Ortsrat: Nicht nur die Halse fällt trocken

Völkersen: Sorge um den Mühlenbach

Der Mühlenbach sieht so für Laien vielleicht sehr malerisch und schön aus. Ein Urteil aus Völkersen aber lautet: trotz regnerischen Sommers nur ein klägliches Rinnsaal.
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Der Mühlenbach sieht so für Laien vielleicht sehr malerisch und schön aus. Ein Urteil aus Völkersen aber lautet: trotz regnerischen Sommers nur ein klägliches Rinnsaal.

Völkersen – „Seit 2018 ist es jedem klar – die Natur verändert sich dramatisch. Und das nicht nur, aber vor allem, durch den noch schneller als befürchtet fortschreitenden Klimawandel“, erklärt Völkersens Ortsbürgermeister Andreas Noltemeyer ganz allgemein, hat dabei aber ein ganz konkretes lokales Beispiel vor Augen.

„Der Mühlenbach, der den Übergang von der Geest zum Moor darstellt, ist in den letzten Jahren immer häufiger und immer länger trockengefallen – historisch gesehen ein eher unbekanntes Phänomen. So war die Bilanz für 2020 von Ende Mai bis Anfang Oktober: kein Wasser im Bereich der Ottersberger Straße“, so Andreas Noltemeyer weiter.

Im Jahr zuvor, also 2019, waren es über zwei Monate, beginnend im Juli, die der Mühlenbach kein bisschen Wasser führte. Noltemeyer, sein Stellvertreter Heinrich Clüver, selbst Anrainer am Oberlauf des Baches sowie Julius Clüver – beide Clüvers sind aktive Landwirte – beschlossen daraufhin etwas zu unternehmen.

Die drei Völkerser suchten Hilfe bei der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Verden. Dort habe man sich nicht unbedingt zuständig gezeigt, berichtet der Völkerser Ortsbürgermeister.

Nach einem weiteren Gespräch mit Rolf Göbbert, 2. Vorsitzender vom Nabu Verden, habe man beschlossen, dass es nur einen gemeinsamen Lösungsansatz geben kann. „Als Erstes muss nun ein runder Tisch aus Politik, Naturschutzverbänden, Landwirten, die Grundstücke am Bach haben und teilweise auch beregnen, sowie der Verwaltungsebene gegründet werden“, erläutert Noltemeyer den Völkerser Standpunkt. Es gehe vor allem um die Finanzierung von zu treffenden Maßnahmen.

Früher sei ein schnelles Abfließen des Niederschlags oberstes Ziel gewesen. Die Weiden am Bach waren immer sehr nass. Jetzt gehe es darum, das Wasser so lange wie möglich in der Fläche zu halten, um vor allem den Grundwasserstand positiv zu beeinflussen, erklärt Heinrich Clüver.

Die Quellen des Bachs entspringen im Naturschutzgebiet Waller Moor. Der über die Jahre zurückgehende Grundwasserstand mache sich dort durch eine geringere Ergiebigkeit bemerkbar. Auch der Wasserverbrauch und vor allem das damit einhergehende Genehmigungsverfahren für das intensive Beregnen – zurzeit ist das in der hiesigen Region noch nicht sehr verbreitet – müsse nach Meinung der Ortspolitiker trotz Verständnis für die Landwirtschaft auf den Prüfstand.

„Der ökologische Zustand dieses, für die Gegend herausragenden Gewässers II. Ordnung muss zwingen verbessert werden. Kurzfristig geht das sicher durch temporäres Aufstauen des abfließenden Wassers. Des Weiteren muss auch der in den 60er-Jahren erfolgte kanalähnliche Ausbau überdacht werden“, so die drei Völkerser in einer gemeinsamen schriftlichen Erklärung.

Positiv ist von der Ortspolitik zur Kenntnis genommen worden, dass zumindest die früher übliche intensive Pflege, vor allem das häufige Mähen und Räumen der Grabenrandbereiche durch den Unterhaltungsverband, deutlich umweltfreundlicher auf einmal im Jahr reduziert worden sei. Amphibien und Kleinsäugetiere und damit zum Beispiel auch den in den letzten Jahren zahlreich angesiedelten Storchenpaaren, zurzeit gibt es fünf besetzte Horste in Völkersen und Haberloh, komme das zugute.

„Wer, wenn nicht wir, soll sich vor Ort um den Schutz der natürlichen Ressourcen wie Wasser kümmern?“, so die drei Völkerser abschließend in ihrer Erklärung, mit der sie nun einen Monat vor der Kommunalwahl über alle Parteigrenzen an die Öffentlichkeit gehen.

Andreas Noltemeyer und Julius Clüver treten für Bündnis 90 / Die Grünen an, Heinrich Clüver kandidiert wieder auf der Liste der CDU für einen Sitz im Ortsrat Völkersen.  

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