Noch eine Vorstellung

Langwedeler Kinderkulturreihe zieht auch Besucher von außerhalb an

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An der Hand von Puppenspielerin Eva Spilker saust Gespenst Kuno, das zur Freude der Kinder den Kopfabrolltrick übt, durch den Bürgersaal des Langwedeler Rathauses. 

Langwedel - Rechtzeitiges Kommen hat sich gelohnt: Wer zuerst kam, sicherte sich den besten Platz – die Kinder in der ersten Reihe, die Erwachsenen weiter hinten. Gut besucht war das Puppentheaterstück „Ach du Schreck, Tim ist weg“, zu dem der Langwedeler Kulturverein im Rahmen seiner Kinder-Kultur-Reihe eingeladen hatte. Eva Spilker vom Regenbogen-Theater begeisterte mit ihren Puppen Groß und Klein im Langwedeler Rathaus gleichermaßen. Nur, dass die Mädchen und Jungen so richtig in die Geschichte eintauchten und mitmachten.

„Schön, dass ihr da seid“, begrüßte Spilker ihr Publikum und griff zum Akkordeon. „Oben im Dachgeschoss des alten Hauses wohnen fünf Gespenster, da möchte ich heute mit euch hingehen. Habt ihr Angst?“, leitete sie das Stück ein.

Was für eine Frage: Natürlich warteten die Kinder gespannt darauf, die Gespenster kennenzulernen. Dann war es auch schon kurz vor Mitternacht, die Geisterstunde begann gleich. Also stieg Spilker schnell nach oben, so schnell es die imaginäre morsche Treppe zuließ.

Die Zuschauer kamen gerade rechtzeitig, um einen enttäuschten Gespenster-Opa zu erleben, der seine Enkelin Adelgunde fragte: „Warum spukt ihr nicht?“ Die Antwort des kecken Mädchens: „Spuken ist unmodern. Das macht man heutzutage nicht mehr, sondern man schläft nachts, weil das gesund ist.“

Um den Nachwuchs wieder auf das eigentliche Gespensterdasein zu besinnen, wünschte er sich zu seinem 500. Geburtstag, dass ihm jeder seiner drei Enkel einen Spuk vorführt. Die Zeit ist knapp, Opa feiert schon morgen seinen Jahrestag. Während Oma den Raum mit der Knochenkette – mit Knochen der Gräfin Emma – schmückte, überlegten sich die drei Jugendlichen, was sie ihrem Altvorderen zeigen wollen.

Verpetzt und verspottet

Adelgunde übte mit den jungen Zuschauern markerschütterndes Wolfsgeheul ein, Bruder Kuno brachte die Mädchen und Jungen mit seinem Kopfabrolltrick zum Lachen – Kopf und Körper sausten an der Hand von Puppenspielerin Spilker durch den Bürgersaal. Nur Tim fiel nichts ein. Dafür musste er den Spott seiner Geschwister über sich ergehen lassen.

Obendrein haute Kuno den sensiblen Kleinen, und Adelgunde verpetzte ihn. Sogar Oma verstand ihn nicht. Um sich vor Anfeindungen jedweder Art zu schützen, zwängte er sich in die Ritterrüstung. Derweil stieg Hexe Trixi im Wald auf ihren Besen. Doch der wollte nicht starten. „Du sitzt falsch herum“, riefen die Kinder. Ach so, ja. Aber auch, als sich Trixi umdrehte, verweigerte das Gerät seinen Dienst. Also begab sie sich dem Rücken des Raben Abraxas zum Haus. Dort zerstörten die beiden bei ihrer Bruchlandung die Knochenkette und suchten schnell das Weite – der Besuch des Hauses ist nämlich für Hexen verboten.

Adelgunde schob Tim die Schuld für die kaputte Kette in die Schuhe, soweit Gespenster eben Schuhe tragen. Das war zuviel für Tim. Er wollte in den Wald flüchten. „Hilf mir, ich bin zu schwer zum Fliegen“, bat er, und eine kleine Zuschauerin lief nach vorn und trug ihn in den Wald. „Du bist lieb, Dankeschön“, rief das Gespenst und fragte: „Wie heißt du denn?“ Die Antwort blieb das Mädchen schuldig, schnell lief sie wieder zu ihrem Platz.

Vertrauen zur Hexe gefasst

Hexe Trixi ärgerte sich über die Blechdose, die unten vor ihrem Baum lag. „Müll in den Wald zu werfen, gehört sich nicht“, schimpfte sie. Dann entdeckte sie Tim in der Rüstung und lud ihn nach oben auf ihren Baum ein. „Das geht nicht, ich bin zu schwer“, sagte er traurig. Doch nach und nach fasste er Vertrauen zur netten Hexe, und jedes ihrer freundlichen Worte stärkte sein Selbstvertrauen. So legte er seine Rüstung ab. „Du siehst aus wie eine weiße Wolke“, rief Trixi entzückt, als der wortwörtlich erleichterte Tim im Raum schwebte.

Zum Schluss und zu Opas Geburtstag gibt es dann ein glückliches Ende und eine mit Nacktschnecken gefüllte Spinnentorte mit Schimmelpilz und gebackenen Fliegen obendrauf. Lecker.

„Wir sind sehr zufrieden mit der Resonanz. Die Zuschauer kamen nicht nur aus Langwedel, sondern auch aus Achim und Verden. Sogar aus Bremen hat jemand angerufen. Unsere Reihe spricht sich herum“, freut sich Sigrid Ernst vom Kulturverein. Mit der Kinder-Kultur-Reihe will der Verein Mädchen und Jungen an Kultur heranführen. „Dazu sind die Wintermonate gut geeignet“, sagte Ernst. Die Reihe soll in der kommenden Saison weitergeführt werden. Doch erst einmal spielt das Ekke-Neckepen-Theater zum Saisonabschluss am Sonntag, 4. März, das Stück „(Pi)Ratten an Bord“. Beginn im Bürgersaal des Rathauses ist um 15 Uhr, Eintritt kostet fünf Euro.  

 is

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