27-Jähriger wegen Tat in Cluvenhagen vor Gericht

Tankstellenüberfall:„Jetzt sind wir dran“

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Cluvenhagen/Verden - Von Wiebke Bruns. „Jetzt sind wir dran“, dachte sich die Pächterin der Tankstelle in Cluvenhagen als zwei maskierte Räuber vor ihr standen. Sie hatte einen Überfall befürchtet, nachdem wenige Tage zuvor ein Getränkemarkt in Etelsen und eine Tankstelle in Baden überfallen worden waren. Am 12. Februar 2016 bestätigten sich ihre Befürchtungen.

Gestern traf die 54-Jährige einen der Täter wieder. Der 27-Jährige aus Dauelsen, damals noch in Etelsen wohnhaft, muss sich wegen räuberischer Erpressung vor der 7. Großen Strafkammer des Landgerichts Verden verantworten.

In 20 Jahren war es für die Geschädigte der erste Überfall. Die Tankstelle sei bis zu der Tat immer ihre „Wohlfühlzone“ gewesen, sagte sie auf Nachfrage. Sie brauchte keine Therapie und lebt auch nicht in ständiger Angst, dennoch hat die Tat Spuren hinterlassen. So sei es ganz schlimm für sie gewesen, als sich die „Pokémon Go“-Spieler ständig bei der Tankstelle tummelten. Dennoch sei sie froh, dass der Überfall sie getroffen habe und keine ihrer Mitarbeiterinnen, sagte die 54-Jährige vor Gericht.

An jenem Morgen war sie in der Küche, hatte Brötchen für den Verkauf geschmiert. Als sie in den Verkaufsraum kam, laut Anklageschrift war es gegen 6 Uhr, richtete ein Täter eine Waffe, die sich später als Schreckschusswaffe herausstellte, in ihre Richtung, fuchtelte damit herum. „Geld her. Mehr, mehr, mehr“, habe der Räuber gefordert. Sie blieb ruhig, folgte seinen Forderungen. Der zweite Täter verhielt sich passiv, packte einige Tabakbeutel und Süßigkeiten ein. Dann verschwanden beide Männer im Schutz der Dunkelheit.

Zu dem Zeitpunkt hatte die Polizei den 27-Jährigen bereits wegen der anderen Taten im Visier. Beide Männer wurden noch am Vormittag des Tattages festgenommen. Der 27-Jährige kam am selben Tag wieder auf freien Fuß, sein 19-jähriger Mittäter in Untersuchungshaft. Anfang August wurde Letzterer zu drei Jahren Haft verurteilt. Wie er gestern in seiner Zeugenaussage berichtete, befindet er sich in Göttingen bereits seit neun Wochen im offenen Vollzug und plane, seine Fleischerlehre zu beenden.

Unrechtsbewusstsein zeigten gestern weder der Zeuge noch der Angeklagte. Während der Aussage der Zeugin grinste und gähnte der 27-Jährige. Wie er über seinen Verteidiger erklären ließ, war die Tat eine spontane Idee. Man habe sich spätabends getroffen und unterhalten. Dabei seien sie auf Geldprobleme zu sprechen gekommen und auf die Überfälle in Etelsen und Baden. Der 19-Jährige berichtete, dass er diese begangen habe. „Ich wollte auch die Tankstelle in Cluvenhagen machen“, sagte er gestern.

Die ganze Nacht zum 12. Februar hätten sie zusammengesessen und nicht geschlafen. Widersprüchlich waren die Aussagen zu Details und einem etwaigen Drogenkonsum, den der 27-Jährige behauptet. Nach der Tat seien sie wieder in seine Wohnung gegangen, hätten die Beute geteilt und sich dann erst mal Frühstück besorgt. „Dann hat meine Vermieterin geschrieben, dass etwas mit meiner Wohnung ist“, so der 19-Jährige. Als er dorthin kam, sei die Haustür aufgebrochen gewesen und von allen Seiten Polizisten gekommen.

Zu klären ist in dem Prozess, ob bei dem 27-Jährigen die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt in Betracht kommt. Schulden bei seinem Drogenlieferanten hätten ihn zu der Tat bewegt. Ein Urteil wird für Mittwoch erwartet.

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