Kitz in Holtebüttel großgezogen

Familie Lindhorst entlässt Adoptiv-Reh Fine in die Freiheit

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Auch wenn Fine sich bei Jonna Lindhorst am Ende sehr zutraulich zeigte, war klar, dass das Tier in die freie Natur zurückkehren sollte.

Holtebüttel - Von Wiebke Bruns. Ein Reh mit gelben Ohrmarken durchstreift neuerdings die Wiesen und Wälder im Bereich Holtebüttel. Dort wurde es von Familie Lindhorst großgezogen, nachdem die Mutter des Tieres am 2. Juni 2017 in Walle bei einem Wildunfall ums Leben gekommen war. Meiko Lindhorst war auf den Unfall zugekommen. Das Kitz lag neben seiner toten Mutter auf dem Asphalt.

„Ich dachte erst, dass auch das Kitz tot sei, doch es hat gelebt“, erinnert er sich. Ein dazu gerufener Jäger schätzte das Alter des Kitzes auf circa drei Wochen. Mit ihm und der Polizei kam Lindhorst überein, das Waisenkind mitzunehmen. Ein befreundeter Heidschnuckenzüchter brachte es zunächst in seinem Stall unter. Nach ein oder zwei Tagen zog es in das Einfamilienhaus der Familie Lindhorst in Holtebüttel ein.

Nicht nur die Kinder Tetje (12) und Jonna (9) waren von dem neuen tierischen Mitbewohner begeistert, sondern auch Familienhündin Abby. Reh und Hund tobten gemeinsam durch den Garten und kuschelten sich gemeinsam in einen Korb, berichtet die Familie. „Wir haben ihr den Namen Fine gegeben und wenn sie mit Abby gespielt hat, dann hatte Fine nicht mehr soviel Angst“, erinnert sich Jonna.

Erst wurde das Gäste-WC zum Rehstall umfunktioniert, dann bauten Vater und Sohn ein Gatter für das sich gut entwickelnde Kitz. Anfangs gab es alle zwei Stunden die Flasche. Schnell wurde Grünzeug gefüttert. „Spitzwegerich und Löwenzahn haben wir täglich frisch gesammelt“, berichtet Ziehmutter Katrin Lindhorst.

Wie lockt man ein Familienreh? Am besten mit Grünzeug, wie hier Tetje Lindhorst fürs Foto. Reh Fine war als Kitz nach einem Unfall in die Familie Lindhorst gekommen.

„Wir wussten gar nicht, was Rehe für Geräusche machen“, sagt sie zurückblickend. Im Internet wurde zum Thema Reh recherchiert und mit Jägern gesprochen, die schon Erfahrung mit der Auswilderung haben. „Herden lassen es zu, dass sich Ricken integrieren“, erklärt Meiko Lindhorst. Das weckte Hoffnungen.

Denn immer war klar, dass Fine irgendwann zurück in die Freiheit zurückkehren soll. Als es so weit war, spazierte die Familie gemeinsam mit ihrem Adoptiv-Reh in Richtung eines Waldes. So würde sie zurückfinden, falls es mit der Nahrungssuche nicht klappen sollte. Wehmut war dabei, doch es ging um Fines Wohl, das war auch den Kindern klar. Dennoch fiel der Abschied schwer. „Es sind aber auch Freudentränen dabei“, sagt Tetje.

Kameras wollten sie nicht dabei haben. Es sollte ein Moment nur für die Familie sein. „Es war ein sehr spannendes Jahr“, sagte Meiko Lindhorst zurückblickend. „Und wahrscheinlich etwas Einmaliges“, ergänzt seine Frau. Fine wurde, wie erwähnt, mit gelben Ohrmarken gekennzeichnet. „In der Hoffnung, dass ein Jäger sie verschont, wenn er sie vor der Flinte hat. Sie soll noch ein langes Leben haben“, sagt Katrin Lindhorst. Und Anschluss bei ihren Artgenossen hat Fine schnell gefunden. Mit zwei anderen Rehen wurde sie schon häufiger gesehen.

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