren Eggers und Dogru: Was braucht der Mensch, was kann man machen, was ist mit dem Arzt zu besprechen. Der übrigens sofort gerufen wird, wenn sich ein Notfall einstellt. Wenn es Menschen gibt, die keine Angehörigen haben, die sich kümmern können, wird geschaut: Wo kommt weitere Hilfe her.

Der Hausärzteverband sieht die „VERAH“s als „eine Schnittstelle zwischen Arzt, Patient und den Sozialen Netzwerken (Ambulante Pflegedienste, Sanitätshäuser, Fachärzte, Krankenhäuser, Patientenselbsthilfegruppen usw)“ an.

„Das entlastet uns Hausärzte, logisch“, erklärt Helge Hauschild, einer der fünf Mediziner in der Gemeinschaftspraxis am Kittelweg. Mit den älter werdenden Menschen steigt auch der Bedarf an Hausbesuchen... „Und wir werden ja auch nicht jünger“, schmunzelt Hauschild.

Ist klar. Aber im Ernst: Also alles Gold in Sachen „VERAH“? Für die medizinischen Fachangestellten ist es unbedingt eine Aufwertung und eine Bereicherung ihrer Arbeit.

Aber: „Man möchte manchmal schon länger mit den Patienten zusammenbleiben, mit ihnen sprechen. Aber da ist dann der Zeitplan“, findet Seda Dogru. „Da arbeiten wir aber dran, dass wir das gut und vernünftig hinkriegen“, ist Ramona Eggers zuversichtlich.

jw

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