Dauercamper zeigen Verständnis

Campingplatz Drosselhof stellt sich mit Abstand und Masken auf Saison ein

Jens Becker ist Inhaber des Campingplatzes Drosselhof. Die Gäste, bislang überwiegend Dauercamper, haben Verständnis für die Corona-Einschränkungen. Fotos: Duncan
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Jens Becker ist Inhaber des Campingplatzes Drosselhof. Die Gäste, bislang überwiegend Dauercamper, haben Verständnis für die Corona-Einschränkungen. 

Hagen-Grinden - Auf diesen ersten Ansturm war Jens Becker nicht vorbereitet: Bereits am zweiten Mai-Wochenende war in der Gastronomie auf dem Campingplatz Drosselhof in Hagen-Grinden die Hölle los. Schönwetterbedingt waren viele Tagesgäste unterwegs und machten sich über das To-Go-Angebot an Pommes, Kaltgetränken und Eis her. „Wir haben auf dem Deich Bänke aufgestellt und die Leute beliefert“, erzählt Becker. Das habe auch mal zu Wartezeiten geführt, doch die „Motzer“ hätten sich in Grenzen gehalten. „Wir sind kein Sterne-Campingplatz, aber wir können mit kleinen Dingen groß sein, wie Freundlichkeit, ein nettes Wort“, sagt Becker.

Später als sonst läuft auf dem Drosselhof die Saison an. Die Dauercamper sind bereits da, die Feriengäste kommen peu à peu: „An diesem Wochenende waren es die ersten. Normalerweise geht es am Wochenende vor Ostern los“, weiß Becker, der den Campingplatz an der Weser bei Etelsen seit 24 Jahren betreibt. Beschweren kann sich Jens Becker jedoch nicht: „Seit voriger Woche bricht mein Mail-Account auseinander und das Telefon steht nicht still.“ Von Himmelfahrt bis Ende Juni sei fast alles ausgebucht. „Wir sollen ja nur maximal halbe Kraft fahren“ – wegen Corona.“

Gäste müssen, wie überall sonst auch, anderthalb Meter Abstand wahren, für die Tische in der Gastro gelten zwei Meter. Im Sanitärbereich ist jedes zweite Waschbecken abgeklebt – gleiches gilt für die Pissoirs. Maskenpflicht besteht für Gäste bei Betreten der Sanitärbereiche und für die Servicekräfte generell. Becker hat für sich und seine sechs Mitarbeiter, darunter seine Ehefrau, Basecaps mit Acrylglas-Visier gebastelt. In den Waschhäusern und im Bistro hat Jens Becker Infoblätter aufgehängt, die die Gäste über alle Corona-Maßnahmen aufklären – und auch eine gewisse Ironie nicht vermissen lassen: „Aufgrund der Abstandsregelung haben Sie auch mehr Platz“, heißt es da. „Meine Erfahrung ist, dass die Leute auf den erhobenen Zeigefinger nur mit Ablehnung reagieren“, meint Becker, der seinen Rezeptionshund Tommy auch schon als T-Shirt-Motiv auserkoren hat, versehen mit dem Spruch: „Hä? Menschen mit Maulkorb?“ Letztlich herrsche aber allgemeine Akzeptanz.

Hände waschen? Ja, bitte, aber mit Abstand. Darum hat Becker die Sanitäranlagen entsprechend präpariert.

Der Drosselhof verfügt über 240 Stellplätze, die mit jeweils 150 Quadratmetern relativ groß sind. 120 davon sind als Dauerstellplätze deklariert. Einige Dauercamper bewohnen Haus und Hof schon – der Campingplatz hat ganzjährig geöffnet – oder bereiten sich auf den Frühling vor.

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Zum Beispiel die 35-jährige Sarah und ihr Lebenspartner Andy (29), die gerade den Schwenkgrill aufgestellt haben. „Man hat hier seine Ruhe und kommt nicht mit so vielen Leuten in Kontakt wie sonst, wenn man draußen unterwegs ist“, sagt die Verdenerin mit familiären Verbindungen nach Langwedel. Dank eigener Toilette sei die Infektionsgefahr nicht größer als anderswo, sagt Sarah, die ihren Wohnwagen seit Kurzem als Erstwohnsitz angemeldet hat. Auch Andy ist froh, mal aus seiner Dachgeschosswohnung in Bad Harzburg raus und an die frische Luft zu kommen.

Eigene Küche: Gasherd, Spüle und alles, was man sonst so braucht, gibt es in der kleinen Hütte, die sich Dauercamperin Martina Caliga gerade erst eingerichtet hat.

Martina Caliga hat den Platz mit ihrem Mann und Border-Collie-Mix Luki gerade erst übernommen. Die Bremerin ist in der Facebook-Gruppe „Camper mit Herz und Hund“ aktiv und wurde so auf den hundefreundlichen Drosselhof aufmerksam. Zur Maifeier hatte die 60-Jährige eigentlich ein „Hexentreffen“ dort veranstalten wollen. Das fiel ja nun aufgrund von Corona flach. „Aber hier ist es super, wenn man mal ein Wochenende abschalten will. Von Corona merken wir hier kaum etwas. Man hält ja automatisch Abstand“, sagt sie. Mit eigener Küche, WC und Dusche verfügt das Ehepaar auch über einigen Komfort.

„Aloha“ – wer Südsee-Feeling will, muss nicht in die Ferne schweifen. So oder ähnlich haben sich das Petra Petri und ihr Mann Bernd gedacht, die seit 24 Jahren „Schön-Wetter-Camper“ auf dem Drosselhof sind. Leider wollten die beiden nicht mit aufs Foto.

Die Achimerin Petra Petri gehört mit ihrem Mann Bernd quasi schon zum Inventar. Seit 24 Jahren, nicht jedoch im Winter, kommen sie auf den Drosselhof: „Wir sind Schön-Wetter-Camper“, sagt die 59-Jährige. Im Frühjahr bringen sie alles in Ordnung: Aufräumen, Pool reinigen, Rasen ausbessern. Petri hat eine Südsee-Ecke auf dem Platz eingerichtet, inklusive Liegestuhl, Sonnenschirm, Palmen und Flamingos. Damit werden die Petris sich vielleicht begnügen müssen – mit Urlaub in Spanien oder der Türkei rechnen sie dieses Jahr nicht. „Da ist es schön, wenn man so was hier hat“, sagt Petra Petri, und merkt an, dass sie in Corona-Zeiten ein wenig die Geselligkeit vermisst: „Kontakt zu den Nachbarn darf man ja gerade nicht haben. Das gemeinsame Sitzen fehlt, aber solange alle gesund sind, ist es gut.“

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