Grillen, Gelage, Müll, illegales Baden und Drohungen

Stress am Cluvenhagener See

Sehr idyllisch, aber noch nie ein offizielles Badegewässer: der Cluvenhagener See.
+
Sehr idyllisch, aber noch nie ein offizielles Badegewässer: der Cluvenhagener See.
  • Jens Wenck
    vonJens Wenck
    schließen

Cluvenhagen – Erst wurde der See in Otterstedt wegen Blaualgen, dann der See in Stedebergen und vor Wochen der See in Blender mangels Aufsichtspersonal für den Badebetrieb geschlossen. Das Burgbad hat zwar wieder auf – aber nur unter sehr eingeschränkten Bedingungen.

Aktuell krabbeln auch die Temperaturen hier im Norden wieder in die Höhe. Und mit dem Gradzahlen steigen auch wieder die Befürchtungen in Cluvenhagen, der verträumte Baggersee unten am Lesseler Holz, ein wirklich idyllisches Fleckchen Erde könnte wieder zu einem echten „Hotspot“ werden. Von den geltenden Corona-Vorschriften abgesehen – das Baden ist hier vonseiten des Eigentümers hier schon seit Jahrzehnten verboten ist.

Die Probleme am See in Cluvenhagen sind auch nicht wirklich neu. In jedem heißen und vor allem trockenen Sommer rechnet die Feuerwehr mit allem. Am See wird nicht nur geraucht, sondern immer wieder auch munter gegrillt. Brandgefahr? Wird ignoriert. Müll, teilweise sogar Glasscherben? Wird liegen gelassen.

Die Konflikte zwischen Freizeitnutzung und Naturschutz (unter den hat der Landkreis Verden ein ganzes Gebiet gestellt, zu dem auch der See gehört) sind vielfältig. Nach der Beobachtung von Anwohnern, Polizei und Behörden aber in Zeiten der Corona-Pandemie aber womöglich noch größer als sonst.

Die Freibäder haben in diesem Sommer überall, wenn überhaupt, nur eingeschränkt geöffnet. Das wird sich auch nicht mehr ändern. Wo also sollen die Menschen hin?

Der beliebte See, das Gebiet drumherum sind kein öffentliches Badegewässer. Es handelt sich von jeher um ein Privatgelände, das wie erwähnt vom Landkreis Verden als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen wurde. Folglich gilt auch eine entsprechende Verordnung, durch die „der Lebensraum für eine Vielzahl bedrohter Tier- und Pflanzenarten sowie die Seltenheit, Eigenart und Schönheit dieses Gebiets geschützt“ werden soll, enthält unbeschadet sonstiger gesetzlicher Ver- und Gebote 31 spezielle Verbote von allen Handlungen, die dem Schutzzweck zuwiderlaufen. Außerdem wird der See als Fischgewässer genutzt.

Ungeachtet dessen zieht es bei schönem Sommerwetter immer mehr Menschen, von denen viele monatelang wegen Corona auch mit den Kindern zuhause bleiben mussten, an den See.

Damit steige aber nicht nur die Zahl und häufig leider auch Ausdauer, Alkoholkonsum und Aggressivität der Besucher, sondern auch in erheblichem Maße die Menge an Müll, Lärm, Fäkalien, Scherben, schildert ein Cluvenhagener die von ihm in diesem Jahr während der ersten warmen Tage nach Ende des Lockdowns beobachtete Situation. „Ich habe miterlebt, wie Kinder vom Schullandheim den Hang runter in den See gelaufen sind und ein kleiner Junge sich dabei die Füße bis auf den Knochen aufgeschnitten hat, weil Idioten kaputte Bierflaschen ins Wasser geworfen hatten“, so der Mann, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte.

„Keine Rücksicht, kein Respekt, kein Benehmen, statt dessen Party und Randale bis spät in die Nacht“, klagen Anwohner, die an heißen Tagen erleben müssen, wie trotz des Verbots die Zuwegungen zum See befahren und von Dutzenden rechtswidrig abgestellten Fahrzeugen so zugeparkt, dass nicht nur die dort ansässigen Landwirte mit ihren Maschinen nicht mehr durchkommen, sondern auch Rettungsfahrzeugen und Feuerwehr im Notfall das Durchkommen nicht möglich wäre. Nun ist man in Cluvenhagen aus der Vergangenheit schon einiges gewohnt. „Die Probleme wären bei Weitem nicht so gravierend, wenn sich die Besucher an gewisse Regeln halten würden“, heißt es da. Aber Corona-Abstandsregeln, das generelle Verbot von offenem Feuer und Grillen würden nicht eingehalten, Müllentsorgung finde nicht statt, dafür Lärmbelästigung bis spät in die Nacht. „Rücksichtslos“, lautet das Urteil.

Man fühle sich schon von Politik und Verwaltung im Stich gelassen und müsste sich immer häufiger an die Polizei wenden. „Wenn wir versuchen, dem selbst Einhalt zu gebieten, werden wir oft in übelster Weise beschimpft, beleidigt und bedroht. Hausfriedensbruch, Sachbeschädigungen und Brandstiftung bis hin zu Körperverletzung sind an der Tagesordnung. So geht das nicht weiter“, empört sich ein Anwohner. Naturnahe Erholung in Maßen sei ja nicht das Problem, ausufernde Beachpartys wolle man aber nicht mehr dulden. Gut, dass die Polizei eine verstärkte Präsenz am See zugesagt habe.  jpw

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Acht Teams, acht Köpfe: Auflauf der Superstars in Lissabon

Acht Teams, acht Köpfe: Auflauf der Superstars in Lissabon

Schüsse vor Weißem Haus: Trump verlässt Pressekonferenz

Schüsse vor Weißem Haus: Trump verlässt Pressekonferenz

Corona und das Fernweh

Corona und das Fernweh

Wie fährt sich ein E-Trekkingrad?

Wie fährt sich ein E-Trekkingrad?

Meistgelesene Artikel

Deutschdeutsche Wanderung zu Pferde

Deutschdeutsche Wanderung zu Pferde

Schon 1500 Euro Spenden für Musikanlage

Schon 1500 Euro Spenden für Musikanlage

Endlich bezugsfertig

Endlich bezugsfertig

Begehrte Früchte am Wegesrand

Begehrte Früchte am Wegesrand

Kommentare